Olivia Trummer - Like Water
Olivia Trummer
Like Water
Erscheinungstermin: 06.06.2025
Label: Warner Music, 2025
Olivia Trummer spielt und singt solo – und berührt dabei zutiefst. Die Songs auf "Like Water" sind in einer Weise gespielt und gesungen, die gleichermaßen subtil wie intim ist. Man spürt förmlich, wie sehr Olivia Trummer es liebt, ihre Geschichten mit uns zu teilen. Entstanden ist ein musikalisches Klangmysterium, das einerseits aus poetischen, berührenden Songs besteht, andererseits aber auch als großartig gespielte und improvisierte Musik überzeugt – getragen von ihrer schönen, ausdrucksstarken Stimme. Jeder Ton ist durchdacht, jedes Wort bedeutungsvoll, und doch wirkt alles ganz natürlich, wie aus einem Guss. Ein zutiefst emotionales Album, das durch seine feine Balance zwischen Jazz, Liedkunst und Improvisation glänzt – und das man unbedingt gehört haben sollte. (Jacek Brun, 06.06.2025)
Besetzung
Olivia Trummer - piano, vocals
Zwischen Poesie und Klangmagie: Olivia Trummer mit „Like Water“
Seit einigen Jahren reifte in Olivia Trummer der Wunsch, ihre künstlerische Entwicklung auf eine der intimsten Arten künstlerischer Äußerung festzuhalten: In einem Soloalbum. Während sie sich im Frühjahr 2024 auf ein wichtiges Konzert mit Orchester vorbereitete, wurde sie von Russ Titelman kontaktiert. Der Produzent, der in seinem langen Leben schon mit Steve Winwood, George Harrison, Eric Clapton oder Rickie Lee Jones gearbeitet hat, habe ein Video von ihr auf YouTube gesehen. Er sei beeindruckt davon, was sie mache, schrieb er weiter, und fragte, ob sie sich mal unterhalten könnten. Es kam zu einem Videocall, bei dem die Chemie augenblicklich stimmte. Der berühmte Produzent stellte sich als begeisterter Musikliebhaber heraus, der stiloffen und mit großem Interesse an seiner Arbeit ist. Bald darauf wurden Musikdateien hin- und hergeschickt und in Olivia Trummer reifte der Gedanke, ihr Soloprojekt gemeinsam mit dem legendären Produzenten anzugehen.
„Letztlich habe ich ein Ticket nach New York gebucht. Am Tag nach meiner Ankunft war Russ Titelmans 80. Geburtstag. Er lud mich in die Runde seiner engen Freunde zum Abendessen ein, und alle kannten mich und meine Musik bereits. Am Tisch saßen lauter inspirierende Leute, es war ein wundervoller Einstieg. Die folgende Woche hat mir dann gezeigt, was es bedeutet, einen Produzenten zu haben. Ich hatte ja bislang nie mit einem zusammengearbeitet.“ Über Tage hinweg hörten wir gemeinsam Musik, wählten Stücke aus und feilten an Feinheiten wie Tempo und Phrasierung. Es waren kleine Änderungen und Hinweise, die einen großen Unterschied machten.
Nach dieser produktiven Woche stand fest, dass Olivia gemeinsam mit Russ Titelman in einem Studio in New York aufnehmen wollte. Einen Monat später war es so weit. Die Stimmung der Stadt, die Präsenz ihres neuen Mentors und die verinnerlichte Feinarbeit fügten sich im GB’s Juke Joint am Steinway D zu insgesamt 19 Stücken zusammen, darunter auch Standards wie „I’m Glad There Is You“, „I’m Old Fashioned“ oder „My Baby Just Cares For Me“. „Ich mag die Tradition dieser Songs. Sie wurden nicht umsonst schon oft aufgenommen, sondern weil sie über die Generationen hinweg Resonanz finden. Sie tragen eine Wahrheit in sich, die aktuell bleibt. Ich liebe gute Melodien, schöne Harmonien und die kompakte, klare Form, von der man sich auch wirkungsvoll wegbewegen und die Musik in ein neues Licht tauchen kann.“ Während der Aufnahme des Songs „Somewhere” aus der West Side Story von Leonard Bernstein kam es zu einer besonderen Begegnung: Jamie Bernstein, die Tochter des berühmten Komponisten, kam höchstpersönlich im Studio vorbei, um der Einspielung des Stücks Pate zu stehen. Olivia erinnert sich: „Nach zwei intensiven Studiotagen fühlte sich meine Stimme etwas müde an. Mit den ersten Takes von ‚Somewhere‘ war ich daher nicht zufrieden. Jamie meinte daraufhin, sie möge die Takes, denn in dem Song ginge es schließlich um Erschöpfung, darum, sich mit aller verbleibenden Hoffnung nach einer besseren Welt auszustrecken. Das hat mich inspiriert. Ich entschied mich, noch einen letzten Take aufzunehmen. Als ich danach wieder in den Mischraum kam, hatten alle Tränen in den Augen. Ich wusste: Das war der Take.
