Neil Cowley spricht mit jazz-fun
Auf zwölf Jahre Trio mit Rex Horan (Bass) und Evan Jenkins (Drums) folgten sieben Jahre Soloprogramm mit Klavier und Elektronik für den britischen Pianisten Neil Cowley. Jetzt ist er wieder bei seinem Trio gelandet. Geteilte Freude ist immer noch dreifache Freude an Musik, Gigs und Reisen. „Entity“ (Hide Inside Music / Bertus) belegt das.
jazz-fun.de:
Ich habe dich vor zwei Jahren in einem spannenden Solokonzert mit Klavier und Elektronik am Jazzkaar Festival in Tallinn gesehen. Nach deinem siebenjährigen Solotrip bist du jetzt wieder zu deinem Trio zurückgegangen. Ich finde das interessant, dass jemand, der eine lange Zeit mit denselben Leuten im Trio spielte – ihr habt 12 Jahre zusammen gespielt? - eine ganz radikale Pause für mehrere Jahre nimmt, um dann wieder mit demselben Trio weiterzuarbeiten.
Was waren die Gründe, solo zu gehen und dann wieder zum selben Trio zurück zu gehen?
Neil Cowley:
Wir haben zwölf Jahre zusammen gespielt, und die Leute haben immer gesagt, dass wir die gläserne Decke erreicht hätten. Die Band wäre so weit gegangen, wie sie nur gehen könnte. Wir haben nette Gigs gespielt, aber dieses „herumtraben“ hat mich nicht mehr zufrieden gestellt, ich habe nach mehr gesucht. Vielleicht bin ich ein bisschen gierig. Ich habe gelernt, nicht mehr so gierig zu sein, das hat mich dieser Abschnitt gelehrt. Was kann ich noch rausholen, wollte ich wissen. Ich hatte 2017 einen Manager, der mehr elektronische Acts wie Fatboy Slim oder andere britische Bands managte. Er hörte mich spielen und sagte mir, dass er eine Vision für mich habe, wo ich mit meiner Musik hingehen könnte. Das war das erste Mal, dass ich jemandem die Kontrolle überlassen hatte.
Vielleicht war das der Grund, dass ich die gläserne Decke erreicht habe, weil ich zu viel Kontrolle übernehme. Ich muss es laufen lassen, etwas entspannen und jemand anderen die Kontrolle übernehmen lassen. Und andere Leute meine Emails beantworten lassen. Ich tendiere dazu, alles alleine machen zu wollen. Das führte zu dem Programm, das Du in Estland gesehen hast.
Ich habe ein paar Alben mit ihm zusammen gemacht, great art, die ich sehr genossen habe, ich habe fantastische Video-Leute getroffen, da gab es immer interessante Kollaborationen.
Aber trotzdem gab es immer diese Einsamkeit in mir, und die Welt wurde dann durch die Pandemie auch sehr einsam. Ich habe festgestellt, dass ich nicht alleine war, wenn ich Musik solo mache, in dem Sinne, dass Technik Möglichkeiten schafft, in deinem Schlafzimmer Musik machen zu können - mit sehr wenig Kollaborationen mit anderen Menschen von außerhalb. Das ist möglich und wurde immer billiger. Aber es gab immer weniger Einnahmen in der Musik. Die Technik passte dazu, die Musik wurde billig. Das mag ich nicht. Ich habe diese sieben oder sechs Jahre damit verbracht, elektronisches Equipment, Synthesizer, Drum Machines und all diese Dinge zu sammeln. Ich hatte sogar Fernseher auf dem Piano, alte Teile aus den 70ern, die weißes Rauschen produzierten. Das weiße Rauschen wurde zu Noten und Bands, mit denen ich kommuniziert habe.
Irgendwann wurde mir klar: Moment, ich versuche gerade, mit jemanden oder eben mit der Technik zu kommunizieren, aber das hatte ich doch schon, ich hatte doch eine Band! Ich kann das mit zwei menschlichen Wesen machen! Mein Trio war organisch und in dem menschlichen Prozess hatte ich auch viel mehr Spaß!
