Rezension des Albums "Coffee and Berries" von Gebhard Ullmann
Gebhard Ullmann
Coffee and Berries
Erscheinungstermin: 22.05.2026
Label: ESP Disk, Trouble in the East, 2026
Wie ein Gespräch ohne Worte – Musik aus dem Moment geboren
Kaum etwas ist riskanter – und zugleich aufregender – als Musiker ohne Proben, ohne vorgegebene Kompositionen und nahezu ohne Absprachen in ein Studio zu schicken. Genau auf dieses Abenteuer hat sich Gebhard Ullmann bei Coffee and Berries eingelassen. Das Ergebnis ist ein Album von beeindruckender Direktheit und Intensität, das die Energie der New Yorker Improvisationsszene eindrucksvoll einfängt.
Gemeinsam mit Steve Swell, Bassist Joe Morris und Schlagzeuger Charles Downs entstand 2024 im Park West Studio in Brooklyn eine Aufnahme, die ganz im Moment lebt. Während Ullmann und Swell bereits seit fast zwei Jahrzehnten musikalisch verbunden sind, begegneten sich Ullmann, Morris und Downs hier erstmals in dieser Konstellation – und begannen nach wenigen einleitenden Worten unmittelbar mit dem Spiel.
Mehr als 70 Minuten frei improvisierte Musik dokumentieren eine seltene Form kreativer Kommunikation in Echtzeit. Nichts wirkt konstruiert oder kalkuliert. Stattdessen hört man Musiker, die sich aufmerksam begegnen, aufeinander reagieren und gemeinsam Räume öffnen, ohne jemals die Spannung zu verlieren.
Gerade diese Offenheit macht Coffee and Berries so faszinierend. Die Musik wirkt roh und unmittelbar, gleichzeitig aber erstaunlich konzentriert. Immer wieder entstehen kraftvolle Verdichtungen, intensive Dialoge zwischen Saxofon und Posaune oder überraschend fragile Momente, in denen einzelne Klänge beinahe tastend im Raum stehen.
Ullmann bleibt dabei unverkennbar präsent. Sein Spiel verbindet intellektuelle Neugier mit emotionaler Direktheit, seine Klangforschung verliert nie den Bezug zum Ausdruck. Die Nähe zur Ästhetik des modernen New Yorker Jazz ist deutlich hörbar, zugleich trägt das Album eine sehr persönliche Handschrift.
Joe Morris und Charles Downs sorgen für ein rhythmisches Fundament, das nie bloße Begleitung ist. Vielmehr entstehen ständig neue Impulse, Richtungswechsel und Spannungen – ein musikalischer Prozess, der von allen Beteiligten gleichermaßen getragen wird.
Coffee and Berries ist kein Album für beiläufiges Hören. Es fordert Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen. Gerade darin liegt seine große Stärke.
Ein beeindruckendes Dokument musikalischer Freiheit und spontaner Kreativität – ein Album, an dem man nicht vorbeigehen sollte.
(Jacek Brun, 23.05.2026)
Besetzung
Gebhard Ullmann - tenor saxophone, live electronics
Steve Swell - trombone
Joe Morris - double bass
Charles Downs - drums
Titelliste
- The Thing
- G-S
- Transantlantic 2024
- G-C
- Coffee and Berries (1)
- G-J
- Coffee and Berries (2)
jazz-fun`s recap:
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Kommentar von Elmar Petzold |
Schön und spannend!