Life Is Great - Option A
Life Is Great
Option A
Erscheinungstermin: 06.12.2024
Label: Owl Way Records, 2024
Wir leben in einer Zeit, in der fast alles gesagt ist, aber zum Glück gibt es noch Künstler, die auf der Suche nach Neuem sind. Johannes Koch spricht mit einer eigenen musikalischen Stimme. Eigenständig, modern und gleichzeitig ganz natürlich, ohne ein Experiment sein zu wollen. Hört man sich das Album als Ganzes an, fällt es schwer, das Konzept zu übersehen, das die Stücke zusammenhält, so dass es sich nicht um eine Ansammlung unzusammenhängender Kompositionen handelt, sondern um ein durchdachtes kreatives Projekt. Tolle Soloparts und das Zusammenspiel von Saxophon und Gitarre! (Jacek Brun, 21.12.2024)
Besetzung
Asger Nissen - Sax
Johannes Mann - Git
Thorbjørn Stefansson - Bass
Johannes Koch - Drums
Über das Album von Life Is Great "Option A"
Der Schlagzeuger und Komponist Johannes Koch war schon in vielen musikalischen Projekten unterwegs, ob Indie-Rock mit der Band Paper & Places, die von Grand Hotel van Cleef ins deutsche Fernsehen katapultiert wurde, oder in Kira Linns Lintett, mit dem er von jazzahead! bis Burghausen auf vielen namhaften Jazzfestivals auftrat.
Mit seiner neuen Band Life is Great, deren Debütalbum Option A am 06.12.2024 erscheint, bringt er die vielen Facetten seiner bisherigen Projekte unter einen Hut - oder besser gesagt in sein Leben: „Eine Rockband, die mehr nach Garage als nach Jazzclub klingt“, sagt der Musiker und fährt fort: „Für eine Band braucht man erst einmal Leute, die man mag. Mit denen man gerne Zeit verbringt. Wenn die dann auch noch Instrumente spielen, hat man Glück.“
Schon lange schreibt Koch Stücke, die zwischen allen Welten liegen und mit denen er anfangs oft hadert: zu kompliziert, zu einfach, inspiriert von der Plattensammlung seiner Eltern, 2010er Indie-Disco und natürlich Jazz. Nach ersten Versuchen, die sich noch nicht richtig anfühlten, fand er über das gemeinsame Studium am Jazzinstitut Berlin mit Asger Nissen (Sax und Synth), Johannes Mann (Gitarre) und (E-Bass) seine Rockband. Mit den drei Mitmusikern „fühlt sich Musikmachen wieder so an, als würde man im Keller der Eltern am Weltruhm basteln“.
Das Konzept dahinter? Jeder macht Dinge, die er in anderen Jazzbands nicht machen kann: 4/4 Indie-Rock-Grooves, als Saxophonist Synthesizer benutzen, Gitarre 80% der Zeit mit Flanger und zum ersten Mal seit seiner Jugend wieder E-Bass auf der Bühne spielen.
Die Stücke für das Album schrieb Koch im Jahr vor der ersten richtigen Tournee und das Quartett nahm sie im Proberaum zu reinen Dokumentationszwecken auf, ohne ein klares Veröffentlichungsziel vor Augen zu haben. Nach der Tournee im März 2023 zeigte Koch das Material dem Indie- und Pop-Produzenten Jonas Holle, den er aus seiner Zeit bei Paper & Places kannte. „Er hatte zunächst wenig mit Jazz zu tun. Das war genau das, was ich wollte“, sagt Koch, „ich wollte LoFi, ich wollte, dass es Druck macht und die Energie unserer Live-Shows transportiert. Und das hat Jonas dann gemacht“. So wurde Option A ein völlig ungeplantes Debütalbum, das einfach so passiert ist und allen Beteiligten einen Heidenspaß gemacht hat.
„Ich behaupte immer aus voller Überzeugung, dass wir eigentlich Rockmusik machen. Oft widersprechen mir Alle. Ich bleib trotzdem dabei. Life is Great macht Rockmusik, aber vielleicht für Weirdos.“ Johannes Koch
Anmerkungen von Johannes Koch zu den Stücken auf Option A:
„Oxford“: Ich war nie in Oxford, würde aber gern mal hin, um zu sehen, wie viel Chaos hinter der ganzen akademischen Exzellenz schlummert. Das Intro-Gitarrenriff hat in mir starke Vampire-Weekend-Vibes hervorgeholt. Nur mit vielen Oddmetern. Nach ein paar Minuten Melodie und Solo-Shred endet der Song dann in einer Coda, in der die Indierock-Einflüsse auf die Kompositionen sehr klar zu hören sind.
