Rezension des Jazz-Albums "Táctil" von Marco Mezquida
Marco Mezquida
Táctil
Erscheinungstermin: 20.02.2026
Label: Galileo Vertrieb, 2025
Körperliche Klangästhetik im modernen Pianotrio
Nach einem Jahrzehnt intensiver Zusammenarbeit präsentiert der mallorquinische Pianist und Komponist Marco Mezquida mit TÁCTIL eine weitere Etappe seines künstlerischen Weges. Das Album bildet die vierte Station einer beinahe brüderlich gewordenen Kooperation mit dem Perkussionisten Aleix Tobías und dem Cellisten Martín Meléndez. Nach Projekten wie Ravel’s Dreams – einer Auseinandersetzung mit Maurice Ravel –, Talismán (2020) und Letter to Milos (2022) markiert TÁCTIL eine klangliche Verdichtung dieser gemeinsamen Entwicklung.
Im Zentrum steht die Idee des „Taktile“: Musik als physischer Vorgang, als unmittelbare Verbindung von Körper, Geste und Klang. Mezquida rückt damit eine Dimension in den Vordergrund, die im digitalen Zeitalter häufig in den Hintergrund tritt. Töne entstehen hier nicht als abstrakte Signale, sondern als Resultat konkreter Bewegungen – Anschlag, Reibung, Druck, Resonanz. Diese Haltung prägt die gesamte Dramaturgie des Albums.
Das Trio agiert als organische Einheit, deren Zusammenspiel durch zehn Jahre gemeinsamer Erfahrung geformt wurde. Die Dynamik ist vielschichtig und differenziert; melodische Linien und improvisatorische Passagen greifen ineinander und entwickeln sich in klar strukturierten Bögen. Die rhythmische Komponente, verstärkt durch percussive Elemente, erhält ein besonderes Gewicht und erweitert die klassische Klaviertrio-Form um zusätzliche klangliche Ebenen.
Auffällig ist die erweiterte Textur des Albums: Subtile vokale Einsätze bereichern einzelne Passagen und verstärken die dramaturgische Wirkung (Fraternitat). Das Zusammenspiel von Klavier, Cello und Perkussion erzeugt eine Klangsprache, die gleichermaßen lyrisch wie körperlich erfahrbar erscheint. Die Musik bleibt transparent, ohne an Intensität zu verlieren.
TÁCTIL dokumentiert die künstlerische Reife eines Trios, das traditionelle Formen des Pianotrios hinterfragt und weiterentwickelt. Das Album steht für eine musikalische Ästhetik, in der Berührung, Resonanz und lebendige Interaktion zum zentralen Ausdrucksmittel werden.
(Jacek Brun, 28.02.2026)
Besetzung
Marco Mezquida - Piano, Rhodes, Hammond, Voice on Felice
Celeste Alías - Gesang (Track Nr 6)
Gala Celia - Percussion
Martín Meléndez - Cello
Aleix Tobias - Drums, Percussion
Titelliste
- Nobles y sentimentales
- Constantine
- Pe di boi
- Felice
- Cádiz
- Fraternitat
- World's hope
- Cuando vienes
- Hermana
- Táctil
- Cavalcanti
- Malambe
- Tempus fugit (plor per Palestina)
- Brújula
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