Rezension des Albums "Islands" von King Crimson
King Crimson
Islands
Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: DGM, 2026
Eine Insel taucht wieder auf
Manche Alben brauchen Jahrzehnte, bis man wirklich hört, was in ihnen steckt. Islands, das vierte Studioalbum von King Crimson aus dem Jahr 1971, gehört zu diesen Werken. Lange stand es ein wenig im Schatten von In the Court of the Crimson King und dem späteren Larks’ Tongues in Aspic. Heute wirkt diese Einordnung zunehmend ungerecht.
Die erneute Beschäftigung mit Islands begann bereits mit den 2010 von Steven Wilson und Robert Fripp erstellten neuen Stereo- und 5.1-Mischungen. Später kehrten Stücke wie The Letters, Sailor’s Tale und der Titelsong in das Konzertrepertoire der Band zurück. Auch das große Sailors’ Tales-Archivprojekt lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf jene kurze, aber ausgesprochen kreative Besetzung mit Robert Fripp, Mel Collins, Boz Burrell und Ian Wallace.
Die neue Ausgabe führt diesen Prozess nun weiter. Steven Wilson hat das Album erneut bearbeitet und neben einem Dolby-Atmos-Mix auch neue Stereo- und 5.1-Fassungen erstellt. Hinzu kommen David Singletons „Elemental Mixes“, alternative Versionen und umfangreiches Sessionmaterial. Die Blu-ray dokumentiert damit praktisch den gesamten Entstehungsprozess des Albums.
Doch all diese technischen Möglichkeiten wären wenig wert, wenn die Musik selbst nicht nach wie vor faszinieren würde.
Islands besitzt einen Charakter, der sich von fast allen anderen King-Crimson-Alben unterscheidet. Kammermusikalische Momente stehen neben harschen, improvisatorischen Ausbrüchen. Sailor’s Tale entfaltet eine enorme Kraft, während Prelude: Song of the Gulls beinahe klassisch anmutet und der Titelsong eine fragile, melancholische Ruhe entwickelt. Diese Gegensätze wirken heute weniger widersprüchlich als vielmehr wie unterschiedliche Seiten derselben musikalischen Suche.
King Crimson befand sich damals in Bewegung. Die frühen orchestralen und lyrischen Elemente waren noch präsent, zugleich deutete sich bereits jene rauere, offenere und stärker improvisatorische Sprache an, die bald darauf folgen sollte. Islands dokumentiert diesen Übergang nicht als Unsicherheit, sondern als kreative Spannung.
Die neue Mischung macht viele Details hörbarer, ohne der Aufnahme ihre historische Identität zu nehmen. Instrumente gewinnen Raum, Klangfarben treten deutlicher hervor, und die oft komplexe Architektur dieser Musik lässt sich neu entdecken.
Für langjährige King-Crimson-Hörer ist diese Ausgabe natürlich ein Fest. Die alternativen Mischungen und Sessions erlauben einen tiefen Blick in ein Album, das längst mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm früher zugestanden wurde.
Noch schöner wäre allerdings, wenn diese Neuauflage auch Menschen erreicht, die King Crimson bisher kaum kennen. Denn Islands ist nicht nur ein Stück Rockgeschichte. Es ist immer noch erstaunlich lebendige Musik.
(Jacek Brun, 03.10.2026)
Besetzung
Robert Fripp - Gitarre, Mellotron, Peters Pedalharmonium & diverse Instrumente
Mel Collins - Flöte, Bassflöte, Saxophone & Gesang
Boz Burrell - Bassgitarre, Leadgesang & Choreografie
Ian Wallace - Schlagzeug, Percussion & Gesang
Peter Sinfield - Texte, Klänge & Vision
Titelliste
Disk 1 (CD)
- Formentera Lady
- Sailor's Tale
- The Letters
- Ladies of the Road
- Prelude: Song of the Gulls
- Islands
- Formentera Lady
- Sailor's Tale
- Islands
Disk 2 (Blu-ray Audio)
- 2026 Mixes (Dolby Atmos/DTS-HD MA 5.1/PCM Stereo)
- Instrumental Mixes 2026
- Complete Recording Sessions 1971
- Live At Summit Studios 1972 (Quadraphonic)
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Kommentar von mmarkert |
.. gerade frisch entdeckt.
VG Martin