Rezension des Jazz-Albums "Wishes" von Matthew Liebeck Quartett
Matthew Liebeck Quartett
Wishes
Erscheinungstermin: 17.03.2026
Label: Matthew Liebeck, 2026
Moderner Jazz zwischen Post-Bop und Drum’n’Bass
Das in Berlin ansässige Matthew Liebeck Quartett um den britischen Trompeter und Komponisten Matthew Liebeck positioniert sich mit Wishes klar innerhalb einer neuen Generation europäischer Jazzensembles. Die Musik ist tief im modernen Post-Bop verwurzelt, nimmt jedoch ebenso selbstverständlich Einflüsse aus Drum’n’Bass, Latin und Soul auf.
Die Referenzpunkte sind deutlich hörbar: das legendäre Second Great Quintet von Miles Davis sowie die klangliche Ästhetik der Blue-Note-Phase von Herbie Hancock. Gleichzeitig gelingt es dem Quartett, diese Einflüsse nicht zu reproduzieren, sondern in eine eigenständige, zeitgenössische Sprache zu überführen.
Die Besetzung mit Felix Mross (Klavier, Rhodes), Ben Lehmann (Kontrabass, E-Bass) und Shinichi Nakajima (Schlagzeug) bildet eine flexible rhythmische und harmonische Basis. Besonders auffällig ist die Integration von Drum’n’Bass-Elementen, die nicht als stilistisches Zitat erscheinen, sondern organisch in die jazzimprovisatorische Struktur eingebunden werden.
Die Kompositionen sind offen angelegt und bieten viel Raum für kollektive Interaktion. Themen entwickeln sich häufig aus gemeinsamen Linien heraus und werden in improvisatorischen Passagen weitergeführt, in denen sich die Stimmen der einzelnen Musiker überlagern und gegenseitig beeinflussen. Der Ensembleklang lebt dabei von einer hohen kommunikativen Dichte und einem ausgeprägten Gespür für Dynamik.
Gerade diese Verbindung aus struktureller Klarheit und rhythmischer Beweglichkeit verleiht dem Album seine besondere Energie. Groove wird hier nicht nur als stilistisches Element eingesetzt, sondern als tragendes Prinzip, das die Musik zusammenhält und gleichzeitig vorantreibt.
Wishes zeigt das Matthew Liebeck Quartett als Ensemble, das Tradition und Gegenwart miteinander verbindet und daraus eine eigenständige musikalische Perspektive entwickelt. Die Musik steht exemplarisch für eine europäische Jazzszene, die sich ihrer Wurzeln bewusst ist und zugleich neue ästhetische Räume erschließt.
(Jacek Brun, 17.03.2026)
Besetzung
Matthew Liebeck - Trumpet and Composition
Felix Mross - Piano, Rhodes
Ben Lehmann - Upright Bass, Electric Bass
Shinichi Nakajima - Drums
Titelliste
- Waiting
- Questions
- Earth Rising
- Anniversary
- Grandad
- Always Happy
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben