Abdullah Ibrahim mit 91 Jahren verstorben
Von Angela Ballhorn
Mit Abdullah Ibrahim ist ein großer Künstler gestorben, dessen Schaffen weit über das Musikalische hinaus ging. Seine Herkunft aus Südafrika und der politische Einfluss seiner Komposition „Mannenberg“, die zu einer Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung wurde, machten den Pianisten zu einem sehr besonderen Musiker mit grosser Strahlkraft.
Jetzt ist er nach kurzer Krankheit im gesegneten Alter von 91 Jahren am 15. Juni im Chiemgau verstorben, wo er seit mehr als einem Jahrzehnt ein Zuhause gefunden hatte.
Abdullah Ibrahim wurde als Adolph Johannes Brand am 9. Oktober 1934 in Kapstadt geboren, in Kensington, einem der ärmsten Viertel der Stadt. Seine Mutter und Großmutter spielten in der Kirche Klavier, also war es nur natürlich, dass er ebenfalls Klavierspielen lernte und schon mit 15 Profimusiker wurde.
Seinen Spitznamen „Dollar“ Brand, unter dem er seine Karriere begann, hatte er amerikanischen Seeleuten zu verdanken, da der junge Pianist immer auf der Suche nach neuen Jazzschallplatten war, wenn sie für einen Dollar zu haben waren.
Seine Karriere startete er als Begleiter von Gesangsgruppen, seine eigene Band Jazz Epistles formte er 1958. Zusammen mit Hugh Masekela nahm die Band 1960 das Album „Jazz Epistle Verse One“ auf, die erste Jazz-LP schwarzer südafrikanischer Musiker. Die Verschärfung der Apartheid liess Dollar Brand seiner Heimat den Rücken kehren, er ließ sich in Zürich nieder und startete seine europäische Karriere. 1962 ging er nach New York, spielte unter anderen mit Don Cherry und Gato Barbieri. 1968 konvertierte der Pianist zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an.
Die Musik seiner Heimat, die Tanzmusik und die religiösen Hymnen der Townships nahm er immer mit, egal, wo er lebte. Amerikanischer Jazz, der mit südafrikanischen Einflüssen verschmolz, wurde zu Cape Jazz.
1974 entstand „Mannenberg“, eine 14minütige kollektive Improvisation, die sich als Lied des Widerstands gegen die Apartheid manifestierte. Abdullah Ibrahim kehrte immer wieder nach Südafrika zurück. Als er Nelson Mandela nach dessen Freilassung traf, folgte er dessen Aufforderung, zurückzukehren. 1994 spielte er mit einem Sinfonieorchester zu Nelson Mandelas Einführung zum Präsidenten und gründete eine Akademie für die Ausbildung junger Musiker.
Musikalisch war Abdullah Ibrahim in verschiedensten Formationen unterwegs, mit seinem Cape Town Jazz Orchestra, Sinfonieorchestern, Bigbands und auch kleineren Formationen.
Ganz besonders beeindruckend waren seine Solokonzerte, bei denen jeder Ton Bilder von Landschaften heraufbeschwören konnte. In fast acht Jahrzehnten nahm Abdullah Ibrahim über 70 Alben auf, noch im März trat er am Capetown International Jazz Festival auf, solo, so wie er in den letztem Jahren auch bei ganz kleinen intimen Konzerten in seiner Wahlheimat Bayern zu hören war.
Die Freiheit, die er im Jazz gefunden hat und die eine große politische Tragkraft entwickelte, sowie die tiefe Spiritualität in seinen Kompositionen und seinem Klavierspiel lassen Abdullah Ibrahim unvergessen bleiben.
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