Am Ende der Nacht in Estland war ich ziemlich begeistert, weil es einer der besseren Gigs war. Aber es gab oft Gigs, da wollte ich mich mit jemandem austauschen und wenn ich mich umgeschaut habe, saß ich halt alleine in meiner Garderobe. Das ist nicht gut, eine traurige Geschichte. Das ist es, was das Trio mit Rex Horan (Bass) und Evan Jenkins (Drums) so besonders macht, weil wir wirklich lieben, zusammen zu sein, wir sind wie Brüder. Am Ende eines Gigs sind sie genauso in einem euphorischen Zustand wie ich. Das habe ich wirklich vermisst. Die Welt hat mich dazu gebracht, einsame Musik zu machen, jeder macht melancholische Musik alleine. Ich erinnerte mich schmerzlich an die Verbindung von Menschen, von Menschen auf der Bühne und Leuten im Publikum. Die beiden besten Menschen, die ich kenne, die diese Freude am Spielen haben und vermitteln, sind Rex und Evan und dieses Trio. Und hier sind wir, wir sind wieder zurück und das freut mich sehr.
jazz-fun.de:
Es war nie eine Option, zurück zur Triobesetzung zu gehen, aber mit anderen Musikern zusammen zu spielen?
Neil Cowley:
Nein, ich hätte immer diese beiden zuerst gefragt, sie hätten nein sagen können, aber ich hatte den Verdacht, dass es ihnen ähnlich ging wie mir. Für einen kurzen Moment habe ich darüber nachgedacht, aber der Moment ging schnell vorüber. Die andere Sache ist – wir haben eine so besondere Verbindung, die kannst du nicht jeden Tag finden. Auch wenn es großartig wäre, neue Dinge auszuprobieren: Ich habe eine sehr glückliche Familie und ich suche nicht nach einer musikalischen Scheidung. Ich bin sehr glücklich, dass ich in dieser Partnerschaft weitergehen kann.
Die beiden Typen sind einfach zu gut, um andere Musiker auszuprobieren. Rex, mein Bassist, hat ein Gehirn in der Größe eines Planeten. Er liebt die Musik, die ich schreibe, ist aber ist auch sehr verwirrt, weil sie in Sachen Musiktheorie oft keinen Sinn macht. Ich schreibe sehr unabgeschlossene Sachen oder ich schreibe nur in C Dur, es passiert immer alles schnell und immer in Eile. Wenn ich ihm die Noten schicke, denkt er immer „OK, here we go again“, aber trotzdem liebt er meine Stücke. Er unterstützt mich sehr. Und wenn er ein Stück von mir absegnet, dann weiß ich, dass ich den Ritterschlag der musikalischen Akademiker bekommen habe. Und Evan, mein Drummer, ist eine super positive Seele, ich mag es, ihn aufgeregt, glücklich und mit warmen Gefühlen dem gegenüber zu sehen, was wir machen. Ich habe zwei große Spiegel in ihnen, und diese beiden zu ersetzen, das müssen schon sehr besondere Menschen sein!
jazz-fun.de:
Wenn du für die Band schreibst, notierst du alles bis ins kleinste Detail auf, oder lässt du Freiraum für Bass und Drums, was ihnen zu deinen Kompositionen einfällt?
Neil Cowley:
Es ist ziemlich ausgeschrieben, sie bekommen wahre Manuskripte von mir. Sie bekommen Partituren mit dem Vermerk „so möchte ich, dass es klingt“. Manchmal ändert sich ein bisschen was, aber es ist doch ziemlich ausgeschrieben, ziemlich festgelegt.
jazz-fun.de:
Du gehst nicht mit Skizzen in die Proben und schaust, wohin die Stücke euch tragen?
Neil Cowley:
Nein, eigentlich nicht. Ich habe kürzlich über Jazz und den improvisatorischen Anteil darin gesprochen, es ist nun mal Musik mit großem Improvisationsanteil. Warum nennen wir meine Musik dann Jazz, wenn ich da sitze und alles ausschreibe? Die Improvisation beginnt für mich dann, wenn wir live spielen. Es ist die Dynamik, wir bauen Spannungsbögen. Aber es ist nicht das übliche Jazzformat, in dem wir 16 Takte lang über Akkordfolgen improvisieren. Wir haben Melodien und Abschnitte, diese Formel mögen wir sehr und es funktioniert für uns.
jazz-fun.de:
Aber Jazz hat ja so viele Facetten, Jazz ist, wenn Menschen zusammen spielen und aufeinander reagieren, ein musikalisches Gespräch führen.
Neil Cowley:
Ich bin kein großer Fan von Genres, aber wenn es Jazz ist, dann ist es von einem anderen Ufer. Ich finde es interessant, was mit Jazz passiert ist, vor allem, wie er sich hier in Europa entwickelt hat. Es gibt so viele tolle Beispiele, was hier in Europa in Sachen Jazz passiert ist. Wenn du zum Beispiel Klavier studierst, dann musst du Bach-Fan sein.
