Marilyn Mazur (1955–2025) – Die mit Miles tanzte
Zum Tod der dänischen Schlagzeugerin und Perkussionistin, die Energie, Bewegung und Freiheit in den Jazz brachte
Ein Nachruf von Angela Ballhorn
Energie und Bewegung, das fällt einem sofort ein, wenn man an die dänische Schlagzeugerin und Perkussionistin Marilyn Mazur denkt. Ständig in Bewegung tanzte sie über die Bühne, tanzte an Gongs und Muschelketten, tanzte und sang mit ihren Bands zum Einzug auf die Bühne.
Die Energie und Bewegung ist nun zum Stillstand gekommen, Marilyn Mazur ist am 12.12.2025 nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren verstorben.
Umtriebig war die Musikerin immer, die musikalische Geschichte der 1955 in New York geborenen Musikerin beginnt mit Geige und Klavier, zudem hatte sie ihrer Kindheit in Dänemark Ballettunterricht. Neben Tanzengagements spielt sie in ihren ersten Bands Klavier. Ihr umfangreiches Schlagzeug- und Percussionsinstrumentarium erarbeitete sich die Musikerin dagegen komplett autodidakt.
Sie machte sich schnell einen Namen, Andreas Vollenweider und Charlie Mariano waren erste bekannte Namen, mit denen sie zusammen arbeitete, mit Irène Schweizer und anderen Musikerinnen der Feminist Improvising Group ebenso. 1982 gründete sie die nur aus Frauen bestehende Band Primi Band, bevor sie 1985 bis 1989 feste Schlagzeugerin von Miles Davis wurde. Miles hatte die Dänin bei den Aufnahmen von Palle Mikkelborgs „Aura“ kennengelernt und gleich verpflichtet.
Miles war es auch, der ihr den Rat gab, sich auf ihre eigene Musik zu besinnen.
Wayne Shorter, John Tchicai, Gil Evans und Pierre Dørge gehörten ebenso in ihr Portfolio. In den 80er Jahren gründete Mazur mit ihrem Mann Klavs Hovman und Peter Kowald am Bass und der Sängerin Jeanne Lee die Band „Principle Life“, 1989 die Formation „Future Song“. In der Fusionband spielten Elvira Plenar (Piano), Aina Kemanis (Gesang), Nils Petter Molvaer (Trompete), Audun Kleive als zweiter Schlagzeuger und Saxophonist Hans Ulrik und Gitarrist Eivind Aarset. Es war eine wahre skandinavische All Star Band.
„Percussion Paradise“, ein Projekt mit den Perkussionistinnen Benita Haastrup, Lisbeth Diers und Birgit Løkke lief parallel, und ab 1991 ging Marilyn Mazur regelmässig mit dem Saxophonisten Jan Garbarek auf Tour.
Schon immer war sie ein Role Modell, ein Vorbild für Frauen, Musikerinnnen, Schlagzeugerinnen (die es zu ihrem Karrierebeginn kaum gab) und Bandleaderinnen. 1982 gründete Marilyn Mazur ihre erste reine Frauenband, die Primiband.
40 Jahre später wurde vom Kopenhagen Jazzfestival angefragt, ob sie die Band wieder zusammenführen könnte. Primiband 2.0 wollte die Schlagzeugerin die Formation nicht nennen, so entstand „Shamania“, mit der Mazur in den letzten Jahren viel auf Festivals zu erleben war. Wiede reine Frauenband, teils mit Musikerinnen, die schon der Anfangszeit (Josefine Cronholm) dabei waren, wie auch neue, junge Musikerinnen (Lotte Anker oder Ellen Andrea Wang). Das schlicht „Shamania“ betitelte Album wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Doch das sind alles nur Fakten, Namen und Timestamps. Alle, die Marilyn Mazur einmal auf der Bühne erleben durften, werden von ihrer Energie und übersprudelnden Neugier und Freude am Musizieren und Staunen am reinen Klang erzählen, von der quirligen Musikerin, die dauernd in Bewegung war und hinter und um ihre Instrumente herumtanzte.
Dass diese Musikerin einfach nicht mehr da sein soll, ist unvorstellbar und schmerzt.
Marilyn Mazur wird sehr fehlen!
Text: Angela Ballhorn
Foto: Jacek Brun
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