International Women’s Day 2026: European Jazz Magazines präsentieren 8 aufstrebende Jazzmusikerinnen

Lucille Moussalli - International Women’s Day – Milestones IWD 2026

Artist: Lucille Moussalli
Magazine: Citizen Jazz

Lucille Moussalli, eine ernsthafte Spaßmacherin

Porträt einer jungen Trompeterin und Geigerin in voller künstlerischer Entfaltung

Lucille Moussalli wurde in der Vendée in eine Familie hineingeboren, in der Musik und Instrumente immer eine wichtige Rolle gespielt haben. Zunächst wandte sie sich der Geige zu. Zwischen ihrem sechsten und vierzehnten Lebensjahr erhielt sie Unterricht an der Musikschule, ergänzt durch Trompetenunterricht ab dem Alter von neun Jahren. Anschließend besuchte sie in Nantes ein Gymnasium mit Schwerpunkt Theater, Musik und Tanz, schloss ihre Ausbildung ab und trat 2023 in das Konservatorium in Paris ein. Musik war stets ein zentraler Teil ihres Lebens:

„Mein Großvater mütterlicherseits spielte – und spielt noch immer – eine wichtige Rolle in meiner musikalischen Ausbildung. Er spielte mir schon viele Instrumente vor, als ich erst ein paar Monate alt war, und er war es, der mir die allerersten Grundlagen des Geigenspiels beigebracht hat.“

Citizen Jazz:
Du hast in Nantes angefangen. Wie siehst du diese Jazzszene?

Lucille Moussalli:
Jede Stadt ist ein Ökosystem, das von den Menschen geprägt wird, die sie ausmachen. Seit meiner Ankunft in Paris fühle ich mich sehr erfüllt. Ich hatte das Glück, die Menschen kennenzulernen, mit denen ich heute spiele, und ich schätze das Privileg, in einer großen Stadt zu leben, die von so vielen kulturellen Aktivitäten geprägt ist. Nantes ist etwas Besonderes. Ich fühle mich wohl, wenn ich dorthin zurückkehre. Dort hatte ich meine ersten Jamsessions, und es ist immer schön, die Menschen wiederzutreffen, mit denen ich Standards gespielt habe. Man sollte sich über die Künstlerinnen, Künstler und Spielorte in Nantes informieren und hingehen.

Man muss sie unterstützen, denn die Region Pays de la Loire hat drastische Kürzungen erlebt – 73 Prozent weniger für Kultur, 74 Prozent weniger für Sport und 90 Prozent weniger für Gleichstellung. Das ist das Ergebnis einer völlig verantwortungslosen Entscheidung der Regionalpräsidentin Christelle Morançais für den Haushalt 2025. Und 2026 wird die Region Pays de la Loire mit weiteren Kürzungen in Höhe von 15 Millionen Euro konfrontiert sein.

Citizen Jazz:
Du bist Teil des Kollektivs Mme Farceuse. Kannst du erklären, wie und warum dieses Kollektiv entstanden ist? Und woran arbeitet ihr derzeit?

Lucille Moussalli:
Dieses Kollektiv wurde im Juni 2022 gegründet, als ich noch in Nantes lebte, gemeinsam mit meinen Freunden Louise Chavanon und Eliot Broissand. Wir treten in verschiedenen Besetzungen auf – vom Trio bis zum Quintett –, was uns beim Schreiben eine gewisse Freiheit gibt.

Im Moment lassen wir uns Zeit; wir leben nicht alle in denselben Städten, deshalb ist es ziemlich kompliziert, Konzerte und Proben zu organisieren. Wir haben bereits einige Konzerte gespielt und planen, ein Album aufzunehmen und uns für Showcases zu bewerben, damit wir so viel wie möglich auftreten können.

Citizen Jazz:
Wie würdest du das Quartett Vogelfrei beschreiben? Welche Rolle spielst du darin?

Lucille Moussalli:
Vogelfrei ist ein Quartett mit Loris Grillo, Anthony Jouravsky und Antonio Barcelona.
„Vogelfrei“ entspricht im Französischen in etwa dem Wort „hors-la-loi“, also jemandem, der die Gesetze bricht, außerhalb der Gesetze lebt – ich finde, das beschreibt unsere Musik ganz gut.

Die Gruppe wird von Loris geleitet, aber wir alle beteiligen uns an der künstlerischen Ausrichtung. Mit dieser Band werden wir bald auch ein Album aufnehmen.

Citizen Jazz:
Ist das Duo Preset das am stärksten improvisierte deiner Projekte? Worum geht es dort?

Lucille Moussalli:
Ja, es ist das am stärksten improvisierte meiner Projekte, aber nicht vollständig. Mit Antonio Barcelona arbeiten wir außerhalb der Improvisation an Texturen, erweiterten Spieltechniken und unterschiedlichen Dichten, und dann improvisieren wir mit diesen klanglichen Werkzeugen.

Im Moment beschäftigen wir uns damit, wie wir Elektronik in unsere Auftritte integrieren können, um ihnen eine neue Dimension zu geben, und wir tendieren immer stärker zu einer Aufführung, die in mehrere Teile gegliedert ist. Uns interessiert es, die verschiedenen Aspekte eines Duos zu untersuchen: wie zwei Einheiten miteinander kommunizieren, sich gegenübertreten, sich verflechten und sich auch wieder entziehen können.