Ich war vor nicht allzu langer Zeit in Leipzig und habe sein Grab besucht, und ich war wie ein Beatles Fan, ich habe an seinem Grab geweint! Das habe ich nicht erwartet, weil es war ja „nur“ Bach war und ein Grab. Aber er war so ein großer Teil meiner Kindheit und Teil meiner Bausteine in meinem Gehirn. Ich war mit viel jüngeren Leuten unterwegs, meiner Roadcrew bei den Konzerten. Die waren total verunsichert und haben mir auf den Rücken geklopft und gefragt, ob ich OK wäre. Ich versuchte, ihnen zu erklären, dass ich gerade einen Fan-Moment mit Bach habe. Er ist ein fundamentaler Teil von allem, was ich gelernt habe und ein Startpunkt. Von da aus habe ich Dinge erweitert. Die europäische Tradition, die darin steckt, ist immer cool.
jazz-fun.de:
Bach ist ein Meister mit Verbindung zum Jazz, er hat die besten Basslinien geschrieben.
Neil Cowley:
Ich kann dem absolut zustimmen! Wenn du unsere Musik anhörst, vor allem die früheren Sachen, dann klingt es, als ob wir mit den Ideen von Bach herumspielen, mit seinen zweistimmigen Inventionen zum Beispiel. Die musikalische Idee wird erweitert und ab und an eine Blue Note dazu genommen, damit es jazzy eingefärbt klingt. Quintenzirkel und alles, da ist so viel bei Bach, was sich auch im Jazz wiederfindet. Alle Zutaten sind da schon drin, er war ein früher Jazzmusiker.
jazz-fun.de:
Und heute wissen wir ja auch, dass alle großen Komponisten, egal, ob Bach Mozart oder Beethoven, große Improvisatoren waren. Erst der akademische Blick auf die Musik sagte dann, dass jede einzelne Note so gespielt werden muss wie sie steht.
Neil Cowley:
Was interessant ist: Die Tribute Band Kultur wie zum Beispiel eine Pink Floyd Tribute Band. Da gibt es eine, die Lichtnotizen des Beleuchters eines bekannten Konzerts von 1969 gefunden hat. Und sie reproduzieren das. Als Publikum bekommst du das komplette Konzerterlebnis inklusive Licht von einem bestimmten Tag aus dem Jahr 1969.
Das ist, was klassische Musik für mich momentan ist, es muss genauso klingen wie notiert, aber das finde ich viel zu ehrfürchtig der Musik gegenüber. Die schieben wir immer weiter in ein Museum. Und das passiert jetzt auch mit Musik, die gar nicht so weit zurück liegt, wie das Beispiel der Pink Floyd Cover Band zeigt.
jazz-fun.de:
Dann müssten wir Pink Floyd fragen, was sie davon halten, hier haben wir ja die Möglichkeit zu fragen, bei Bach und Mozart nicht mehr.
Neil Cowley:
Ich denke, dass das geschehen ist und die Band dachte „das war OK in der Nacht“. Aber es war ein einziger Konzertabend, wen interessiert das? Die anderen hundert Konzerte waren auch gut.
jazz-fun.de:
Du hattest in deinem Soloprogramm viel elektronisches Equipment verwendet, wieviel davon hast du in dein Trio mitgenommen und wie sehr hat es die Soundscapes im neuen Album beeinflusst?
Neil Cowley:
Als ich in Peter Gabriels Studio gegangen bin, was ein wunderbares Studio an einem Mühlenteich ist, war es Februar. Da dachte ich, dass ich etwas aus den letzten sieben Jahren mitbringen müsse, das meine Reise repräsentiert. Angefangen bei den Kompositionen, die wir schon geprobt haben. Ich habe auch ein paar PreProductions mitgebracht, die zu unserem Spiel passen, die ich schon vorbereitet hatte. Kleine Sequenzen und so. Wir gingen ins Studio und innerhalb von sechs Stunden habe ich eine Menge davon einfach fallen gelassen. Es war der Beweis, dass alles, was ich in meiner elektronischen Welt erarbeitet habe, dafür wichtig war. In einem Raum mit zwei anderen Musikern haben wir all die Audio produziert, die ich brauchte. Wir hatten das ganze Vorproduzierte Zeug nicht nötig. Wir haben nur kleine Fragmente übernommen. Ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich gedacht habe, ich müsse meine Hausaufgaben zeigen. Die Personen (Albumtitel Entity) waren sehr menschlich und sie waren im Zimmer. Die vorbereiteten Sachen waren wie Handschellen, die uns festgehalten habe, die brauchten wir nicht.
jazz-fun.de:
Im Sound gibt es ein paar Veränderungen zu einem traditionell aufgenommenen Klaviertrio. Drums und Bass sind „normal“, im Klavier höre ich ein paar Soundscapes, die anders sind.