„No Stuart“: Ich habe eine Zeitlang in einer Kleinstadt in Thüringen gelebt, in der außer einem Theater quasi nichts passiert. Zur Maria Stuart-Dernière habe ich es trotzdem nicht geschafft und stattdessen diesen Song geschrieben. Fühlt sich für mich sehr nach einem Mac Demarco Slow Jam an und trägt die Ruhe der Thüringer Einsamkeit in sich.
„Feel“: Der Song beginnt mit einem langen Saxophon-Solo über einen rhythmisch komplexen Loop. Die Komposition ist wahrscheinlich am meisten davon inspiriert, wie sich Berlin und ein Teil der Musikszene der Stadt anfühlt. Trotzdem konnte ich während der Melodie nicht widerstehen, einen relativ klaren Indie-Floortom-Groove zu spielen. Man tut, was man kann.
„Happy Cargo“: Eine Verbeugung vor einer der besten Platten in meinem Leben: Cargo von Men at Work. Nichts lief in meiner Kindheit und Jugend so oft und ein wenig zu laut für eine Mietwohnung meiner Eltern. Der Vibe der Platte ist auf seine Art sehr prägend für den Sound von Life is Great. Sonst ein straightforward Indierock-Track.
„Nené“: Meine Großmutter hat mal in Paris gelebt und ist nächtelang quatschend mit ihrer Freundin Nené durch die Stadt spaziert. Vielleicht hat sich das so angefühlt. Und weil man unmöglich einen Song schreiben kann, der der eigenen Großmutter gerecht wird, heißt er wie ihre beste Freundin.
„Improv“: Sax und Gitarre improvisieren frei über eine notierte Rhythmusstruktur von Bass und Schlagzeug. Es handelt sich hierbei um einen kurzen Ausschnitt aus einer ca. 30-minütigen freien Improvisation, die wir spät abends am ersten Tag des Recordings aufgenommen haben.
„Anleger / Kurve 2327“: „Anleger“ ist eine klassische Ballade. Eines der ersten Stücke, bei denen ich gemerkt habe, dass mir Melodien Spaß machen. Als Jazzschlagzeuger leider nicht selbstverständlich. „Kurve“ ist eine der ältesten Kompositionen und einer U-Bahn-Kurve in Berlin gewidmet. Die fühlt sich zur richtigen Tageszeit genauso an. Finde ich.
„Duality“: Einer der Songs, bei denen ich mir völlig unklar war, wie und ob man sowas mit einer im Jazz verorteten Band machen kann. Ging dann aber. Ich würde es Hyperpop nennen, auch wenn ich nicht weiß, was das genau bedeuten soll.
Über die Musiker(in Johannes Kochs Worten):
Johannes Koch wuchs in einem musikalischen Haushalt auf und begann im Alter von sechs Jahren mit dem Schlagzeugspiel. Nach Stationen bei der Indieband Paper & Places (Grand Hotel van Cleef) und einem Jazz-Schlagzeug-Studium in Nürnberg und Berlin, arbeitete er als Sideman mit Kira Linn zusammen und tourte mit ihr in Europa und Südostasien. Gemeinsame Projekte mit Jorge Rossy, Domenic Landolf, Rich Perry, Phillip Dornbusch, Phil Donkin, Julian und Roman Wasserfuhr und anderen Jazzmusiker*innen sowie in Popbands wie Bruckner folgten.
Asger Nissen spielt Saxophon und Synth. Er schafft es die komplizierten Melodien einfach klingen zu lassen und den einfachen Melodien eine Tiefe und Komplexität zu geben, die mich berührt. Er kommt aus Dänemark, ist selbst Bandleader und Komponist und spielt in der Band einer meiner größten Drum-Heros Jim Black. Als wäre das nicht genug, hat er irgendwann angefangen Synth zu spielen und live eine Sonnenbrille zu tragen.
Johannes Mann spielt Gitarre. Sein Sound, sein Musikgeschmack, seine Band Sun Ark – alles, was er macht, hat einen unverwechselbaren Vibe. Klar und zugänglich, ohne oberflächlich zu sein. Johannes war Mitglied im Bundesjugendjazzorchester und spielt in vielen spannenden Projekten (Phillip Dornbusch Projektor, Kapelle 17…)
Thörbjørn Stefansson spielt E-Bass. Er hat unangenehm viele Preise gewonnen und eine lange Liste spannender Kollaborationen mit tollen Musiker*innen (Kit Downes, Savannah Harris, Ronny Graupe…). Sein Trio ‚Dream Big Fish‘ hat 2024 ein tolles Album rausgebracht. Sidefact: bester Mitbewohner.
Titelliste
- Oxford
- No Stuart
- Feel
- Happy Cargo
- Anleger / Kurve 2327
- Nené
- Interlude
- Duality
jazz-fun`s recap:
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