Wo Musik zu Erinnerung wird – Jazzabela über „Lost in Paris“
Mit „Lost in Paris with Jazzabela“ schafft Jazzabela einen intimen Raum für musikalisches Storytelling jenseits klassischer Interviews. In ihrem visuellen Podcast spricht sie mit Musiker:innen über Kindheit, erste Emotionen, Zweifel, Krisen und die Wege zur Musik. Paris wird dabei zur stillen Begleiterin – als Stadt der Vielfalt, Melancholie und Inspiration. Die eigens für den Podcast komponierte Intro-Musik stammt von niemand Geringerem als Nduduzo Makhathini, was dem Format von Beginn an eine besondere musikalische Tiefe verleiht. Im Interview erzählt Jazzabela, warum sie bewusst auf Nähe, Empathie und echte Gespräche setzt und weshalb Jazz für sie vor allem eines ist: menschlich.
jazz-fun.de:
Dein neuer Podcast „Lost in Paris with Jazzabela“ ist sehr persönlich und intim. Was war für dich der Impuls, in die Welt der Podcasts einzutauchen und Musiker:innen gerade in dieser Form ihre Geschichten erzählen zu lassen?
Jazzabela:
Der Impuls kam aus meinen frühen Faszinationen. Schon als Kind haben mich Film, Soundtracks und Künstlerbiografien interessiert. Von zu Hause habe ich die Liebe zum Reisen und eine große Neugier auf die Welt mitbekommen – und damit auch das Bedürfnis, Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu entdecken. Mich hat immer der kreative Prozess fasziniert und das, was sich hinter der Musik verbirgt. Und … ich bin einfach unglaublich neugierig. Ich liebe es, hinter die Kulissen menschlicher Sensibilität zu schauen (lacht).
Die Form des visuellen Podcasts erschien mir deshalb ganz natürlich. Klang – und zusätzlich das Bild – schaffen eine intime Atmosphäre, Nähe und Authentizität im Gespräch. Als ich Lost in Paris with Jazzabela entwickelte, dachte ich darüber nach, was ich selbst als Zuhörerin hören möchte: echte Geschichten von Künstler:innen, ihre Emotionen und ihren Weg zur Musik. Standardinterviews über neue Alben haben mich weniger interessiert. Ich wollte Geschichten erzählen und die Hörer:innen durch Storytelling in die Welt der Musiker:innen hineinführen.
jazz-fun.de:
Du gehst mit den Künstler:innen zurück in ihre Kindheit, zu ersten Emotionen und musikalischen Entdeckungen. Warum ist dieser „Beginn des Weges“ für dich so wichtig?
Jazzabela:
Der Anfang ist für mich entscheidend, weil dort die reinsten Emotionen entstehen. Die ersten Klänge, das Staunen, die Entdeckungen – all das bleibt ein Leben lang in uns. In der Kindheit träumen wir mutiger, stellen uns Großes vor und kennen noch keine Grenzen. Das ist die Zeit, in der sich Intuition, Sensibilität und Sehnsüchte formen – oft genau jene, die uns später zur Kunst führen.
Ich kehre mit Künstler:innen gern zu diesen Momenten zurück, weil es ein bisschen wie eine Zeitreise ist: Aus der Perspektive des Erwachsenen können wir sehen, was uns damals berührt hat und wie aus diesen kleinen Erfahrungen die Musik von heute entstanden ist.
jazz-fun.de:
Paris – eine Stadt, die man mit Kunst, Melancholie und Jazz verbindet. Wie beeinflusst dieser Ort die Atmosphäre deines Podcasts und dein eigenes Verhältnis zur Musik?
Jazzabela:
Ich war zum ersten Mal mit sieben Jahren mit meiner Mutter in Paris – und habe mich sofort verliebt. Es ist eine Stadt der Vielfalt. Jedes Arrondissement hat seinen eigenen Charakter, und auf den Straßen begegnet man der ganzen Welt.
Paris hat schon immer Künstler:innen angezogen: Sidney Bechet, Django Reinhardt, Bud Powell oder Chet Baker lebten hier, Miles Davis, James Baldwin oder Picasso hatten prägende Pariser Phasen. Diese Geschichte und die Energie der Stadt sind bis heute spürbar. Paris lädt zur Reflexion ein, regt die Kreativität an und bildet den idealen Hintergrund für meinen Podcast.
