Rezension des Albums "Past and Presence" von Klaus Koenig Seven Things
Klaus Koenig Seven Things
Past and Presence
Erscheinungstermin: 29.05.2026
Label: TCB Music, 2026
Wo Vergangenheit und Gegenwart dieselben Geschichten erzählen
Es gibt Künstler, die sich ihr Leben lang mit der Frage beschäftigen, was zeitgemäße Musik eigentlich bedeutet. Klaus Koenig gehört zweifellos dazu. Seine Aussage, heute weniger an Stilrichtungen als an der Ehrlichkeit der eigenen musikalischen Sprache interessiert zu sein, beschreibt den Geist von Past and Presence vielleicht besser als jede stilistische Einordnung. Dieses Album folgt keinen Trends – es folgt ausschließlich seiner inneren Logik.
Gerade deshalb lässt sich die Musik nur schwer in Kategorien fassen. Natürlich ist sie tief im Jazz verwurzelt, doch sie erinnert gleichzeitig daran, wie weit und offen dieser Begriff eigentlich ist. Traditionelle melodische Entwicklungen begegnen freien improvisatorischen Passagen, strukturierte Kompositionen öffnen sich plötzlich für spontane Klangereignisse, während lyrische Momente von expressiven Ausbrüchen unterbrochen werden.
Bemerkenswert ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der diese unterschiedlichen musikalischen Welten nebeneinander existieren. Gegensätze werden hier nicht gegeneinander ausgespielt, sondern ergänzen sich zu einem organischen Ganzen. Was zunächst wie ein stilistischer Kontrast erscheint, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer überraschend natürlichen Einheit. Die Übergänge wirken fließend, niemals konstruiert oder demonstrativ.
Der Reiz des Albums liegt gerade darin, dass sich die Musik jeder Vorhersehbarkeit entzieht. Immer wieder entstehen neue Perspektiven, neue Farben und neue improvisatorische Dialoge, ohne dass dabei der rote Faden verloren geht. Man spürt die große Erfahrung eines Komponisten, der sich nicht mehr beweisen muss und deshalb mit großer Gelassenheit seiner eigenen künstlerischen Vision folgt.
Past and Presence lebt von dieser Freiheit. Die Vergangenheit ist spürbar, doch sie dient nicht als Vorlage, sondern als Fundament für etwas Eigenständiges. Vergangenheit und Gegenwart treten miteinander in einen lebendigen Dialog und schaffen eine Musik, die gleichzeitig vertraut und überraschend wirkt.
So entsteht ein Album von außergewöhnlicher künstlerischer Offenheit, das den Hörer von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Man hört diese Musik tatsächlich „in einem Atemzug“, weil hinter jeder neuen Wendung die Neugier auf das nächste musikalische Kapitel wartet.
(Jacek Brun, 06.06.2026)
Besetzung
Christoph Merki - alto saxophone
Daniel Schenker - trumpet
Klaus Koenig - piano
Patrick Sommer - bass
Andi Wettstein - drums
Titelliste
- From Major To Minor
- Nix Für Bix
- No Song For Barbra
- C.P. One
- Saoseo
- Past And Presence
- An Homage To Viola
- Addio
- Three Four For Seven Things
- Finissimo
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