Rezension des Albums "Perception" von Hélène Duret - SYNESTET
Hélène Duret - SYNESTET
Perception
Erscheinungstermin: 24.04.2026
Label: Igloo Records, 2026
Wo Klänge zu Farben werden – Hélène Durets faszinierende Klangwelt
Musik kann Geschichten erzählen, Atmosphären erschaffen oder Emotionen auslösen – auf Perception scheint sie darüber hinaus Farben, Formen und Bewegungen hervorzurufen. Die Klarinettistin und Komponistin Hélène Duret eröffnet mit ihrem Ensemble SYNESTET einen Klangraum, der sich weniger linear entfaltet als vielmehr wie ein lebendiger Organismus wächst und verändert.
Für ihr viertes Album erweitert Duret die Formation um den deutschen Posaunisten Nils Wogram, dessen Präsenz dem Ensemble eine neue klangliche Dimension verleiht. Aus dem Quintett wird ein ungewöhnlich fein austarierter Sextettklang, der an Transparenz gewinnt und gleichzeitig neue energetische Möglichkeiten erschließt.
Die musikalische Sprache von Perception basiert auf den originellen Kompositionen Durets und einem hohen Maß an Improvisation, die tief in der Jazztradition verwurzelt bleibt, sich aber bewusst offen entwickelt. Komposition und spontane Reaktion greifen dabei permanent ineinander. Nichts wirkt statisch – die Musik scheint sich im Moment selbst zu formen.
Besonders faszinierend ist die Art, wie Klang hier beinahe materiell erfahrbar wird. Harmonien erzeugen Farben, rhythmische Bewegungen entfalten Texturen und melodische Linien erscheinen wie flüchtige Konturen im Raum. Der Albumtitel Perception wirkt dabei programmatisch: Wahrnehmung wird selbst zum musikalischen Prinzip.
Das Sextett begegnet dieser Idee mit großer Offenheit und Spielfreude. Alle sechs Musiker bewegen sich hörbar mit Lust am Risiko durch diese Klanglandschaften. Immer wieder entstehen überraschende Richtungswechsel, spontane Dialoge und organische Entwicklungen, die den Eindruck erwecken, man lausche einem permanenten kreativen Prozess.
Gerade diese Balance macht den Reiz des Albums aus: Perception bleibt komponiert und strukturiert, verliert dabei aber nie seine Lebendigkeit. Die Musik atmet, verändert ihre Perspektive und lädt dazu ein, aufmerksam zuzuhören.
Ein äußerst spannendes und klanglich reiches Album – voller Neugier, subtiler Überraschungen und jener seltenen Offenheit, aus der wirklich neue musikalische Erfahrungen entstehen können.
(Jacek Brun, 23.05.2026)
Besetzung
Hélène Duret - Klarinette
Sylvain Debaisieux - Saxophon
Nils Wogram - Posaune
Benjamin Sauzereau - Gitarre
Fil Caporali - Bass
Maxime Rouayroux - Schlagzeug
Titelliste
- De Loin En Loin
- Solo
- Point Commun
- Adieu
- Au Milieu
- Enferme Dehors
- Sinueuse
- Abysses
- Intro
- Basculements
- Colere Contenue
- Coda
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