Jason Moran

Jason Moran, Foto: Hans Peter Schaefer
Jason Moran, Foto: Hans Peter Schaefer

Biographie

Der Pianist, Komponist und multidisziplinäre Künstler Jason Moran gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten des modernen Jazz. Seit den späten 1990er Jahren hat er die Sprache des Jazzpianos konsequent erweitert – offen für Hip-Hop, zeitgenössische Kunst, Improvisation, Klassik und afroamerikanische Musikgeschichte. Moran versteht Jazz nicht als abgeschlossenes Erbe, sondern als lebendige kulturelle Praxis, die ständig neu befragt werden muss.

Geboren 1975 in Houston, Texas, erhielt Moran bereits im Alter von sechs Jahren klassischen Klavierunterricht nach der Suzuki-Methode. Gleichzeitig prägte ihn die umfangreiche Plattensammlung seines Vaters. Als Jugendlicher interessierte er sich zunächst stärker für Hip-Hop, bevor ihn eine Begegnung mit 'Round Midnight nachhaltig veränderte. Besonders die Musik von Thelonious Monk wurde zu einer Schlüsselerfahrung – neben weiteren Vorbildern wie Andrew Hill und Don Pullen.

Nach seiner Ausbildung an der High School for the Performing and Visual Arts in Houston studierte Moran an der Manhattan School of Music in New York bei dem legendären Pianisten Jaki Byard, dessen stilistische Offenheit einen nachhaltigen Einfluss auf ihn ausübte. Bereits während des Studiums spielte Moran längere Zeit in der Band des Saxophonisten Greg Osby, wo er sich rasch einen Namen machte.

1999 veröffentlichte Moran mit Soundtrack to Human Motion sein Debütalbum – ein Werk, das sofort Aufmerksamkeit für seine eigenständige kompositorische Sprache und sein außergewöhnlich offenes Pianospiel erhielt. Kurz darauf gründete er mit Bassist Taurus Mateen und Schlagzeuger Nasheet Waits sein bis heute zentrales Trio The Bandwagon, das zu den innovativsten Ensembles des modernen Jazz zählt. Mit dem Gitarristen Marvin Sewell wurde die Formation später erweitert.

Moran entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem Musiker, der die Grenzen zwischen Konzert, Performance und Installation zunehmend auflöste. Besonders sein multimediales Projekt „In My Mind: Monk at Town Hall 1959“ sorgte international für Aufmerksamkeit. In dieser Arbeit verband er Archivmaterial, eigene Musik, Film und Fotografie zu einer künstlerischen Reflexion über das Vermächtnis von Thelonious Monk.

Neben seinen eigenen Projekten arbeitete Moran über ein Jahrzehnt im Quartett von Charles Lloyd und spielte unter anderem auf dessen Alben Hagar’s Song und The Sky Will Still Be There Tomorrow. Zudem gehörte er mehrere Jahre zur Band des niederländischen Bassisten Dave Holland und arbeitete mit Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Generationen zusammen – von Archie Shepp bis zu zeitgenössischen Improvisatorinnen wie Stephanie Richards.

Seit 2010 unterrichtet Moran am New England Conservatory in Boston. Große kulturpolitische Bedeutung erhielt zudem seine Tätigkeit als künstlerischer Leiter des Jazzprogramms am John F. Kennedy Center for the Performing Arts, die er von 2011 bis 2025 innehatte. Dort kuratierte er eines der größten Jazzprogramme der USA und setzte sich verstärkt für neue Perspektiven auf afroamerikanische Kulturgeschichte ein.

Moran lebt und arbeitet in New York. Seine Musik bleibt geprägt von einer seltenen Offenheit: konzentriert, intellektuell neugierig und zugleich emotional unmittelbar – eine Verbindung, die ihn zu einer der wichtigsten Stimmen des internationalen Jazz gemacht hat.

Ausgewählte Diskographie

  • Soundtrack To Human Motion, 1999
  • Facing Lef, 2000
  • Black Star, 2001
  • Modernisti, 2002
  • The Bandwago, 2003
  • Same Mothe, 2005
  • Artist in Residence, 2006
  • Ten, 2010
  • All Rise: A Joyful Elegy for Fats Waller, 2014
  • Looks of a Lot, 2018
  • From the Dancehall to the Battlefield, 2023
  • Jason Moran, BlankFor.ms & Marcus Gilmore - Shards, 2026

Links

Jason Moran Internetseite:
http://www.jasonmoran.com/

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