Neil Cowley:
Ja, da verbergen sich ein paar meiner Hausaufgaben. Ethan Johns, der Ryan Adams und Kings of Leon produziert hat, hat mein Album produziert, der hat ein paar der lovely electronic things möglich gemacht, aber erst nach der Aufnahme. Das Klavier lief über Filter und Module, um diesen Sound zu erreichen. Ich fand das gut, es so herum zu machen, statt schon von Anfang an mit Elektronik zu arbeiten. Wenn du die rohen Tapes vom Beginn gehört hättest, dann hätten die akustisch sehr traditionell geklungen. Aber es war gut, ein bisschen meiner jüngeren Vergangenheit einfließen zu lassen.
jazz-fun.de:
War es anders für dich zu komponieren, nachdem du so lange alleine gearbeitet hast?
Neil Cowley:
Es war genauso effektiv wie vor sieben Jahren, als ich das Trio auf Pause gesetzt habe. Ich habe mit den beiden im Kopf komponiert, Stunden um Stunden am Klavier herumprobiert, kleine Memos aufgenommen, entschieden, welche der Ideen bleiben dürfen, viele Fußnoten zu den Soundfiles, die ich mochte, notiert. Nach ein paar Wochen bin ich dann durch den Wahnsinn gegangen, was ich mag und habe ausgearbeitet. Habe in meinem Archive gesucht, welche Teile wo waren. Drei Monate sind so ins Land gegangen, in denen ich Tag für Tag stundenlang am Klavier gesessen bin und Teile zusammen gebaut habe und mit den Stücken gelandet bin, die jetzt auf dem Album sind. 17 oder 18 Stücke hatte ich mit ins Studio genommen, elf oder zwölf sind auf dem Album gelandet. 70 oder 80 Ideen waren der Ausgangspunkt. Aber die Arbeitsweise war noch genauso wie vor meiner Solo-Zeit. Für das Solomaterial habe ich mehr am Computer gearbeitet und Schicht auf Schicht gelegt, das ist kein spontanes aufnehmen. Das Trio ist da anders, da ist es ein Take und erledigt.
jazz-fun.de:
Vielleicht kannst du mir etwas zu deinen Kompositionen „Marble“ und „Adam Alphabet“ mit all den kleinen Melodien und verrückten Breaks erzählen?
Neil Cowley:
„Marble“ ist mein kleiner Shostakovich Moment, das ist wie mit Bach, ich bin ein Shostakovich-Besessener. Ich spielte sein Klavierkonzert Nr. 2 mit Orchester, als ich elf war. Das war schwer, ich hatte einen Lehrer, der Potential in mir sah. Ich wollte nicht Pianist werden, eher etwas mit Archäologie machen, zumindest in dem Alter. Aber ich hörte immer, dass ich gut wäre und das machen müsse. Als ich 14 oder 15 war habe ich Blues und Jazz entdeckt, das hat dann richtig Spaß gemacht.
„Marble“ ist das Sowjetblock Klassik Zeug, für das ich ein Ohr habe, es ist ein kleines Kopfnicken in die Richtung. Eigentlich wollte ich das Stück nach jemandem benennen, hatte aber Sorge, dass es falsch ankommen würde und habe deshalb meine Tochter gefragt, wie sie das Stück nennen würde. Sie sagte, dass es wie viele Murmeln klingt, die einen Hügel herabrollen.
Und „Adam Alphabet“ ist eine Verbeugung vor der früheren Zeit des Trios mit dem milden Sense of Humor und einer tiefen Groove-Musik. Evan hat einen wunderbaren Steve Gadd New Orleans ähnlichen Stil am Schlagzeug, wir fühlen das alle und wollten das so machen. Es ist catchy, es ist ein kondensierter vier Minuten langer Popsong.
Ursprünglich, also das erste, was ich notiert hatte, war „Lipshits“ als Working Title. Rex und Evan sagten, dass sie einen Freund hatten, der Adam Lipshits heißt, weil sein Name aber so viele Buchstaben in seinem Nachnamen hatte, war es unmöglich. Deshalb nannten sie ihn Adam Alphabet. Das ist es, das ist der Name des Songs, für den Freund der beiden in Australien.
jazz-fun.de:
Du hast mit deiner Band ein gutes Händchen für eingängige Melodien, die eher an Popsongs erinnern, viel einfacher als klassische Jazztracks.
