JazzBaltica 2024
JazzBaltica ist ein Festival, das wir seit vielen Jahren regelmässig besuchen, weil es immer wieder ein außergewöhnliches Erlebnis ist. Ob zuerst in Salzau, dann in Niendorf und jetzt in Timmendorfer Strand, überall ist die einzigartige Atmosphäre der Jazzbegeisterung zu spüren. Das war auch 2024 nicht anders. Zum dreizehnten Mal hat sich der künstlerische Leiter Nils Landgren der Herausforderung gestellt und ein interessantes und abwechslungsreiches Programm präsentiert, das lange in Erinnerung bleiben wird. Von Dance-, Rap- und Funk-Rhythmen ging es durch alle erdenklichen Spielarten des Jazz bis hin zum Free Jazz.
Insgesamt genossen rund 18.000 Besucher das lange Jazz-Wochenende vom 27. bis 30. Juni. Nach Angaben des Veranstalters waren alle kostenpflichtigen Konzerte ausverkauft, während die 21 Konzerte des kostenlosen Open-Air-Programms spontan tausende Passanten auf das Festivalgelände lockten und sie bis in die späten Abendstunden vor den Bühnen, in Hängematten oder einfach beim Spaziergang durch den Park auf dem Festivalgelände verweilen ließen.
"Tolle Konzerte, außergewöhnliche Künstler, ein überwältigendes Publikum - besser kann man Mittsommer nicht feiern", so Nils Landgren, künstlerischer Leiter von JazzBaltica.
Und so war es! Schon beim ersten Konzert am Donnerstag waren wir von der speziellen musikalischen Atmosphäre des Festivals gefangen. Wolfgang Haffner mit seinem Trio hatte den Trompeter Sebastian Studnitzky eingeladen. Gemeinsam heizten sie dem Publikum ein. Im Anschluss feierte Nils Landgren mit seiner Funk Unit sein 30-jähriges Jubiläum. Speziell für dieses Konzert kamen Stars wie der Gitarrist Ray Parker Jr., Saxophonistin Candy Dulfer und der bereits erwähnte Wolfgang Haffner mit Sebastian Studnitzky auf die Bühne, die Spannung ließ nicht nach. Im Gegenteil: Die musikalische Unterhaltung nahm noch mehr Fahrt auf. Und so blieb es bis zum letzten Ton am späten Sonntagabend, als das gesamte musikgesättigte Publikum Standing Ovations spendete.
Es ist unmöglich, alle 39 Konzerte zu beschreiben, aber einige werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Emma Rawicz und Gwilym Simcock präsentierten ihr Programm am Freitag als Duo. Sie überzeugten mit unglaublichem technischen Können, musikalischer Fantasie und sehr emotionalen Soloparts, Improvisationen, bei denen sie sich gegenseitig inspirierten. Die Freude am gemeinsamen Musizieren war noch lange nach dem Konzert zu spüren.
Nicole Johänntgen und ihr Ensemble "Robin" spielten nicht nur am Samstag ein energiegeladenes Konzert, sondern präsentierten am Sonntag eine sehr interessante Kindergeschichte, die sie mit Musik verbanden: "Schmusebärs klangvolle Reise mit dem fliegenden Stuhl". Die Geschichte wurde von Nicole Johänntgen geschrieben und alle Mitglieder des Ensembles erzählten, sangen und spielten in verteilten Rollen, wie Schmusebär und seine Freunde auf einem fliegenden Stuhl zum Mond flogen, um einen verlorenen Schatz zu finden. Das bereitete den jüngsten Jazzfans, deren Durchschnittsalter bei etwa fünf Jahren lag, viel Freude. Zum Abschluss musizierte das junge Publikum fröhlich mit der Band "Robin".
Das Sarah Chaksad Large Ensemble präsentierte ihr neues Programm aus dem Album "Together". Die Klänge dieses Albums sind ein exquisites Amalgam aus komplexen Jazzstrukturen, wunderbaren Improvisationen und kompositorischen Ideen. Trotz ihrer Komplexität und Intensität ist die Musik nicht hermetisch - sie klingt frisch, spiegelt den Zeitgeist und die künstlerischen Fähigkeiten der ungewöhnlichen Instrumentalisten wider, die an diesem Projekt beteiligt sind. Besonders erwähnt werden muss das außergewöhnliche Gesangssolo von Yumi Ito. Am Ende des Konzerts betonte Sarah Chaksad noch einmal, dass die Menschen nur im "Together", im zusammenstehen, die Probleme der heutigen Zeit überwinden könnten.
