MUNIQ JAZZ FESTIVAL - ein neues Musikfestival für München

Yvonne Moriel
Yvonne Moriel, Foto: Robert Fischer

Von Robert Fischer

Nie verkehrt, wenn jemand die Sache selbst in die Hand nimmt. Das mögen sich auch die Verantwortlichen des im Jahr 2022 gegründeten niq-kollektivs gedacht haben, dessen Mitglieder – Fiona Grond, Valentin Renner, Isumi Rögner, Moritz Stahl, Sebastian Wolfgruber und Luca Zambito – allesamt selbst in unterschiedlichen Bandkonstellationen kreativ erfolgreich sind und sich ein gemeinsames Ziel gesetzt haben. Nämlich: „als Kollektiv neue Ideen und künstlerische Herangehensweisen zu fördern und eine Verbindung zu schaffen zwischen Münchner Musiker:innen, Publikum und Stadtgesellschaft ebenso wie der überregionalen Szene“. Dass all diese Bestrebungen einmal in ein neues Festival für München münden sollten, auch das war für das Kollektiv schon von Anfang an klar. Und an zwei Tagen im Juni (19./20.6.2026) war es endlich so weit: Das erste MUNIQ JAZZ FESTIVAL öffnete auf dem Gelände des Münchner Kreativquartiers an der Dachauer Straße seine Pforten.

Gelungener Start

Unter einem wie guten Stern diese erste Ausgabe stand, bestätigte ein offenbar sehr günstig gestimmter Wettergott, der an beiden Tagen für tropische Temperaturen sorgte und die Musizierenden wie das erfreulich zahlreich erschienene Publikum in den zwei abwechselnd bespielten stylishen Hallen des Kreativquartiers – dem „Zirka“ und dem „Space for Skate“ – zum Schwitzen brachte. Zum Glück hatten die Verantwortlichen an alles gedacht – an Kinderbetreuung genauso wie an einen Foodtruck, eine Bar mit sozialverträglichen Preisen und ein DJ-Pult für die Sounds im Freien. Erfreulich auch die Betonung der Safer Space Awareness, mit der die Veranstalter das Festival als Ort definierten, an dem „persönliche Grenzen respektiert werden und Diskriminierung sowie Gewalt keinen Platz haben“ sollten. Was auch eine Frage der Haltung ist: „Jazz und improvisierte Musik“, war im schön gestalteten, informativen Programmheft zu lesen, „leben von Offenheit, Zuhören und gegenseitigem Respekt – diese Haltung prägt auch unser Miteinander auf und neben der Bühne.“ Dementsprechend entspannt war dann auch die Stimmung auf den Bühnen wie auf dem ganzen Festivalgelände.

Carte Blanche für musikalische Begegnungen

Bestens kuratiert war zudem das Line-up des Festivals. Den Auftakt am ersten Tag machte das Trio der Bassistin und Komponistin Natasha Zaychenko mit Jonas Sorgenfrei am Schlagzeug und Lion Wegmann am Klavier. Als Gast hatte sie sich Paul Biessmann eingeladen, der am Synthesizer für spacige Sounds sorgte. Aber schon in seiner eigentlichen Triobesetzung ist diese Formation immer für ein spannungsreiches, faszinierendes Konzert gut – und hoffentlich bald auch für ein gemeinsames Albumdebüt.

Danach gab es die erste Carte Blanche, für die sich Moritz Renner eine Wunschbesetzung zusammenstellen konnte. Der Münchner Posaunist und Komponist, mit dem eigenen Trio RENNER und in der Jazzrausch Bigband höchst erfolgreich aktiv, entschied sich für Francesca Gaza (Gesang), Robert Landfermann (Kontrabass) und Ella Zirina (Gitarre). Im eigens für diese Besetzung von ihm geschriebenen Programm ließ er jedem Raum für individuellen Glanz, hätte aber wohl auch ganz allein mit seinem balladesken Ton, der Beherrschung sämtlicher instrumentaler Fertigkeiten (inklusive Mangelsdorffscher Überblas- und Mitsingtechniken) das Publikum begeistert.

Svetlana Marinchenkos SVM3 hatte anschließend mit einigen Soundproblemen zu kämpfen, was aber der enormen Spielfreude der mit Felix Henkelhausen am Kontrabass und Oliver Steidle am Schlagzeug ein energetisch-kraftvolles Triofeuerwerk entfachenden, höchst virtuosen und das eigene Programm sympathisch unprätentiös moderierenden Pianistin keinen Abbruch tat.

Für einen gelungenen Abschluss des ersten Tages sorgte schließlich Yvonne Moriels „Sweetlife“: Mit Lorenz Widauer (Trompete), Stephanie Weninger (Moog & Klavier) und Raphael Vorraber (Schlagzeug) spielte die Saxofonistin und Flötistin vorwiegend das Programm ihrer beiden Alben „Sweetlife II“ und „Sweetlife III“, auch auf eine schon zuvor erschienene EP griff sie zurück und demonstrierte mit ihrem sehr individuellen Mix aus sphärischen Klängen, komplexen Rhythmen und wuchtigem Synthiebass zu sich geschmeidig in die Gehörgänge schmeichelnden Bläsersätzen und funkensprühenden Improvisationen, dass ihre Musik im Club genauso ein begeistertes Publikum finden würde wie auf großen und größten Bühnen.

Hoffentlich bald wieder!

Wer, wie der Autor dieser Zeilen, nur den ersten Tag des neuen Festivals besuchte, verpasste einiges: einen Percussion-Workshop mit Fazer-Drums und eine vom BR-Redakteur Ulrich Habersetzer moderierte Diskussion „Paniq – Jazz für alle?“, das Duo Fiona Grond & Luca Zambito, Fazer nun als komplette Band und Eva Klesse mit der zweiten Carte Blanche, für die sie den Bassisten Henning Sieverts, den Gitarristen Philipp Schiepek und den Trompeter Matthias Lindermayr zu sich auf die Bühne holte, ehe die Schlagzeugerin Sun-Mi Hong im Duo mit dem Saxofonisten Moritz Stahl das Festival beschloss. Ein reiches, spannendes und vielfältiges Programm also, weshalb die Empfehlung, die hoffentlich im nächsten Jahr stattfindende zweite Ausgabe des neuen MUNIQ JAZZ FESTIVAL unbedingt an allen Tagen zu besuchen, zuallererst an ihn selbst gerichtet ist.

Jonas Sorgenfrei
Jonas Sorgenfrei, Foto: Robert Fischer
Stephanie Weninger
Stephanie Weninger, Foto: Robert Fischer

Text und Fotos: Robert Fischer

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