Frederik Köster / NDR Bigband - K. on the Shore

Frederik Köster / NDR Bigband - K. on the Shore - Album cover
Frederik Köster / NDR Bigband - K. on the Shore

Frederik Köster / NDR Bigband
K. on the Shore

Erscheinungstermin: 12.09.2025
Label: Traumton Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Mit „K. on the Shore“ legt Frederik Köster gemeinsam mit der NDR Bigband unter der Leitung von Geir Lysne ein Werk vor, das durch seine formale Komplexität, seine instrumentale Brillanz und seine erzählerische Kraft beeindruckt. Der Trompeter glänzt mit ausdrucksstarken Soli, die in einen intensiven Dialog mit den Mitgliedern der Bigband treten.

Die Kompositionen, inspiriert von den Novellen Haruki Murakamis, entfalten sich mit großer Dynamik und eröffnen ein Kaleidoskop an Klangfarben, Emotionen und Stimmungen. Besonders hervorzuheben ist das sensible Zusammenspiel zwischen den Solisten und dem Orchester, das sowohl auf kompositorischer als auch auf improvisatorischer Ebene überzeugt.

Über eine Stunde Musik voller Spannung, Fantasie und orchestraler Wucht machen dieses Album zu einem besonderen Hörerlebnis, das sowohl durch seine künstlerische Tiefe als auch durch seine zugängliche Vielfalt besticht. „K. on the Shore“ ist ein außergewöhnliches Werk, das die Möglichkeiten von Bigband-Jazz in neue Dimensionen führt.

(Jacek Brun, 15.09.2025)

Besetzung

Frederik Köster:
Trompete, Flügelhorn, Kompositionen, Arrangements

NDR Bigband:
Geir Lysne: Dirigent
Jonas Burgwinkel: Schlagzeug

Klangkaleidoskop: Frederik Köster & NDR Bigband entführen ans Ufer der Fantasie

Seit mehr als 15 Jahren zählt Frederik Köster zu den prägnantesten Figuren der deutschen Jazzszene. Der Kölner Trompeter und Komponist wurde unter anderem durch seine Arbeit in Trilok Gurtus Band auch international bekannt und wurde als Bandleader und Instrumentalist bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er beispielsweise den WDR- und den Westfalen-Jazzpreis sowie zwei Jazz-Echos, einen davon für das intime Duo-Album Canada mit dem Pianisten Sebastian Sternal, der auch zu Kösters Quartett „Die Verwandlung” gehört. Das jüngste Album von „Die Verwandlung“, „Stufen“, wurde weithin gelobt. BR Klassik erkannte darin „eine sich permanent wandelnde Dialektik der Klänge von großer, manchmal hymnischer Schönheit“ sowie „vielschichtig verflochtene rhythmische und harmonische Ebenen“. Auch das Magazin Concerto hob Kösters „großartig nuanciertes Spiel” hervor. Die FAZ schrieb anlässlich eines Konzerts: „Die Musiker begeistern […] mit großer dynamischer Spannweite, die von intensiven Energieschüben bis zu A-cappella-Passagen reicht. Spielfreude und Raffinesse […] lassen keine Wünsche offen.“

Immer wieder gelingt es Frederik Köster, mit wechselnder Klangästhetik oder unerwarteten Konstellationen zu überraschen. Mal präsentiert seine Band individuelle Fusionen von akustischer Virtuosität und kluger Elektro-Ästhetik – das Album Golden Age stand auf der Longlist des Preises der deutschen Schallplattenkritik –, mal verblüfft der Stilist durch eine spektakuläre Orchesterproduktion namens Homeward Bound Suite. Ein Faible für Bigbands pflegt Köster bereits seit seinem Studium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Seinerzeit spielte er häufiger in großformatigen Ensembles, etwa unter Peter Herbolzheimer oder bei der WDR Bigband. Irgendwann verlegte er sich darauf, nur noch als Solist mit solchen Bands aufzutreten oder für sie zu komponieren. Er ließ sich dabei unter anderem von Kenny Wheelers „Music For Large & Small Ensembles” und Maria Schneiders Werk inspirieren.

Das aktuelle Projekt mit der NDR Bigband, das am 12. September 2025 bei Traumton veröffentlicht wird, geht auf deren Manager Michael Dreyer zurück. Köster kennt Dreyer seit 15 Jahren. „Ich hatte schon seit Längerem vor, ein Projekt mit der NDR Bigband zu realisieren“, sagt Köster. „Dabei geht es mir aber nicht nur um die Möglichkeiten des Klangkörpers an sich. Einige der Musiker:innen kenne ich sehr gut, darunter Sandra Hempel, Florian Weber und Klaus Heidenreich. Diese Freundschaften spielen eine wichtige Rolle, ebenso natürlich die Bedingungen, die eine Radio-Bigband bieten kann.“ Letztlich habe sich die Zusammenarbeit zu einem „echten Herzensprojekt“ entwickelt, sagt Köster sichtlich zufrieden.

