Musik für Kopf und Herz – jazzahead! 2026 begeistert in Bremen

Festival, Messe und Begegnung: Bremen wird erneut zum Zentrum der internationalen Jazzszene

Von Jacek Brun

„jazzahead! – Jazz ist nicht für den Verstand, Jazz ist für das Herz“ – rief der senegalesische Sänger und Gitarrist Sahad seinem Publikum zu. Gemeinsam mit seiner Band sorgte er für einen der energiegeladensten Momente des diesjährigen Festivals. Mehr als 1.000 Zuschauer tanzten, sprangen und sangen in Halle 7 der Messe Bremen zu einer mitreißenden Mischung aus Afrobeat, Rock, Funk und Soul.

Für viele Besucher:innen des weltweit größten Jazztreffens, das vom 22. bis 25. April 2026 stattfand, bildeten die Showcase-Konzerte den Höhepunkt des Wochenendes. Andere wiederum entschieden sich für die parallel stattfindende Verleihung des Deutscher Jazzpreis, die ebenfalls zu den zentralen Programmpunkten gehörte.

jazzahead! 2026 - Grand_Opening
jazzahead! 2026 - Grand_Opening, Foto: M3B GmbH / Jens Schlenker

Showcases zwischen Entdeckung und Vielfalt

Bereits zum Auftakt setzte das Partnerland Schweden ein klares musikalisches Zeichen: Der Pianist Joel Lyssarides eröffnete das Showcase-Festival mit lyrischem, nuancenreichem Jazz. Den eindrucksvollen Schlusspunkt setzte am frühen Sonntagmorgen der Posaunist Kristian Persson mit seiner funk-jazzorientierten Band Nine Sparks Riots.

Insgesamt 38 internationale Showcase-Konzerte boten sowohl aufstrebenden Talenten als auch etablierten Künstler:innen eine Bühne. Aus deutscher Sicht überzeugte unter anderem die Sängerin Sara Decker mit ihrem All-Female-Quintett Expand.

Für Aufsehen sorgte auch die in Berlin lebende New Yorker Künstlerin Sorvina, die das Publikum im Kulturzentrum Schlachthof mit ihrem intensiven Spoken-Word-Gospel-Soul so begeisterte, dass zeitweise keine weiteren Besucher:innen mehr eingelassen werden konnten. Weitere Höhepunkte lieferten die Schweizer Bassistin und Sängerin Knobil sowie der südafrikanische Trompeter Sydney Mavundla – nur einige Namen aus einem insgesamt beeindruckend vielseitigen Jubiläumsprogramm.

CLUBNIGHT in Bremen und Bremerhaven

Ein besonderes Highlight war die erstmals auf zwei Tage erweiterte CLUBNIGHT. Mehr als 11.500 Besucher:innen feierten in Bremen und Bremerhaven bei rund 120 Konzerten in Clubs, Bars und Museen entlang der Weser.

Erstmals wurde auch der St. Petri Dom in das Programm einbezogen, unter anderem mit einem eindrucksvollen Auftritt des Duos Andrii Pokaz und Magnus Öström.

Mit Blick auf das 200-jährige Jubiläum Bremerhavens im Jahr 2027 soll das Programm dort künftig weiter ausgebaut werden.

Partnerregion 2027: Baltische Staaten

Zum Abschluss der Messe wurde der Staffelstab an die Partnerregion 2027 übergeben: Estland, Lettland und Litauen werden erstmals gemeinsam im Fokus stehen.

Die baltischen Länder verstehen sich als „vereinte Exportkraft im Jazz“ und wollen zugleich ihre individuellen künstlerischen Profile sichtbar machen. „Das Problem ist heute nicht, Musik zu schaffen, sondern sie sichtbar zu machen“, betonte Dorotėja Būdaitė vom Litauischen Jazzverband. Partnerschaften seien dabei entscheidend – ein Ansatz, den die jazzahead! mit Initiativen wie nachhaltigen Touring-Konzepten weiter unterstützt.

Deutscher Jazzpreis und Fachprogramm

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung des Deutschen Jazzpreises im Rahmen der jazzahead!. Bremens Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte würdigte in seiner Rede die gesellschaftliche Bedeutung des Jazz:
"Jazz breche Hörgewohnheiten auf und stehe zugleich für Offenheit, Internationalität und kulturellen Austausch – Werte, die auch die Stadt Bremen prägen."

Die dreistündige Show des Deutschen Jazzpreises mit vielen Live-Acts gibt es hier zum Nachschauen.

Parallel dazu bot das Fachprogramm mit rund 50 Panels und Workshops wichtige Impulse für die Branche. Themen wie künstliche Intelligenz, Touring-Strukturen und neue Wege der Musikvermarktung standen im Mittelpunkt. Das Interesse war so groß, dass bei einigen Veranstaltungen zeitweise nicht genügend Kopfhörer für alle Teilnehmer:innen zur Verfügung standen.

Mit insgesamt 2.984 Fachteilnehmer:innen aus 62 Ländern sowie über 20.000 Festivalbesucher:innen bestätigte die jazzahead! erneut ihre Rolle als eines der wichtigsten internationalen Netzwerktreffen des Jazz.

Live-Mitschnitte der Showcase-Konzerte sollen in den kommenden Monaten über die neue Plattform ARD Jazz sowie auf dem YouTube-Kanal der jazzahead! veröffentlicht werden.

Unser persönlicher Blick

Aus persönlicher Sicht bleibt vor allem eines: die Begegnungen. In diesen Tagen kamen Musiker:innen, Veranstalter:innen, Booker, Manager:innen sowie Journalist:innen aus aller Welt zusammen – Menschen, für die Jazz nicht nur Beruf, sondern Lebensinhalt ist.

jazzahead! ist damit weit mehr als Messe und Festival zugleich. Es ist ein Ort, der sich anfühlt wie ein großes Familientreffen – eine Gemeinschaft von Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen.

Während der diesjährigen Ausgabe entstanden zudem mehrere Gespräche mit Vertreter:innen des Partnerlandes 2026, Schweden. Diese Interviews werden in den kommenden Wochen in einem eigenen Bericht vorgestellt.

Text: Jacek Brun
Fotos: M3B GmbH / Jens Schlenker

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 8 und 7?