Jazzfestival Saalfelden 2026 – Eine Reise ins Unbekannte
Von Jacek Brun
56 Konzerte, 175 Künstler:innen aus 26 Ländern und rund 29.000 Konzertbesuche: Die 46. Ausgabe des Jazzfestivals Saalfelden setzte erneut auf Entdeckungen, Improvisation und musikalische Offenheit.
Mit den letzten Klängen im Nexus ging am 23. August die 46. Ausgabe des Jazzfestivals Saalfelden zu Ende. Vier Tage lang war die kleine Stadt im Salzburger Land erneut ein Treffpunkt für eine internationale Szene, für die Jazz weniger ein festgelegtes Genre als ein offener Prozess ist. Insgesamt wurden 29.000 Konzertbesuche bei 56 Veranstaltungen gezählt, mehr als die Hälfte davon bei freiem Eintritt. 175 Künstlerinnen und Künstler aus 26 Ländern waren in diesem Jahr zu Gast.
Bereits die traditionelle Bergwanderung am Donnerstagmorgen machte deutlich, was Saalfelden von vielen anderen Festivals unterscheidet. Musik findet hier nicht nur in Konzertsälen statt. Landschaft, Stadt und Festival gehören zusammen. Zwischen Alpenpanorama, kleinen Spielstätten und der großen Mainstage entstehen immer wieder Situationen, in denen man sich ganz unmittelbar auf Neues einlassen kann.
Yvonne Moriel eröffnet mit „Strange Motion“
Einer der wichtigen Programmpunkte war die Eröffnung der Mainstage durch Yvonne Moriel. Die Tiroler Saxofonistin und Flötistin wurde 2024 mit dem Austrian Jazz Award als „Best Newcomer“ ausgezeichnet und erhielt den traditionellen Kompositionsauftrag des Festivals.
Mit Manu Mayr, Antonis Anissegos, Miriam Adefris, Toma Gouband und Max Andrzejewski präsentierte sie ihr Werk „Strange Motion”. Sechs sehr unterschiedliche musikalische Persönlichkeiten trafen hier aufeinander. Moriels Idee, aus diesen Individualitäten eine gemeinsame musikalische Sprache entstehen zu lassen, bestimmte das gesamte Konzert: Es war offen, neugierig und ständig in Bewegung.
„The Big Shake“ mitten in Saalfelden
Einen besonderen Akzent setzte The Big Shake. Rund 70 Musikerinnen und Musiker zogen vom Rathausplatz durch die Stadt bis in den Stadtpark. Dabei verband sich Shake Stew um Lukas Kranzelbinder mit der Bürgermusik Saalfelden und der Eisenbahner Stadtkapelle Saalfelden.
Für einen Moment wurden Jazz, Blasmusik und Improvisation Teil des öffentlichen Raums. Die klassische Trennung zwischen Bühne und Publikum verschwand und die Musik bewegte sich buchstäblich durch die Stadt. Gerade solche Projekte zeigen sehr gut, warum Saalfelden seinen besonderen Charakter bewahrt hat. Das Festival sucht immer wieder nach neuen Formen der Begegnung und Präsentation.
Dass Improvisation nicht nur auf der Bühne stattfindet, zeigte sich auch hinter den Kulissen. Krankheitsbedingte Ausfälle machten kurzfristige Änderungen notwendig. Es wurde Ersatz gefunden, die Programme wurden angepasst und Musiker sprangen ein – eine organisatorische Flexibilität, die bei einem Festival dieser Größenordnung keineswegs selbstverständlich ist.
Entdeckungen statt Gewissheiten
Für mich war Saalfelden auch in diesem Jahr vor allem eines: eine Reise ins Unbekannte.
Man fährt zu diesem Festival nicht, um ausschließlich Künstler zu hören, die man bereits kennt. Im Gegenteil. Ein großer Teil des Reizes besteht darin, sich auf Musik einzulassen, die man vorher vielleicht noch nie gehört hat. So entstehen Entdeckungen und manchmal auch neue musikalische Leidenschaften.