Ich glaube, genau diese Mischung aus Kultur, Melancholie und Offenheit durchzieht Lost in Paris with Jazzabela und prägt auch mein eigenes musikalisches Empfinden.
jazz-fun.de:
Deine Art, Gespräche zu führen, ist außergewöhnlich ruhig, aufmerksam und empathisch. Wie bereitest du dich auf Begegnungen mit Künstler:innen vor – und wie entsteht dieser intime Raum, in dem sich Menschen wirklich öffnen?
Jazzabela:
Vielen Dank für dieses Kompliment. Ich bereite mich sehr sorgfältig auf jedes Treffen vor: Ich lese Interviews, schaue mir Aufnahmen an, höre Alben und notiere alles, was mir hilft, die Künstler:innen besser zu verstehen. Ich habe mich in diesen Prozess verliebt – er ist mir fast genauso wichtig geworden wie das Gespräch selbst.
Ich versuche, authentisch zu sein, denn ich bin keine Journalistin und möchte auch keine sein. Ich möchte mich einfach mit den Künstler:innen hinsetzen, ganz normal reden, gemeinsam lachen, Erinnerungen teilen und diese menschliche Nähe spüren. In so einer Atmosphäre kann ich sowohl mich selbst zeigen als auch die echte, oft unbekannte Seite der Künstler:innen – jene, die man sonst nur selten zu sehen bekommt.
jazz-fun.de:
Dein Podcast erzählt nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Zweifeln, Krisen und Wendepunkten. Gab es Gespräche, die dich besonders berührt oder dein Bild vom Jazz verändert haben?
Jazzabela:
Ich stehe mit dem Podcast noch ganz am Anfang, neue Folgen werden regelmäßig erscheinen, deshalb möchte ich noch keine Namen nennen – das soll eine Überraschung bleiben.
Aber ich kann sagen: Jede einzelne Begegnung berührt mich auf ihre eigene Weise, weil alle Geschichten sehr persönlich sind. Wenn ich später die Musik dieser Künstler:innen höre, habe ich das Gefühl, sie ein kleines Stück besser zu kennen – mit ihren Erfahrungen, Zweifeln, Freuden und Krisen.
Ich möchte bewusst keine konkreten Beispiele nennen, weil ich hoffe, dass wir all das gemeinsam entdecken – zusammen mit den Hörer:innen. Ich glaube, gerade diese Erzählungen über Verletzlichkeit, Umwege und Schlüsselmomente ermöglichen eine tiefere Nähe zu den Künstler:innen und auch zum Jazz selbst. Sie helfen dabei, einen persönlicheren Zugang zur Musik zu finden.
jazz-fun.de:
Wir kennen und begleiten uns seit Jahren und ich habe gesehen, wie du deine Ideen mit großer Leidenschaft entwickelst. Welche Träume und Pläne verbindest du mit „Lost in Paris with Jazzabela“ – und was wünschst du dir für den weiteren Weg dieses Projekts?
Jazzabela:
Dieser Podcast ist natürlich für Jazzfans gedacht, aber vielleicht sogar noch mehr für Menschen, die bisher keinen Zugang zu Jazz hatten. Ich träume davon, dass jemand durch diese Geschichten plötzlich denkt: „Was für ein spannender Mensch – ich muss hören, was er oder sie für Musik macht.“
Ich möchte Jazz, aber auch Soul für ein breiteres Publikum öffnen und zeigen, dass es Musik voller Emotionen, Sensibilität und wunderschöner Lebensgeschichten ist. Mein Plan ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen, sie für musikalisches Storytelling zu begeistern und sie auf eine Reise mitzunehmen, die – hoffentlich – sehr lange dauert.
Und was wünsche ich mir selbst? Dass sich dieses Projekt organisch entwickelt, aus dem Herzen heraus – und dass jede neue Folge Freude und Inspiration bringt.
jazz-fun.de:
Vielen Dank für das Gespräch.
Lost in Paris with Jazzabela“ auf Youtube:
https://www.youtube.com/@lostinpariswithjazzabela
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