rejazz-festival 2026
Berlin
rejazz-festival 2026: Drei Abende für Vielfalt und künstlerische Eigenständigkeit
Vom 19. bis 21. November geht das Berliner rejazz-festival in seine siebte Ausgabe. Sechs Formationen stehen im Jazzclub Kunstfabrik Schlot auf dem Programm – darunter Ariel Bart, Silke Eberhard, Kika Sprangers, Liz Kosack, Julie Campiche und Aki Takase.
rejazz-festival.de
Drei Abende, sechs Projekte und eine programmatische Idee, die das rejazz-festival seit seiner Gründung prägt: Vom 19. bis 21. November 2026 widmet sich die siebte Ausgabe erneut ausschließlich female-led und co-led Projekten – Formationen also, in denen Frauen komponieren, arrangieren oder die künstlerische Leitung übernehmen.
Gegründet wurde das Festival 2020 von der niederländischen Sängerin, Komponistin und Veranstalterin Jacobien Vlasman. Was unter schwierigen pandemischen Bedingungen begann, hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der Berliner Jazzszene entwickelt und zieht zunehmend auch internationale Aufmerksamkeit auf sich.
Dabei versteht das Festival den Begriff „Musikerinnen“ ausdrücklich inklusiv und bezieht alle ein, die sich als Frauen identifizieren – unabhängig davon, ob sie cis, trans, inter oder nicht-binär und als Frau gelesen sind.
Das rejazz-festival will gleichermaßen Bühne, Netzwerk und Ort des Austauschs sein. Sein Anliegen ist nicht allein, Musikerinnen sichtbarer zu machen, sondern zu zeigen, dass von Frauen geleitete Projekte längst einen selbstverständlichen und prägenden Teil des gegenwärtigen Jazz bilden.
„Musik kennt kein Geschlecht – aber Haltung“, beschreibt Vlasman den Grundgedanken des Festivals.
Seit der ersten Ausgabe standen unter anderem Julia Hülsmann, Angelika Niescier, Silke Eberhard, Mirna Bogdanović, Eva Klesse, Louise Jallu und Julia Kadel auf der rejazz-Bühne. Auch 2026 verbindet das Programm Musiker:innen aus der Berliner Szene mit internationalen Gästen und sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, was zeitgenössischer Jazz sein kann.
Gefördert wird das Festival in diesem Jahr vom Musikfonds e.V. | BMK und vom niederländischen Fonds Podiumkunsten. Medienpartner sind Jazz thing und jazz-fun.de.
Donnerstag: Ariel Bart und Silke Eberhard
Den ersten Festivalabend eröffnet die israelische Mundharmonikaspielerin Ariel Bart mit ihrem Trio.
Bart gehört zu jener Generation von Musiker:innen, die der chromatischen Mundharmonika im zeitgenössischen Jazz neue Möglichkeiten erschlossen haben. In ihrer Musik verbinden sich europäische Jazztraditionen mit nahöstlichen Harmonien und Einflüssen aus der klassischen Musik. Gemeinsam mit Pianist Arseny Rykov und Bassist Fabian Timm entwickelt sie daraus eine oft bildhafte, melancholisch gefärbte Klangsprache.
Ariel Bart Trio
Ariel Bart – harmonica
Arseny Rykov – piano
Fabian Timm – bass
Anschließend steht ein Jubiläum auf dem Programm: Das Silke Eberhard Trio feiert sein 20-jähriges Bestehen.
Seit zwei Jahrzehnten spielt die Berliner Altsaxofonistin Silke Eberhard gemeinsam mit Jan Roder am Bass und Kay Lübke am Schlagzeug. Das Trio bewegt sich in der Tradition klassischer Saxofon-Bass-Schlagzeug-Formationen, hat daraus jedoch längst eine eigene Sprache entwickelt.
Freie Improvisation trifft auf präzise komponierte Strukturen, rhythmische Energie auf Humor und spontane Interaktion. Für ihre Arbeit wurde die Band unter anderem mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Eberhard selbst erhielt 2020 den Jazzpreis Berlin.