Nicht jedes Konzert muss dabei sofort verständlich sein. Manche Musik fordert Aufmerksamkeit, anderes erschließt sich erst nach einiger Zeit. Aber gerade diese Offenheit macht Saalfelden interessant. Das Festival verlangt seinem Publikum Neugier ab und belohnt diese mit Erfahrungen, die an anderer Stelle nur selten zu finden sind.
Hinzu kommt ein Umfeld, das kaum besser zu diesem Konzept passen könnte. Die Alpen bilden eine beeindruckende Kulisse, Saalfelden selbst bewahrt trotz des internationalen Publikums eine angenehme Überschaubarkeit und die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen vor Ort tragen viel zur besonderen Atmosphäre bei.
Nach 46 Ausgaben ist das Jazzfestival Saalfelden eine international etablierte Kulturveranstaltung und zugleich fest in der Region verankert. Rund 29.000 Konzertbesuche und eine Auslastung, die nahezu an das Rekordjahr 2025 heranreichte, bestätigen diese Entwicklung.
Doch Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Was bleibt, sind die Konzerte, die Begegnungen und vor allem das Gefühl, wieder etwas Neues entdeckt zu haben.
Vielleicht ist genau das die größte Qualität dieses Festivals: Man fährt nach Saalfelden, ohne genau zu wissen, was einen erwartet. Und genau deshalb fährt man im nächsten Jahr wieder hin.
Die nächste Ausgabe findet vom 19. bis 22. August 2027 statt. Zuvor lädt Saalfelden Leogang vom 22. bis 24. Januar 2027 zur zehnten Ausgabe von „3 Tage Jazz” ein.
Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Reise ins Unbekannte.
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Brique „La danse du béton“, Foto: Jacek Brun -
Chicago Underground Duo, Foto: Jacek Brun -
DAMANA – Dag Magnus Narvesen Octet, Foto: Jacek Brun -
Darius Jones & Otomo Yoshihide Quintet, Foto: Jacek Brun -
DaughterDaughter, Foto: Jacek Brun -
Don Kapot, Foto: Jacek Brun -
Henriette Eilertsen Trio, Foto: Jacek Brun -
Industriesalon, Foto: Jacek Brun -
Kosmonauci, Foto: Jacek Brun -
Lava Quartet, Foto: Jacek Brun -
M M M: W A S, Foto: Jacek Brun -
Mel*E, Foto: Jacek Brun -
SDLW Stefanovich - Lillinger- Westergaard, Foto: Jacek Brun -
Sheen Trio, Foto: Jacek Brun -
The Big Shake, Foto: Jacek Brun -
Thousand Leaves, Foto: Jacek Brun -
Trunk, Foto: Jacek Brun -
Wobble8, Foto: Jacek Brun -
Ye Olde 2 At the End of Time, Foto: Jacek Brun -
You’re what’s for Dinner, Foto: Jacek Brun -
Yvonne Moriel „Strange Motion“, Foto: Jacek Brun
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Chris Speed, Foto: Robert Fischer -
Darius Jones, Foto: Robert Fischer -
Ingebrigt Håker Flaten, Foto: Robert Fischer -
Jonas Westergaard, Foto: Robert Fischer -
Mario Steidl, Foto: Robert Fischer -
Marta Sanchez, Foto: Robert Fischer -
Mary Halvorson, Foto: Robert Fischer -
Otomo Yoshihide, Foto: Robert Fischer -
Shabnam Parvaresh, Foto: Robert Fischer -
Tamara Stefanovich, Foto: Robert Fischer -
Valentin Schuster, Foto: Robert Fischer -
Yvonne Moriel, Foto: Robert Fischer
Über den Autor
Jacek Brun ist Gründer und Herausgeber von jazz-fun.de sowie seit vielen Jahren als Journalist, Fotograf und Jazzförderer aktiv. Sein Netzwerk reicht von Künstlern und Festivals bis zu Medienpartnern in ganz Europa.
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