Johannes Enders - The Creator Has a Master Plan B – A Tribute To Pharoah Sanders
Johannes Enders
The Creator Has a Master Plan B – A Tribute To Pharoah Sanders
Erscheinungstermin: 01.11.2024
Label: enja records, 2024
Das Album ist angefüllt mit gekonntem Jazz, meist in traditionell spiritueller, manchmal bluesiger Stimmung, aber mit einer gewissen Energie und manchmal überraschender Heftigkeit. Das Spiel von Johannes Enders hat viel Raum, baut langsam Spannung auf und legt Wert auf Zurückhaltung. Sowohl in der Struktur der Kompositionen als auch in den verwendeten Mitteln und Klängen greift er auf das Schaffen des Meisters zurück. Das ist anspruchsvoller, reifer, wunderbar gespielter zeitgenössischer Jazz. (Jacek Brun, 24.11.2024)
Besetzung
Johannes Enders - saxophone
Joris Teepe - bass
Billy Hart - drums
Über das Album von Johannes Enders "The Creator Has a Master Plan B"
Es ist diese unglaubliche Präsenz, die Johannes Enders an Pharoah Sanders fasziniert, diese Energie, mit der er die Aura eines Ortes zum Positiven verändern konnte. Damit hat sich der 1944 in Arkansas geborene und im Spätsommer 2022 in Los Angeles verstorbene Tenorsaxofonist und Charismatiker in die Geschichte der modernen Musik eingeschrieben. Er formulierte seine Spielart eines spirituellen Jazz, steigerte melodische Schönheit bis zum Schrei und beschwor mit nach innen gekehrter Sinnlichkeit etwas Größeres.
Von dieser emotionalen Intensität hat sich das Trio inspirieren lassen, ohne die Inspirationsquelle einfach zu kopieren. In neun Eigenkompositionen und der von Sanders gern interpretierten Standardballade «It’s easy to Remember» gestalten sie ihren imposanten Brückenschlag, indem sie eine eigene Interpretation formulieren, ausbreiten und elastisch zum Klingen bringen.
Wie bei Ahnen wie Stan Getz oder Sonny Rollins nimmt Enders das Echo auf, das Sanders in ihm hinterlassen hat, und interpretiert ein einzigartiges Phänomen für sich. Dabei muss er sich nicht in bloßen Kopien erschöpfen, denn das würde er als anmaßend empfinden. Viel plausibler wird diese Hommage, wenn sie einen Geist aufgreift, mit dem jemand seine Melodielinien jenseits des Alltäglichen nach oben schweben ließ. So wird diese musikalische Verbeugung, die in ihrem Ansatz zunächst überrascht, immer schlüssiger.
Im Jazz geht es darum, eine eigene Identität zu formulieren. Daraus erwächst die Überzeugungskraft seiner besten Aufnahmen. Die Hommage dieses Trios an einen Ahnherrn, der wie Archie Shepp oder Albert Ayler die Fackel John Coltranes weitertrug, wirkt gerade deshalb so überzeugend, weil sie nicht einfach Erwartungen bedient, sondern eigene Ansätze durchspielt. So werden Sanders‘ klassische Impulse-Alben und vor allem seine Quartett-Live-Aufnahmen zu Startrampen, aber eben nicht zu Reproduktionsvorlagen. Dieses Aufnehmen und Weitertragen von Botschaften als Hommage und Ausblick folgt dem faustischen Prinzip, nicht im Augenblick zu verharren, und sei er noch so verlockend schön.
Johannes Enders hat dafür ein ideales Trio gefunden. Billy Hart saß am Schlagzeug, als Pharoah Sanders 1969 in New York sein Album „Karma“ mit dem legendären «The Creator Has a Master Plan» aufnahm. Mit über achtzig Jahren ist Hart immer noch auf der Suche nach Neuem, in einem geradezu magischen Dienst an der Sache. Mit immer wieder unberechenbaren rhythmischen Finessen, die voller Geschichten eines Dagewesenen stecken, beglaubigt er eine Musik voll explosivem Swing und Groove. Der federnd geschmeidige Bass von Joris Teepe, der in der Band von Rashied Ali aus erster Hand Erfahrungen mit einem der Altvorderen der New Yorker Oktoberrevolution des Jazz sammeln konnte, verwebt sich mit ihm zu einem beweglichen, tragfähigen Fundament, auf dem Johannes Enders sein ideenreiches, markantes Spiel wunderbar geschmeidig und voller kleiner Reibungsflächen entfalten kann.
Diese Band ist ein Glücksfall, der positive Energie verbreitet. Lyrisch und zupackend, mit Blues- und Bossa-Anklängen, atmosphärisch dicht und traditionsbewusst, hat diese Musik einen langen Atem und einen beeindruckenden Vibe, der sich zu einer innig-temperamentvollen Einladung an den Zuhörer addiert. Und zum zwingenden Plan B eines magischen Dreiecks im Geiste eines der großen Tenorsaxophonisten des modernen Jazz.
Titelliste
- Like Water
- Interlude
- A love that will last
- Home
- Ride
- GrownUp Pants
- Outta your league
- I’m ready
jazz-fun`s recap:
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