Rezension des Albums "Doctrine Of Love" von Jalen Ngonda

Jalen Ngonda - Doctrine Of Love - Album cover
Jalen Ngonda - Doctrine Of Love

Jalen Ngonda
Doctrine Of Love

Erscheinungstermin: 05.06.2026
Label: Daptone Records, 2026

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Jede große Musik trägt die Stimmen ihrer Vergangenheit in sich – und singt dennoch ihre eigene Zukunft

jazz-fun`s recap:

Manchmal lohnt es sich, musikalisch rückwärts zu gehen, um die Zukunft besser zu verstehen. Wer wissen möchte, warum Jazz, Soul und Rhythm & Blues bis heute eine so große emotionale Kraft besitzen, findet in Doctrine Of Love eine beeindruckende Antwort. Dieses Album blickt nicht nostalgisch zurück – es lässt eine ganze musikalische Tradition neu aufleben.

Mit seinem zweiten Album erweitert Jalen Ngonda die Klangwelt, die bereits sein Debüt ausgezeichnet hat. Er bewegt sich durch die späten 1960er Jahre, greift den warmen Sound von Soul und Funk auf und verbindet ihn mit Folk-Rock, Doo-Wop und den frühen Rock-’n’-Roll-Aufnahmen aus New Orleans der 1950er Jahre. Doch all diese Einflüsse erscheinen nicht als historische Zitate. Sie bilden vielmehr die natürliche Sprache eines Künstlers, der diese Musik bis in ihre Wurzeln hinein verstanden hat.

Im Mittelpunkt steht dabei seine außergewöhnliche Stimme. Sie besitzt Kraft und Wärme, zugleich aber auch eine bemerkenswerte Selbstverständlichkeit. Ngonda singt nicht, um Virtuosität zu demonstrieren, sondern um Geschichten zu erzählen. Sein Gesang trägt die Musik mit einer Authentizität, die sofort erkennen lässt, dass hier jemand seine musikalische Identität gefunden hat.

Über dem gesamten Album liegt der Geist von Gospel und Blues. Und gerade das macht Doctrine Of Love so faszinierend. Ohne Gospel gäbe es keinen Soul, ohne Blues keinen Rock ’n’ Roll und ohne diese Traditionen wäre auch der Jazz nicht zu dem geworden, was wir heute kennen. Das Album erinnert daran, dass musikalische Entwicklungen niemals isoliert entstehen, sondern aus einer langen Kette von Stimmen, Erfahrungen und kulturellen Erinnerungen hervorgehen.

Vielleicht werden manche Jazz-Puristen diese Musik als zu tanzbar oder zu eingängig empfinden. Doch gerade darin liegt ihre Stärke. Sie besitzt Groove, Lebensfreude und eine unmittelbare emotionale Kraft, die den Körper ebenso erreicht wie den Geist. Diese Musik möchte nicht analysiert werden, bevor man sie fühlt – sie lädt dazu ein, sich ihr ohne Vorbehalte hinzugeben.

Jalen Ngonda gelingt damit weit mehr als eine stilistische Hommage. Er führt eine große Tradition fort und beweist, dass Soul auch heute noch lebendig, relevant und künstlerisch anspruchsvoll sein kann. Seine tiefe Kenntnis der Geschichte von Gospel, Blues, Soul und frühem Rock ’n’ Roll wird dabei niemals zum Selbstzweck, sondern verwandelt sich in Musik voller Persönlichkeit.

Doctrine Of Love ist deshalb nicht nur ein hervorragendes Soul-Album. Es ist eine Erinnerung daran, dass die schönsten musikalischen Geschichten oft dort beginnen, wo Menschen ihre Gefühle in Gesang verwandeln. Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seiner großen Wirkung.

(Jacek Brun, 12.06.2026)

Titelliste

  1. Anyone In Love
  2. Doctrine Of Love
  3. Mr. Train Conductor
  4. Burning Temptation
  5. Love Is Gone
  6. I Can't Ever Leave You
  7. Hannah, What's The Matter?
  8. Good Good Love
  9. Hang It On The Shelf
  10. Taken Out Of The Picture

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