Der mitreißende Auftritt von Monty Alexander war eine wahre Demonstration der Kunst, Jazz auf höchstem Niveau zu spielen. Das Motto des Konzerts könnte lauten: "Seht her, Kinder, so spielt man Jazz!“ Die Klarheit der Musik, das unglaubliche Charisma des jamaikanischen Pianisten und das inspirierende Spiel der jungen Rhythmusgruppe (Luke Sellick am Bass und Jason Brown am Schlagzeug) ließen alle Anwesenden staunen. Der mittlerweile 80-jährige Monty Alexander begeisterte, bewegte und hypnotisierte uns mit seiner Musik. Standing Ovations und endlose Zugaben waren die Folge.
Das letzte Konzert des Festivals war voller Emotionen. "Tribute to Esbjörn Svensson Trio", das sich eng an die Musik dieses genialen Pianisten und Komponisten anlehnte, war ein Konzert, das nicht nur das Publikum, sondern sicher auch die Musiker selbst bewegte. Der Kern des berühmten Trios, Dan Berglund am Bass und Magnus Öström am Schlagzeug, wurde durch den talentierten Joel Lyssarides am Klavier ergänzt. Zu den Gästen zählten Nils Landgren, Magnus Lindgren, Ulf Wakenius und Mathias Eick. Nach mehreren Zugaben und einem insgesamt mehr als zweistündigen Konzert verließ das begeisterte und tief bewegte Publikum schweigend den Konzertsaal, einige standen noch lange im Vorraum, um die Atmosphäre bis zum Schluss auf sich wirken zu lassen.
Das ZDF übertrug die 16 Konzerte auf der MainStage im Maritim Seehotel Timmendorfer Strand live. Ab September sind die Videos auch in der ZDF-Mediathek, auf JazzBaltica und auf dem YouTube-Kanal von JazzBaltica zu sehen. Wir werden sicher wieder zu diesen Konzerten zurückkehren.
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Wolfgang Haffner Trio feat. Sebastian Studnitzky, Foto: Jacek Brun -
Sebastian Studnitzky, Foto: Jacek Brun -
Nils Landgren Funk Unit feat. Candy Dulfer, Foto: Jacek Brun -
Jacob Karlzon, Foto: Jacek Brun -
Emma Rawicz & Gwilym Simcock, Foto: Jacek Brun -
Fabia Mantwill Large Ensemble, Foto: Jacek Brun -
Familienkonzert - Nicole Johänntgen "Robin", Foto: Jacek Brun -
Jazzkantine, Foto: Jacek Brun -
Lisbeth Quartett, Foto: Jacek Brun -
Magnus Lindgren, Foto: Jacek Brun -
Markus Stockhausen Group, Foto: Jacek Brun -
NDR Bigband feat. Pablo Martín Caminero, Foto: Jacek Brun -
Nicole Johänntgen, Foto: Jacek Brun -
Nicole Johänntgen "Robin", Foto: Jacek Brun -
Ulita Knaus, Foto: Jacek Brun -
Sarah Chaksad Large Ensemble, Foto: Jacek Brun -
Yumi Ito, Foto: Jacek Brun -
Sarah Chaksad, Foto: Jacek Brun -
Monty Alexander, Foto: Jacek Brun -
Magnus Öström, Foto: Jacek Brun -
Dan Berglund, Foto: Jacek Brun -
Joel Lyssarides, Foto: Jacek Brun
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Kommentar von Elmar Petzold |
Ein wunderbarer Artikel, der das Festival perfekt beschreibt. Die tollen Fotos belegen die Worte eindrucksvoll!
Kommentar von Andreas Koenig |
Dito!
Vielleicht noch zusätzlich zu erwähnen: Die außerordentliche Qualität der frei zugänglichen Konzerte am Beach (Sand/Landgren/Hermes/Klesse), um Mitternacht am Strand, Matti Klein Trio und Peter Bergander Ttio (mit Landgren und Lindgren) im Jazzclub und das Tigran Tatevosyan Trio (und manches mehr). So können auch neue Schichten (und junge Leute) für die Musik gewonnen werden,