Rezension des Albums "Beautiful Love" von Maggie Nicols & Geoff Eales
Maggie Nicols & Geoff Eales
Beautiful Love
Erscheinungstermin: 16.05.2026
Label: 33Jazz, 2026
Wie eine lange erzählte Geschichte – Maggie Nicols entdeckt Jazzklassiker neu
Es gibt Alben, die nicht aus einem spontanen Impuls entstehen, sondern aus einer Idee, die über Jahrzehnte gereift ist. Beautiful Love gehört genau in diese Kategorie. Mit diesem lange ersehnten Projekt erfüllt sich die Sängerin Maggie Nicols, eine der prägendsten Stimmen der internationalen freien Improvisationsszene, einen musikalischen Traum, der sie seit den frühen 1960er-Jahren begleitet: ein Album mit Jazzstandards aufzunehmen.
Gemeinsam mit dem Pianisten Geoff Eales, Bassist Ashley John Long und Schlagzeugerin Sophie Alloway entsteht dabei eine Musik, die Tradition und Offenheit bemerkenswert selbstverständlich miteinander verbindet.
Schon die Auswahl der Stücke – darunter All Blues, Come Rain or Come Shine, My Funny Valentine oder Turn Out the Stars – macht deutlich, wie tief die Verwurzelung im Jazzkanon ist. Doch Beautiful Love versteht sich nicht als nostalgischer Rückblick. Die bekannten Melodien bleiben erhalten, werden jedoch mit großer Sensibilität neu ausgelotet, geöffnet und behutsam erweitert.
Gerade darin liegt die besondere Stärke dieses Albums. Maggie Nicols nähert sich den Songs mit einer beeindruckenden Mischung aus Erfahrung, emotionaler Direktheit und improvisatorischer Freiheit. Ihre Interpretationen wirken nie routiniert oder dekorativ – vielmehr scheinen die Texte und Melodien aus dem Moment heraus neu entdeckt zu werden.
Geoff Eales erweist sich dabei als idealer musikalischer Partner. Sein Klavierspiel verbindet Eleganz mit Offenheit, schafft Räume und reagiert feinfühlig auf jede Nuance. Ashley John Long und Sophie Alloway sorgen für ein rhythmisches Fundament, das nie dominiert, sondern aufmerksam begleitet und die musikalischen Dialoge trägt.
Was Beautiful Love letztlich so berührend macht, ist seine Natürlichkeit. Dieses Album wirkt nicht konstruiert, sondern wie eine gewachsene musikalische Beziehung – ein Zuhören, Antworten und gemeinsames Erinnern. Unterschiedliche Erfahrungen, ästhetische Wege und Generationen der Jazzgeschichte treten hier nicht in Konkurrenz, sondern in einen respektvollen Dialog.
Beautiful Love ist deshalb weit mehr als ein Standardalbum. Es ist ein Dokument musikalischer Nähe, Vertrauen und gemeinsamer Sprache – warm, offen und voller Menschlichkeit.
Ein zutiefst berührendes Album, das zeigt, wie zeitlos große Songs klingen können, wenn sie mit Erfahrung, Fantasie und ehrlicher Hingabe gespielt werden.
(Jacek Brun, 18.05.2026)
Besetzung
Maggie Nicols - Vocals
Geoff Eales - Piano
Ashley John Long - Bass (Tracks 1, 3, 7, 9)
Sophie Alloway - Drums (Tracks 1, 3, 7, 9)
Titelliste
- All Blues
- Come Rain or Come Shine
- How My Heart Sings
- Peace Piece / Some Other Time
- Turn Out The Stars
- Yesterdays
- My Funny Valentine
- My One and Only Love
- Beautiful Love
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