Klaus Koenig - Seven Things - An Homage To Celia

Klaus Koenig - Seven Things - An Homage To Celia - Albumcover
Klaus Koenig - Seven Things - An Homage To Celia

Klaus Koenig
Seven Things - An Homage To Celia

Erscheinungstermin: 11.10.2024
Label: TCB Music, 2024

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jazz-fun`s recap:

Modern Jazz, gut komponiert und gespielt. Eine Welt, die uns gefällt und immer wieder Freude bereiten wird. Die Kompositionen selbst sind knapp und prägnant und lassen viel Raum für Improvisation. Man hört die Frische, die Kompromisslosigkeit und die Spielfreude. (Jacek Brun, 28.11.2024)

Besetzung

Christoph Merki - alto saxophone
Daniel Schenker - trumpet
Klaus Koenig - piano
Patrick Sommer - bass
Andi Wettstein - drums

Über das Album von Klaus Koenig "Seven Things - An Homage To Celia"

Gut zehn Jahre ist es her, dass wir fünf von den «Seven Things» uns zusammengefunden haben. Als ich 2012/13 nach 15 Jahren krankheitsbedingter künstlerischer Pause den Mut fasste, wieder in die Musikszene einzusteigen, dachte ich zunächst an eine Wiederbelebung meines «Jazz Live Trios», jener Formation, die von 1964 bis 1982 als Haustrio des Schweizer Radios SRF für die Begleitung der Solisten in der Konzertreihe «Jazz Live» zuständig war. Die Kollegen von damals waren nach meiner langen Pause nicht mehr greifbar. Zudem war es mir wichtig, mit Musikern der jüngeren Generation zu arbeiten. Dass ich auf den Bassisten Patrick Sommer und den Schlagzeuger Andi Wettstein traf, war ein Glücksfall, wie ich heute weiss. Und die 40 Jahre, die uns trennen, waren nie ein Problem. Zwischen uns ist in all den Jahren nie ein böses Wort gefallen. Aber meine früheren Erfahrungen mit unserer Gruppe «Magog» in den 70er Jahren haben mich nicht losgelassen. Mit Bläsern zu arbeiten bedeutet natürlich einen großen Zuwachs an Möglichkeiten. An Farben, aber auch an Formen. So haben wir sehr bald versucht, neben der Trioarbeit auch ein Quintett mit zwei Bläsern aufzubauen. Nicht ganz aus dem Nichts. Den Trompeter Dani Schenker und den Bratschisten Christoph Merki, beide heute Professoren an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, hatte ich schon einmal in einer meiner Gruppen, im Quintett «Magog 2». Für diesen - relativ kurzlebigen - Versuch, an meine Magog-Erfahrungen anzuknüpfen, hatte ich diese beiden Bläser angesprochen. Christoph kenne ich schon viel länger. Als Schüler des Klostergymnasiums Einsiedeln hatte er bei seinen Patres durchgesetzt, dass «Magog» zur Maturafeier ein Konzert im Kloster geben durfte. Christoph war dort die treibende Kraft in Sachen Jazz, spielte natürlich schon lange Altsaxophon und liess sich neben seinem Geschichtsstudium in Zürich an der Jazzschule Luzern professionell auf seinem Instrument ausbilden.

Im Trio eine Sprache zu finden, die möglichst keine bekannten Muster imitiert, sondern eine gewisse Eigenständigkeit besitzt, ist schon schwierig genug und vielleicht erst nach vielen Jahren des Spielens möglich. In einem Quintett mit zwei Bläsern auf bekannte Muster zu verzichten, scheint mir noch viel schwieriger zu sein. Die Überwindung der Hardbop-Tradition, die nach meiner Beobachtung trotz der Freejazz-Einbrüche der letzten Jahrzehnte immer noch virulent ist, bleibt für jedes Quintett eine Herausforderung, die in den meisten Fällen nur allmählich erreicht wird. Und immer noch ist das späte Quintett von Miles Davis mit Wayne Shorter die Spitze der Leistungspyramide, das Maß aller Dinge. Nur mit einer völlig anderen musikalischen Sprache wäre wohl eine ähnliche Höhe der musikalischen Aussage zu erreichen. Uns bleibt die schwierige Aufgabe, zwischen den Polen des Populären, einer Musik mit eingängigen Melodien, die den Hörer erfreut, und dem Gegenpol, die Zielgruppe der Musik, das Publikum, nicht in den Kompositionsprozess einzubeziehen, im «Elfenbeinturm» abgeschottet für sich seine Musik zu entwickeln, einen eigenen Weg zu finden.

Diese stilistischen Fragen haben mich früher sehr beschäftigt. Mein Ziel war es immer, möglichst «modern» zu sein, an der Spitze der Entwicklung zu stehen. Aber nicht um jeden Preis. Den Bezug zur Jazzgeschichte abrupt aufzugeben, wie es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts versucht wurde, kam für mich nicht in Frage. Sich evolutionär den neuen Möglichkeiten des Jazz zu nähern, war mein Weg. Wenn die Erkenntnis der vielen Schwierigkeiten beim Schreiben den Musiker zu einer gewissen Demut und Bescheidenheit führt, so ist das nur zu begrüßen. Entmutigen kann und wird es die jungen Adepten des Jazz nur selten. In jeder neuen Generation drängen die von den Künsten Berührten danach, ihre Kreativität auszuleben, sich in ihrer Kunst auszudrücken mit dem Ziel, immer noch ein bisschen besser zu werden, die Messlatte noch höher zu legen. Verzweiflung und Lust liegen nahe beieinander.

Heute, im fortgeschrittenen Alter, ist für mich eine verbindliche Stilistik in meiner/unserer Musik erstaunlicherweise kein Thema mehr. Modern - altmodisch: das sind für mich keine Bezugspunkte mehr. Aktuelle Trends nehme ich gerne zur Kenntnis, aber sie verändern meine ästhetischen Einstellungen nicht mehr. Die Musik, die ich heute schreibe und spiele, muss so weit wie möglich aus mir selbst kommen, aus den Erfahrungen, die ich in vielen Jahrzehnten mit der Musik gemacht habe, die man Jazz nennt. Dabei rechnet sie, wenn auch nicht bewusst, so doch im Hintergrund mit einem imaginären Publikum. «Erlaubt ist, was gefällt», lässt Goethe seinen Tasso, die Verkörperung des Künstlerischen mit all seiner Problematik, im gleichnamigen Drama sagen. Sein Gegenüber, die Fürstin, Vertreterin des Establishments, korrigiert ihn mit den Worten: "Erlaubt ist, was sich ziemt. Ich stehe heute wohl eher auf Tassos Seite, wenn ich seine Maxime zu dem Satz erweitere: "Erlaubt ist, was mir gefällt".

Text: Klaus Koenig

Titelliste

  1. Es sungen drei Engel
  2. Perche No
  3. Falado
  4. As I Can
  5. C. P. Three
  6. Wohin gehen wir
  7. Billy Budd
  8. An Homage To Celia
  9. Nerissa's Ring

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