Neil Cowley:
Das stimmt, aber ich sehe die Band und die Kompositionen wie die alte Metapher von einem Schwan auf dem Wasser. Über dem Wasser ist alles schön, Erinnerungswert und die Leute können mitpfeifen, während unter dem Wasser das Chaos herrscht. Nix ist so einfach wie es scheint mit der Band, wir müssen uns selber beschäftigen, wir sind zynische alte Musiker inzwischen, die ziemlich komplizierte Musik verstehen, aber wir wollen darüber nicht zu offen sein. Wir brauchen etwas unter Wasser, das uns beschäftigt. Das Popformat funktioniert hier und ich mag Stücke, an die man sich gut erinnern kann. Aber du musst ja auch dein Gehirn beschäftigen, zu einfach sollte es nicht sein.
jazz-fun.de:
Für ein Klaviertrio ist das nicht normal, meistens hast du sehr komplizierte Musik mit sehr virtuosen Momenten. Eines meiner Lieblingstrios, das schwedische EST, hat das Einfache zelebriert. Schlichte Melodien, einfache Formen, wenig Noten und du kannst die Melodien noch tagelang singen.
Neil Cowley:
Ich stimme dem vollständig zu, und es wäre falsch, nicht zuzugeben, dass Esbjörn Svensson die Landschaft des Klaviertrios nicht komplett verändert hat. Ich habe ihn in den frühen 2000er Jahren zum ersten Mal gesehen und war völlig überwältigt, was man aus einem Trio herausholen kann. Das war magisch. An dem Tag, als ich erfahren musste, dass er tot ist, war ich in Rabat in Marokko auf einem Festival und hörte ich die traurige Nachricht. So viel, von dem, was er gemacht hat, ist das Fundament auch für meine Band und das was wir machen. Er war unfassbar, unglaublicher Pianist, unfassbare Band.
Esbjörn hat zu Beginn seiner Karriere ein Album gemacht, wo er etwas anderes versucht hatte. Vielleicht war er nicht davon überzeugt, dass er das Spezielle hat. In dem Moment, als er etwas anderes probiert hatte, war er „nur“ ein guter Pianist, aber nicht mehr herausragend. Aber seine Sachen – das war Magie! Ich bin ein großer Fan von ihm.
jazz-fun.de:
Du gehst im Frühjahr auf Tour, was darf das Publikum erwarten?
Neil Cowley:
Weil es eine Reunion ist nennen wir es „The Unpausing of the Pause“ und wir haben unseren ersten Comeback Gig in London am Festival. Wir planen, schon 20 Minuten vor Beginn unseres Konzerts auf der Bühne zu sein und in einer starren Pose zu bleiben.
Mal schauen, ob das jemand merkt. Es wird schon Hintergrundmusik laufen und dann werden wir ausbrechen und „Marble“ spielen. Wir spielen dann neue und alte Stücke, die Leute wollen auch die Hits hören. Wir haben einen großen Katalog, aber wir können nicht alles spielen…
jazz-fun.de:
Aber sich 20 Minuten nicht rühren ist ganz schön lange!
Neil Cowley:
Wir haben geübt, ich habe geübt, mich nicht zu kratzen. Ich bin eine itchy person, das schwierig. Es fängt sofort an zu jucken, wenn ich nix mache. Ich habe aber Hoffnung, dass es klappen wird. Wir haben unsere Probe letztens mit 20 Minuten Pause Vorlauf geübt. Dann komme ich, 30 Sekunden später kommt Rex dazu, dann wieder 30 Sekunden später Evan. Da richten sich beim Erzählen jetzt auch die Härchen in meinem Nacken auf...
In meiner Solozeit wusste ich nie genau, wohin ich gehöre, Neoklassik? Electronic? Jazz?
Trio ist einfach, das ist Jazz, du bekommst einfacher Festivalgigs. Musik ist der Main Focus. Wenn die Musik so wichtig ist, brauchst du eine gute Umgebung, und das bieten die Jazzfestivals. Wenn jeder dieselbe Musik hört, ist das etwas extrem Kraftvolles, wenn alle in derselben Energie sind. Und deshalb ist eine Band zu haben, mit der du das teilen kannst, das Schönste. Ich bin einfach ein Live-Player!
Aktuelles Album:
Neil Cowley Trio - Entity (Hide Inside Records / Bertus)
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