Rund ein Jahr habe er an Kompositionen und Arrangements gearbeitet, im Wesentlichen konzentriert in zwei Etappen. Währenddessen habe er sich „ein wenig wie ein Architekt gefühlt“. Nachdem ich die Skizzen und das Leitmotiv fertig hatte, ging ich an die Orchestrierungen und die Dramaturgie. In dieser Phase habe ich mich intensiv mit Geir Lysne ausgetauscht, der meine Ideen letztlich sehr detailgenau umgesetzt hat.“

Darüber hinaus entwickelte Köster Momente, „die den orchestralen Rahmen verlassen, sich in Spielhaltung, Ausdruck und Klang einer Combo nähern.“ Dazu gehören beispielsweise a-cappella-Passagen einiger kleinerer Bläsergruppen oder frei angelegte Teile, in denen kollektiv improvisiert werden kann – letztere sind exemplarisch in „Arch Duke“ und „HB Wonderland“ zu erleben. „Generell hatte ich das Ziel, einigen gewohnten Bigband-Stilistiken etwas entgegenzusetzen“, erklärt Köster. „Also wollte ich Hierarchien aufbrechen, spezielle Texturen gestalten und klassische Muster vermeiden.“ Bemerkenswert ist auch die rhythmische Vielfalt der Stücke. Sie reicht von 9/8 in „Yougottadance“ über 5/4 in „About Birds“ und 7/8 in „About Frogs And Worms“ bis zum Walzertakt des finalen „Naoko“.

Wie so häufig bei Frederik Köster sind auch seine neuen Stücke von Literatur inspiriert. „Michael weiß, dass ich ein Fan von Haruki Murakami bin, und hatte daher die Idee zu einem Programm, das sich mit dessen Werk beschäftigt. Von selbst wäre ich vermutlich nicht darauf gekommen, einem einzelnen Autor ein ganzes Programm zu widmen. Aber dann habe ich darüber nachgedacht und in vielen Texten Anknüpfungs- und Umsetzungspunkte gefunden. Und daraus ließ sich auch ein roter Faden entwickeln.“ Beispielsweise übersetzt er die von Murakami häufig kreierten surrealen Szenen in polyphone oder freie Passagen. Insgesamt komponierte Köster eine Art Suite, die wie die Werke des japanischen Autors in vielen Facetten schillert.

Ein typischer Murakami-Charakter ist ein Mann Anfang 30, der nach einer Trennung in einer Sinnkrise steckt und eine Reise antritt. Köster beschreibt ihn durch ein Leitmotiv, das in der Suite mehrfach wiederkehrt: im dreiteiligen Aufmacherstück „Lonely Young Man“, in „About Frogs and Worms“ und in „Closing“. Murakamis Roman „Kafka am Strand” diente als Inspiration für zwei Stücke. „Eins davon, ‚Arch Duke‘, steht stellvertretend für Szenen in der Geschichte, in denen Musik eine übergeordnete Rolle spielt“, erklärt Köster. „Es gibt ein klassisches Stück von Beethoven, das auch ‚Arch Duke‘ heißt. Das ging mir beim Schreiben ebenso durch den Kopf wie Musik des Impressionismus. Und dazu kommt eine kollektive Improvisation.“

Es liegt nahe, dass sich „About Birds“ auf das Buch „Mister Aufziehvogel“ bezieht. Das Stück beginnt buchstäblich mit dem Aufziehen, es kommt wie ein Spielzeug langsam in die Gänge. In der Geschichte gibt es ständig Vogelreferenzen und einen Protagonisten, der Aufziehvogel genannt wird. Entsprechend war mein Ziel, die Komposition sehr ‚vogelig‘ klingen zu lassen, mit vielen gedoppelten Flöten, Klarinetten und Bassklarinetten.“ Wie ideenreich Köster Murakamis Fantasien umzusetzen versteht, zeigen auch „Yougottadance“ (Impulsgeber: Tanz mit dem Schafsmann), das einen rituellen Tanz rhythmisch imaginiert, sowie das Liebeslied „Aomame and Tengo“ (Inspiration: 1Q84): „Die beiden Protagonisten Aomame und Tengo begegnen sich erst am Schluss des Buches wirklich, so auch Florian am Klavier und ich an der Trompete.“

Immer wieder verblüfft Köster mit listigen Details, die er in seine Stücke eingeflochten hat – zuletzt auch bei „Naoko“. Hinter den Flügelhorn-Soli von ihm und Percy Pursglove lässt er, einem Abspann ähnlich, noch einmal alle Themen der Suite aufleuchten. Mit K. on the Shore zeigt Frederik Köster ein weiteres Mal seinen herausragenden Gestaltungswillen – nicht nur als Trompeter, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Und die flexible NDR Bigband mit ihren hochkarätigen Musiker:innen und Solist:innen verleiht Kösters individuellen Ideenwelten Glanz und Lebendigkeit.

Text: Traumton Records

Titelliste

  1. Opening / Lonely Young Man / Yougottadance
  2. Arch Duke
  3. About Birds
  4. K. on the Shore
  5. About Frogs and Worms
  6. Aomame and Tengo
  7. HB Wonderland / Closing
  8. Naoko

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