Einige der Stücke nehmen Bezug auf Werke der klassischen Klavierliteratur. „Es war mir wichtig, auf dem Album auch die Klassik miteinzubeziehen, da sie einen wichtigen Teil meiner musikalischen DNA ausmacht.“ So geht die Mondscheinsonate fließend in den Song Watching The Moon über und I’m Old-Fashioned wird von einem Bach-Präludium eingerahmt, was die Aussage des Songs in gewisser Weise unterstreicht. Die Melodie des Spirituals „Swing Low“ schwebt über den Harmonien aus Beethovens Sonate op. 109, die Olivia während ihres Klavierstudiums spielen und lieben gelernt hat. Ihre Arrangements von „You Are the Sunshine of My Life“ (Stevie Wonder) und „Get Here“ (Brenda Russell) verwandeln bekannt geglaubte Popsongs in etwas Neues, Überraschendes. Darüber hinaus singt sie zum ersten Mal auf Italienisch: Das während der Pandemie vom neapolitanischen Cantautore Joe Barbieri geschriebene „Tu, io e domani“ diente als musikalische Brücke in ihre damalige Wahlheimat Italien und hat seitdem einen festen Platz in ihrem Solorepertoire gefunden. Aus den Eigenkompositionen spricht ein gewachsenes Bewusstsein um die Vergänglichkeit. Das deutschsprachige „Wie die Zeit vergeht“ knüpft daran an und ermutigt dazu, den Fluss der Zeit nicht als Bedrohung, sondern als alles verbindende, ewige Strömung wahrzunehmen. „Strange Day” spielt mit dem Gedanken einer Welt, in der es kein Morgen gibt. „Was einerseits apokalyptisch klingt, soll andererseits eine Einladung sein, im Heute anzukommen und sich auf das zu besinnen, was wirklich wertvoll ist.“ Schließlich ist mit Like Water noch ein überaus persönliches und hingebungsvolles Lied auf dem Album gelandet, das Olivia Trummer in den Wochen vor ihrer Hochzeit komponierte. Melodisch und harmonisch komplex, wurde das Stück letztlich sogar zum Titelgeber, denn der Name schien die Idee des Soloalbums perfekt zu beschreiben. Mit größtmöglicher Transparenz soll ein hochauflösendes, authentisches Porträt einer Künstlerin gezeichnet werden, deren Musik stets im Fluss bleibt.
„Like Water“ ist Olivia Trummers elftes Album und ein Querschnitt durch ihre Kompetenzen als Pianistin: Sie spielt fein nuanciert, ist klassisch fundiert, aber ebenso kraftvoll und melodieprägnant in Gestaltung und Improvisation. Der Fokus liegt auf der Kombination von Klavier und Gesang, auf der poetisch klaren Stimme, die leuchtend im Timbre ist und die Worte umarmt. Zudem präsentiert sich Olivia Trummer als Komponistin, die sich selbstbewusst und bestärkt durch den versierten Produzenten Russ Titelman auf Augenhöhe mit den Standards der Tradition bewegt. Das Album ist damit auf seine Weise ein neuer Anfang und zugleich eine Fortsetzung: fließend wie Wasser und beständig in der Kraft, die Energie der Musik in der kleinen Form des persönlichen Lieds zu bündeln.
Titelliste
- My baby just cares for me
- Wie die Zeit vergeht
- I'm old fashioned
- Like water
- I'm glad there is you
- Watching the moon
- You are the sunshine of my life
- Swing low sweet chariot
- Tu, io e domani
- Get here
- Strange day
- Somewhere
jazz-fun`s recap:
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