Rezension des Albums "Gekritzel" von Luigi Archetti & Bo Wiget
Luigi Archetti & Bo Wiget
Gekritzel
Erscheinungstermin: 22.05.2026
Label: Unit Records, 20266
Wie gezeichnete Klänge – Musik voller Stille, Fantasie und Tiefe
Es gibt Musik, die klare Formen sucht – und es gibt Musik wie Gekritzel, die gerade aus dem Offenen, Fragmentarischen und Suchenden ihre Kraft gewinnt. Seit den 1990er-Jahren arbeiten Luigi Archetti und Bo Wiget in unterschiedlichsten Konstellationen zusammen. Als Duo verfolgen sie seit 1999 konsequent einen Weg, der sich jeder stilistischen Festlegung entzieht.
Auch auf Gekritzel begegnen sich Improvisation, zeitgenössische Musik, elektroakustische Experimente und Momente beinahe popmusikalischer Klarheit auf bemerkenswert organische Weise. Der Titel wirkt dabei fast programmatisch: wie musikalische Skizzen, Linien und Fragmente, die sich scheinbar zufällig begegnen und allmählich zu etwas Eigenständigem verdichten.
Der kreative Prozess hinter dem Album folgt einer spannenden Idee. Ausgangspunkt sind kurze Soloarbeiten, die anschließend gemeinsam weiterentwickelt werden. Improvisierte Passagen, elektronische Bearbeitungen und komponierte Elemente fließen ineinander, ohne dass sich klare Grenzen ziehen ließen. Man weiß oft nicht mehr, wo ein Klang beginnt, wo er transformiert wurde und wohin er sich entwickelt.
Besonders reizvoll bleibt dabei die enorme klangliche Vielfalt. Neben elektrischer Gitarre und Cello kommen Toy Piano, Stimme, Blockflöte und E-Bass zum Einsatz. Doch nichts wirkt hier dekorativ oder beliebig. Jeder Klang scheint bewusst gesetzt – als Teil eines sensibel austarierten musikalischen Ökosystems.
Die Atmosphäre des Albums ist überwiegend ruhig, manchmal beinahe meditativ. Viele Passagen scheinen zu schweben, laden zum genauen Hinhören ein und entfalten ihre Wirkung erst nach und nach. Gleichzeitig entstehen immer wieder markantere Momente, in denen rhythmische oder strukturelle Impulse die fragile Ruhe kurzzeitig aufbrechen.
Gekritzel ist kein Album für flüchtiges Nebenbeihören. Es verlangt Aufmerksamkeit und Geduld – belohnt diese aber mit einer seltenen Tiefe und einem faszinierenden Reichtum an Details. Gerade erfahrene Hörerinnen und Hörer experimenteller Musik werden hier viel entdecken können.
Ein stilles, kluges und außergewöhnlich faszinierendes Werk – Musik voller feiner Nuancen, die lange nachhallt.
(Jacek Brun, 23.05.2026)
Besetzung
Luigi Archetti – Gitarre
Bo Wiget – Cello, Stimme
Titelliste
- Bleistift 1
- Bleistift 2
- Bleistift 3
- Bleistift 4
- Bleistift 5
- Bleistift 6
- Bleistift 7
- Bleistift 8
- Bleistift 9
- Bleistift 10
- Bleistift 11
- Bleistift 12
- Bleistift 13
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