Citizen Jazz:
Du hast kürzlich zusammen mit Ailefroide et Ivresse und Fanny Ménégoz in einem Bläsertrio mit Schlagzeug gespielt. Das ist nicht deine einzige Formation ohne Harmonieinstrument. Ist das für dich eine ästhetische Entscheidung?

Lucille Moussalli:
Das war ein sehr schöner Moment! Ich hatte noch nie ein ganzes Programm in dieser Besetzung gespielt, und ich fühlte mich sehr wohl; jeder war genau an seinem Platz. Und ich war sehr dankbar, Fannys Kompositionen spielen zu dürfen.

Tatsächlich ist das nicht das einzige Projekt ohne Harmonieinstrument, in dem ich spiele. Ich liebe den Klang solcher Besetzungen; da ist etwas Tiefes und Trockenes, das mich anzieht.

Außerdem habe ich eine gewisse Vorliebe für den Kontrapunkt entdeckt, der durch die Stimmen monodischer Instrumente entsteht – untereinander und im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug. Und mehr noch: Das Fehlen von Instrumenten, die die Harmonie festlegen, sorgt dafür, dass unser Ohr beim Improvisieren in einem tonalen oder modalen Kontext weniger beeinflusst wird. Wir sind dadurch freier.

Citizen Jazz:
Spielst du noch Geige auf der Bühne? Und wenn ja: Was sind die Unterschiede im Spiel, in der Improvisation und im Ausdruck zwischen diesen beiden Instrumenten?

Lucille Moussalli:
Ja, genauer gesagt habe ich wieder begonnen, Geige auf der Bühne zu spielen; ich hatte damit einige Jahre aufgehört. Abgesehen von den unterschiedlichen Klangfarben, wenn man Trompete und Geige auf konventionelle Weise spielt, mache ich in meinem Improvisationsstil keinen Unterschied zwischen diesen beiden Instrumenten; ich denke auf dieselbe Weise.

Andererseits ermöglicht mir die Arbeit mit Klängen durch erweiterte Spieltechniken, eine Brücke zwischen den Klängen zu schaffen, die ich hervorbringe.

Citizen Jazz:
Im Allgemeinen gründen jüngere Musikerinnen und Musiker nach dem Konservatorium eigene Bands. Wie heißt deine Band?

Lucille Moussalli:
Meine Band heißt Mouvances – und so heißt auch das erste Album. Ich habe Menschen eingeladen, die ich sehr bewundere: Vladimir Sekula am Klavier, Tom Boizot am Kontrabass und Antonio Barcelona am Schlagzeug. Manchmal laden wir auch Lou Ferrand ein, eine Sängerin, die meiner Meinung nach ein sehr tiefes und berührendes Verständnis von Musik hat.

Citizen Jazz:
Das #IWD-Projekt ist eine europäische Initiative, um Musikerinnen sichtbarer zu machen. Wir müssen weiterhin darauf bestehen. Wie ist deine Position als Musikerin dazu?

Lucille Moussalli:
Ich befürworte solche Initiativen, solange sie die Aufmerksamkeit nicht von der Musikerin weg und auf die Organisation lenken, die sie ins Rampenlicht stellt. Denn manchmal enden solche Initiativen in reinem Pinkwashing, und das ist schlecht.

Wir müssen weiterhin darauf drängen, Frauen und Geschlechterminoritäten einzubeziehen, denn nur durch radikale Maßnahmen erreichen wir Ergebnisse: mehr Sichtbarkeit, mehr Frauen und Geschlechterminoritäten in Orchestern, Gruppen und so weiter.

Citizen Jazz:
Die neue Generation scheint für Themen wie Gender, Gleichheit und Repräsentation deutlich sensibler zu sein. Bist du immer noch mit sexistischen, diskriminierenden oder einfach unangemessenen Haltungen konfrontiert?

Lucille Moussalli:
Ja, die neue Generation ist für diese Themen sensibler. Und natürlich bin ich – wie alle anderen auch – mit sexistischen Haltungen konfrontiert. Sicher, es wurden Fortschritte gemacht, aber es gibt weiterhin ein feindseliges Klima gegenüber Frauen.

Die Jazzwelt ist keine Blase außerhalb unserer sexistischen und patriarchalen Gesellschaft, und es gibt noch sehr viel grundlegende Arbeit zu tun, um das zu verändern.

Citizen Jazz:
Wo kann man dich hören – Album, Website, Konzerte?

Lucille Moussalli:
Das erste Album von Mouvances ist auf allen Plattformen beim Label l’Autre Records erschienen. Manchmal veröffentliche ich Konzertmitschnitte auf meinem Soundcloud. Meine kommenden Termine poste ich auf meinem Instagram-Account @lucillemoussalli, und ich denke, ich werde bald eine Website erstellen, um alles an einem Ort zu bündeln.

Loucille Moussalli
Loucille Moussalli, Foto: Nabil Hilali

Von Matthieu Jouan
Foto: Nabil Hilali

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