Johanna Summer & Jakob Manz - Cameo
Johanna Summer & Jakob Manz
Cameo
Erscheinungstermin: 31.01.2025
Label: ACT, 2024
Das ist Jazz-Timing mit klarem Puls. Die beiden Musiker wollten nicht nur ihre kompositorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern auch den Dialog miteinander und den spontanen, improvisierten Teil, der immer am interessantesten ist. Es gibt viel Nostalgie, schöne Themen und wunderbare Soloparts. Alle Stücke sind formal perfekt ausbalanciert, Johanna Summer & Jakob Manz bedienen sich meisterhaft eines reichen Katalogs kompositorischer und interpretatorischer Mittel. Es gibt keine Leerläufe, langatmige Improvisationen oder ausgedehnte Einleitungen - alles geht zügig und flüssig von der Hand. Ein wunderbares Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 18.02.2025)
Besetzung
Johanna Summer - piano
Jakob Manz - alto saxophone & recorder
Über das Album "Cameo" von Johanna Summer & Jakob Manz
Das Duo der Pianistin Johanna Summer und des Saxophonisten Jakob Manz ist ein seltener Glücksfall des jungen deutschen Jazz: Zwei seiner herausragenden Charaktere, virtuos, mutig, mit weitem Horizont, unverwechselbarer Handschrift und einem Verständnis von Jazz als Mittel, neue, persönliche Geschichten zu erzählen. Beide sind tief im Jazz-Idiom verwurzelt, erweitern es aber um ihre individuelle Handschrift. Für Johanna Summer ist das vor allem die klassische Musik. Mit ihren freien Improvisationen von Bach bis Ligeti ist sie regelmäßig in großen klassischen Häusern zu hören - solo und mehrfach im Duo mit Igor Levit. Jakob Manz wiederum verbindet auf mitreißende Weise die melodische und rhythmische Kraft des Pop mit der Sensibilität des Jazz - beeinflusst von seiner tiefen Verehrung für Pop-Jazz-Grenzgänger wie David Sanborn oder Marcus Miller und zuletzt als Special Guest von Sarah Connor auf den größten Bühnen des Landes.
Jazz, Pop, Klassik, Improvisation, Komposition - all diese Elemente destillieren Johanna Summer und Jakob Manz auf ihrem zweiten gemeinsamen Album „Cameo“ zur kleinstmöglichen Form musikalischer Interaktion: dem Duo. Repertoire und Konzept des von Andreas Brandis produzierten Albums unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger „The Gallery Concerts I“. Johanna Summer erklärt: „Wir wollten diesmal Musik schreiben und auswählen, die nicht jeder spielen kann, sondern die besonders zu Jakob und mir passt. Auf dem ersten Duo-Album haben wir Standards und Klassiker gespielt, sehr spontan und live. Diesmal haben wir uns die Stücke gegenseitig auf den Leib geschrieben“. Die Bandbreite der Eigenkompositionen spiegelt die ihrer Protagonisten wider, vom intimen Opener „The Opposite“ über das rasante „The Turmoil“ (mit Jakob Manz virtuos an der Blockflöte) bis zur souligen Ballade „The Endless Dream“.
Zu den acht Originalkompositionen gesellen sich drei außergewöhnliche Bearbeitungen: „Im Schönsten Wiesengrunde“ ist ein Volkslied aus der schwäbischen Heimat von Jakob Manz, das ihn seit frühester Kindheit begleitet. „Mahler Neu(n)“ basiert auf dem 4. Satz aus Mahlers 9. Symphonie - für Johanna Summer ein sehr vertrautes Stück mit „fast schon Pop-Song-artig-Qualität“, wie sie sagt. Das gilt auch für Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“, dessen Interpretation sich als besondere Herausforderung erwies. Manz und Summer gelingt mit ihrem behutsamen Herantasten an das im Original sehr kantige, mehr gesprochene als gesungene Thema das, woran viele Jazzbearbeitungen von Popsongs scheitern: Sie fügen dem Lied eine wirklich neue Ebene hinzu.
Überhaupt liegt der besondere Reiz des Duos Sum-mer und Manz im gemeinsamen Suchen und Finden neuer Musik, im aufeinander Hören und Reagieren, darin, wie sich die beiden so unterschiedlichen wie nahen Protagonisten ergänzen und immer wieder überraschen. Jakob Manz: „Immer wenn Johanna improvisiert, passiert etwas ganz anderes, was man so nicht erwartet. Ihre Soli wirken oft komponiert, sind aber eigentlich immer anders, immer aus dem Moment heraus. Es gibt ganz wenige Musiker:innen, die das so beherrschen. Das fordert mich immer wieder heraus. Und Jo-hanna Summer antwortet: „Ich finde es beeindruckend, wie unendlich musikalisch Jakob ist. Alles, was er spielt, ist unglaublich verständlich und kraftvoll. Auch wenn es sehr komplexe Dinge sind, ist es nie ein Selbstzweck, sondern immer eingebettet in etwas, das absolut Sinn macht und sehr klar ist. Es ist eine Klarheit, die sehr menschlich, musikalisch und nachvollziehbar ist. Und es beeindruckt mich, wie Jakob unabhängig von äußeren Umständen auf den Punkt abliefern kann und alles aus sich herausholt. Er ist immer zu 100 Prozent da.
Auch wenn man sich dem, was das Duo Johanna Summer und Jakob Manz ausmacht, über die persönlichen Biographien und Einflüsse nähern kann, lässt sich der besondere Reiz eher spüren als erklären. Vieles geschieht in dieser Musik aus irgendeinem magischen Grund im Einklang, obwohl es bis zum Bruchteil einer Sekunde vorher nicht vorhersehbar war. Das zeugt von großer Wachheit und Sensibilität. Jakob Manz sagt: „Wenn ich mit Johanna im Duo spiele, funktionieren viele Gewohnheiten, die ich im Zusammenspiel mit anderen Musiker:innen entwickelt habe, einfach nicht mehr. Ständig kann etwas Neues passieren, man muss immer wahnsinnig wach sein. Das ist sehr inspirierend! Der besondere Zauber dieses musikalischen Dialogs überträgt sich beim Zuhören. Man staunt über die Gleichzeitigkeit von Freiheit und Klarheit, darüber, wie behutsam und zugleich selbstbewusst zwei sehr unterschiedliche Charaktere miteinander umgehen - und über die farbenreiche, lebendige, tief empfundene Musik, die dabei entsteht. Ein seltener Glücksfall.
Titelliste
- The Opposite (Johanna Summer)
- The Turmoil (Jakob Manz)
- Cameo (Johanna Summer)
- Im schönsten Wiesengrunde (Traditional)
- Vistas (Johanna Summer)
- Delusion (Jakob Manz)
- Flugzeuge im Bauch (Herbert Grönemeyer)
- Hope Mechanism (Johanna Summer)
- Mahler Neu(n) (Gustav Mahler)
- JJ Stomp (Johanna Summer)
- Your Endless Dream (Jakob Manz)
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben