Rezension des Jazz-Albums "Tiger's den" von Jan Dintheer Large Ensemble
Jan Dintheer Large Ensemble
Tiger's den
Erscheinungstermin: 23.01.2026
Label: Double Moon Records, 2025
Zeitgenössischer Jazz für großes Ensemble
Tiger’s den ist das Debütalbum des Schweizer Komponisten und Ensembleleiters Jan Dintheer. Die Veröffentlichung präsentiert sich als ambitionierte, vielschichtige Arbeit für großes Ensemble, die konzeptuelle Stringenz mit der spontanen Energie eines 19-köpfigen Klangkörpers verbindet. Das Album versteht sich als musikalische Expedition – eine Reise durch Neugier, Vorstellungskraft und das bewusste Erkunden unbekannten Terrains.
Obwohl der Einstieg klanglich zunächst vertraut wirkt, öffnet sich bereits nach kurzer Zeit ein eigenständiger, überraschend facettenreicher Kosmos. Dintheer nutzt die Möglichkeiten des Large Ensembles sehr bewusst: Posaunenflächen, gestaffelte Trompetenlinien, gezielte Flötenakzente und differenzierte Saxofonpassagen greifen ineinander wie Zahnräder eines präzise konstruierten Mechanismus. Dabei entsteht ein kontinuierlicher Dialog zwischen den Instrumentengruppen, der weniger auf Effekte setzt als auf erzählerische Entwicklung.
Der kompositorische Stil Dintheers zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Balance aus. Intellektuelle Planung und strukturelle Klarheit stehen gleichberechtigt neben improvisatorischer Offenheit und instinktiver musikalischer Energie. Die Kompositionen wirken durchdacht, ohne statisch zu sein, und lassen den Musikerinnen und Musikern ausreichend Raum, ihre individuellen Stimmen einzubringen, ohne die architektonische Idee aus dem Blick zu verlieren.
Das Large Ensemble verleiht der Musik Wärme, Detailreichtum und Vitalität. Jede Stimme trägt zur Gesamtform bei, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade diese kollektive Haltung macht Tiger’s den zu einem Album, das zugleich präzise und emotional wirkt: klar gebaut, aber lebendig im Ausdruck.
Tiger’s den positioniert sich als starkes Debüt, das zeigt, wie zeitgenössische Großensemble-Musik heute klingen kann – traditionsbewusst, experimentierfreudig und erzählerisch zugleich.
(Jacek Brun, 06.02.2026)
Besetzung
Jan Dintheer - Piano
Flo Hufschmid - Drums
Benjamin Jaton - Double bass
Anna Regina Kalk - Guitar
Daniel Hernandez - Piano
Kristine Solli Oppegaard - Tuba
Julia Rüffert - Trombone
Jonas Beck - Trombone
Pere Molines Tur - Trombone
Paul Butscher - Trumpet
Jaronas Höhener - Trumpet
Felix Grandjean - Trumpet
Nicola Bernhard - Trumpet
Philipp Hillebrand - Clarinet
Xavier Sprunger - Bariton Saxophone
Elori Baume - Tenor Saxophone
Marco Karrer - Tenor Saxophone
Loris Knüsel - Alto Saxophone
Matthias Kohler - Saxophone
Nancy Meier - Flute
Titelliste
- Hei ja tervetuloa
- Unvollkommenes beryllium
- Flug frohmut
- Loose cannon
- 5 vor 12
- Tiger's den
- Skyjo
- Langsgeteilte dringlichkeit
- Shepard's pie
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben