44. Südtirol Jazzfestival Alto Adige 2026

Supersonic Drummers
Supersonic Drummers, Foto: G.Pichler

Große Besetzungen, konzentrierte Momente

Zu den markantesten Produktionen gehörte das Gard Nilssen Supersonic Orchestra, dessen dichte Klangstrukturen und rhythmische Energie zu den Höhepunkten des Festivals zählten. Daneben standen Konzerte, die ihre Wirkung aus der Reduktion und dem jeweiligen Ort bezogen. Beim Konzert des Duos Pettersen/Hegdal auf dem Vigiljoch wurden die Landschaft und die Geräusche der Natur einfach Teil der Musik. Und auch das Sheen Trio fand im Wunderwald in Klobenstein einen Rahmen, der die Nähe zwischen Publikum, Natur und Musik auf besondere Weise erfahrbar machte. Und oberhalb Bozens, auf 1.200 Meter, bot ein uralter Baumriese dem Trio um Felix Hauptmann den notwendigen Schatten für ihr feinfühliges Zusammenspiel. Einen völlig anderen Raum wählte Kit Downes, indem er sein Orgelkonzert in die Stiftspfarrkirche Gries verlegte und die historische Architektur mit zeitgenössischer Improvisation bespielte.

Zu den ungewöhnlichsten Projekten zählte auch „Brazilian Motion“ um Matthias Schriefl. Die Formation machte den Weg zum Ziel und führte das Publikum in einer mehrstündigen musikalischen Wanderung nach St. Martin am Schneeberg, wo die einzelnen Gruppen zu einem gemeinsamen Konzert auf knapp 2.400 Metern zusammenfanden. Ein Format, das Bewegung, Landschaft und Musik miteinander verband und exemplarisch für den programmatischen Ansatz des Festivals stand.

Dass ein Festival unter freiem Himmel auch Flexibilität verlangt, zeigte sich beim Konzert von Knobil im Hotel Bad Ratzes. Wegen eines Wetterumschwungs musste die Veranstaltung kurzfristig ins Gebäude verlegt werden. Aus der spontanen Umstellung – organisatorisch wie technisch – entwickelte sich ein Konzert, das den improvisatorischen Gedanken des Festivals auf unerwartete Weise widerspiegelte.

Künstlerischer Freiraum: Die Jazzwerkstatt

Die Euregio Jazzwerkstatt blieb auch in diesem Jahr ein wichtiger Bestandteil des Festivals. Unter der Leitung der Südtiroler Musikerin Laura Zöschg arbeiteten Ruth Goller, Chiara Chistè, Yvonne Moriel und Felix Nussbaumer an neuen Kompositionen. Dabei versteht sich die Zusammenarbeit über die Grenzen der Euregio hinweg weniger als Ausbildungsformat, denn als künstlerisches Labor, in dem Austausch und gemeinsames Entwickeln im Mittelpunkt stehen.

Festungsmauern und Clubgewölbe

Während viele Konzerte des Festivals auf kleine Besetzungen setzten, stand auf der Festung Franzensfeste ein großes Ensemble im Fokus. Gemeinsam mit der Musikkapelle Schabs präsentierte der Visionär Matthias Schriefl ein Programm, das sich mühelos und mit viel Humor zwischen Blasmusik, Jazz und Improvisation bewegte. Für die weitläufige Anlage der Festung war diese große Besetzung genau der richtige Maßstab.

Fester Treffpunkt war auch in diesem Jahr das Batzen Sudwerk in Bozen. Die Late-Night-Konzerte mit Bands wie Tribalism3, Sera Karlo und Vaague bildeten den allabendlichen Ausklang der Festivaltage. Mit dem Kabarila Jazz Ritual war dort zudem das festivaleigene Improvisationsformat zu erleben. Über fünf Stunden gestalteten das Quartett um Lukas Kranzelbinder mit drei Tänzer:innen einen offenen musikalisch-choreografischen Prozess, in den das Publikum jederzeit ein- und aussteigen konnte. Ein Format zwischen Konzert, Performance und Improvisation, das den Festivalgedanken bis tief in die Nacht fortführte.

Das Fazit: Vielfalt als Konstante

Das fast durchgehend gute Wetter bot den idealen Rahmen für die vielen Open-Air-Konzerte und selbst die wenigen Ausweichmanöver taten der Dynamik keinen Abbruch. Am Ende bleibt ein Festival in Erinnerung, das Jazz und improvisierte Musik nicht an einen festen Ort bindet. Auf seinen Exkursionen von der Alm bis zur Festung und vom Hotel zum Club entstand genau jene künstlerische und atmosphärische Vielfalt, die das Südtirol Jazzfestival Alto Adige seit Jahrzehnten auszeichnet.

Die nächste Ausgabe ist bereits terminiert und findet vom 25. Juni bis 4. Juli 2027 statt.

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