Die Orange Jazz Days in Utrecht erinnerten an die Wurzeln und feierten zugleich die Zukunft des niederländischen Jazz.

Orange Jazz Days
3. - 5. Oktober 2025
Utrecht
Von Angela Ballhorn

Orange ist die Farbe der Niederlande, die Farbe des Königshauses und zu Zeiten von Fussballturnieren auch die vorherrschende Farbe in Kneipen und auf den Strassen. Orange kann auch eine Lebenseinstellung oder ein Gefühl sein. Die Orange Jazz Days Anfang Oktober in Utrecht gaben einen wunderbaren Einblick in die farbige niederländische Jazzszene.

Mehr als 2000 Besucher zählte das dreitägige Festival im Tivoli im Herzen der Stadt. Die Mischung von Eckpfeilern der holländischen Jazzgeschichte, dem ICP Orchestra, Han Bennink und Hans Dulfer über lange etablierte Bands von Yuri Honing oder Eric Vloeimans bis hin zu den jungen Wilden wie dem aktuellen Edison-Preisträger Kaspar Rietkerk war stimmig.

Ebenso toll war es, die vielen Grossbesetzungen zu hören: Nu-Art Orchestra, Paradox Jazz Orchestra oder Jazz Orchestra of the Concertgebouw sind in der Tradition verankerte Bigbands, das Nu-Art Orchestra ziemlich weiblich in der Besetzung, bei den anderen leider maximal nur eine Frau im Line-Up. Besonders schön war das Programm des Paradox Orchestras, die Kompositionen von Ruud Bos, der Filmmusik zur Efteling Serie geschrieben hatte und der in Holland familienbekannt ist.

Traumhaft war das Yuri Honing Quartet mit Wolfert Brederode am Klavier, Gulli Gudmundsson am Bass und Joost Lijbaart, mit dem Honing seit 42 Jahren befreundet ist, am Schlagzeug. Der ganz eigene Sound ist nicht nur am Saxophon und der Band, sondern auch in der Handschrift der Kompositionen zu hören.

Ebenso wunderbar war am letzten Tag die Auftragskomposition zur Farbe Orange des Trompeters Eric Vloeimans. Mit seiner Band Picobello mit Geige, Cello, Gitarre, Drums und Trompete zelebrierte er Musik über einen tropischen – natürlich orangenen - Vogel, Bernstein und Sonnenaufgänge.

Sweet Toko mit ihrer Frontfrau und Bassistin Adinda Meertins sowie die Frauenband PARRA.DICE brachten den Saal zum Tanzen, das ICP Orchestra die immer noch raue Frische der Improvisierten Musik auf die Bühne. Bassist Zack Lobers No Fill3r Band und Saxophonist Mete Erker waren weitere Highlights des Festivals.
Der Jazzfan in Utrecht muss viele Stufen erklimmen, die beiden Veranstaltungsorte Cloud Nine und Club Nine heissen so, weil sie sich auf der neunten Ebene befinden und die letzten Etagen nur über Treppen zu erreichen sind. Vermutlich sind die Utrechter Jazzfans die fittesten. Kein Wunder, dass am letzten Festivaltag so viele Marathon-Teilnehmer um das Tivoli unterwegs waren.

Die Besinnung auf die eigene starke Jazzszene ist eine tolle Festival-Idee, schliesslich waren die Niederlande mit „Jazz behind the dikes“ direkt nach dem Krieg jazzmässig sehr gut aufgestellt. Von Pim Jacobs über Willem Breuker oder Michiel Borstlap hat das relativ kleine Land etliche spektakuläre Jazzmusiker hervorgebracht. Dass mit Han Bennink und Hans Dulfer Urgesteine der Szene zu hören waren und die Bandbreite vom ICP Orchestra bis hin zum 30jährigen Saxophonisten Kaspar Rietkerk mit seiner sehr eigenen Klangsprache reichte, liess das Festival rund und orange leuchten.

Text und Fotos: Angela Ballhorn

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