Silke Eberhard Trio
Silke Eberhard – alto saxophone
Jan Roder – bass
Kay Lübke – drums
Freitag: Kika Sprangers und Liz Kosack
Der zweite Abend beginnt mit dem Kika Sprangers Quintet aus den Niederlanden.
Die Saxofonistin und Komponistin Kika Sprangers, Gewinnerin des Edison Jazz Award 2025, gehört zu den markanten Stimmen der jüngeren niederländischen Jazzszene. In Berlin präsentiert sie ihr aktuelles Projekt „river, river“.
Das Fließen des Wassers dient dabei als Metapher für Veränderung, Bewegung und menschliches Leben. Sprangers verbindet ihren Saxofonsound mit Piano und Wurlitzer, Kontrabass und Schlagzeug sowie der wortlosen Stimme von Anna Serierse. Daraus entsteht eine Musik, die kammermusikalische Feinheiten ebenso zulässt wie größere orchestrale Entwicklungen.
Kika Sprangers Quintet
Kika Sprangers – saxophones, composition
Anna Serierse – vocals
Koen Schalkwijk – piano, Wurlitzer
William Barrett – double bass
Wouter Kühne – drums
Danach wechselt die musikalische Perspektive deutlich.
Mit Y bringt die Keyboarderin und SWR-Jazzpreisträgerin Liz Kosack eines ihrer kompromissloseren Projekte nach Berlin. Gemeinsam mit Dan Peter Sundland am E-Bass und Steve Heather am Schlagzeug bewegt sich das Trio zwischen freier Improvisation, elektronischen Klangwelten und einer Energie, die immer wieder in Richtung Free Rock weist.
Analoge und digitale Sounds, drängende Rhythmen und spontane Strukturen bilden das Material für eine Musik, die sich konventionellen Genrezuordnungen weitgehend entzieht.
Y
Liz Kosack – synthesizer
Dan Peter Sundland – electric bass
Steve Heather – drums
Samstag: Julie Campiche und Aki Takase
Der letzte Festivaltag beginnt mit Julie Campiche und ihrem Solo-Projekt „Unspoken“.
Die Schweizer Harfenistin und Komponistin gehört zu den Musiker:innen, die das Instrument konsequent aus seinem traditionellen Kontext herausführen. Elektronik, Effekte, Loops und gesprochene Sprache werden dabei ebenso Teil ihres Vokabulars wie der akustische Klang der Harfe.
Ausgangspunkt von „Unspoken“ ist der Virginia Woolf zugeschriebene Gedanke „Anonymous was a woman“. Campiche richtet den Blick auf weibliche Stimmen und Biografien, die in der Geschichte häufig unsichtbar geblieben sind, und übersetzt diese Auseinandersetzung in einen elektroakustischen Klangraum.
Julie Campiche – „Unspoken“
Julie Campiche – harp, electronics, composition
Zum Abschluss treffen drei unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen aufeinander.
Die Pianistin Aki Takase, 2026 mit dem Deutschen Jazzpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, spielt gemeinsam mit dem Turntablisten DJ Illvibe und dem Tänzer Kofie da Vibe.
Takases Klavierspiel begegnet dabei den Samples, Beats und klanglichen Eingriffen von DJ Illvibe sowie der körperlichen Bewegung Kofie da Vibes. Musik, Rhythmus und Tanz werden nicht als voneinander getrennte Ebenen behandelt, sondern reagieren unmittelbar aufeinander.
So endet die siebte Ausgabe des rejazz-festivals mit einer Begegnung zwischen Jazz-Avantgarde, Turntablism und urbaner Tanzkultur.
Aki Takase feat. DJ Illvibe & Kofie da Vibe
Aki Takase – piano
DJ Illvibe – turntables
Kofie da Vibe – dance
Informationen
rejazz-festival #7
19.–21. November 2026
Jazzclub Kunstfabrik Schlot
Invalidenstraße 117
10115 Berlin
Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 20:30 Uhr
Vorverkauf inkl. Gebühren:
Festivalpass: 55 € / ermäßigt 39 €
Tagesticket: 21 € / ermäßigt 16 €
Abendkasse:
Tagesticket: 23 € / ermäßigt 18 €
Weitere Informationen und Vorverkauf: rejazz-festival.de
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