Rezension des Albums "Zawinulology" von Paul Urbanek
Paul Urbanek
Zawinulology
Erscheinungstermin: 22.05.2026
Label: Lucky Mojo Records, 2026
Im Geist Zawinuls, aber ganz bei sich selbst
Über Joe Zawinul zu sprechen bedeutet fast immer, über Einfluss zu sprechen. Für manche Musiker bleibt er Inspiration, für andere eine künstlerische Grundhaltung. Paul Urbanek gehört zweifellos zur zweiten Gruppe. Zawinulology ist dabei jedoch alles andere als eine nostalgische Hommage oder stilistische Kopie – vielmehr eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit einem musikalischen Geist, der Urbaneks Schaffen seit Jahrzehnten begleitet.
Gerade darin liegt die besondere Stärke dieses Albums. Urbanek versucht nicht, Zawinuls Klangwelt oberflächlich nachzuahmen oder bekannte Formeln zu reproduzieren. Stattdessen interessiert ihn das, was hinter dieser Musik steht: die Neugier, die Offenheit, der Mut zur Form und die Fähigkeit, Improvisation in etwas Organisches zu verwandeln.
Die Entscheidung, dieses Projekt weitgehend solo umzusetzen, erweist sich dabei als großer Vorteil. Ohne dichtes Ensemble kann Urbanek jede Nuance seiner musikalischen Vorstellungen präzise entfalten. Die Musik gewinnt dadurch eine bemerkenswerte Klarheit und Konzentration. Jeder Klang wirkt bewusst gesetzt, jede harmonische Bewegung sorgfältig durchdacht.
Besonders faszinierend bleibt die Verbindung aus melodischer Stärke, klanglicher Raffinesse und improvisatorischer Freiheit. Alle Stücke beruhen auf sorgfältig entwickelten Kompositionen, gleichzeitig bleibt stets eine offene Spur für spontane Entwicklungen hörbar. Elektronische Elemente verschmelzen organisch mit real eingespielten Percussion- und Drum-Parts, wodurch ein vielschichtiges, lebendiges Klangbild entsteht.
Doch Zawinulology funktioniert gerade deshalb so gut, weil es nie zur stilistischen Übung wird. Diese Musik lebt ihr eigenes Leben. Sie trägt Einflüsse in sich, ohne sich von ihnen begrenzen zu lassen. Urbaneks große Kreativität an den Tasten, seine musikalische Sensibilität und sein Gespür für starke melodische Linien verleihen dem Album eine eigenständige Identität.
Wer Zawinuls musikalisches Denken liebt, wird hier viele feine Spuren entdecken – wer offen für eigenständige Klangwelten ist, ohnehin.
Zawinulology ist ein kreatives, kluges und überraschend persönliches Album – voller Ideen, Atmosphäre und musikalischer Reife.
Ein Werk, das man unbedingt hören sollte.
(Jacek Brun, 24.05.2026)
Besetzung
Iva Bittova - Voice, Violin (Track Nr 8)
Patrice Heral - Parts of live Drumtrack and effected Voicetrack (Track Nr 9)
Paul Urbanek - Keyboards
Wolfgang Puschnig - Field Recording of an unknown street singer (Track Nr 9)
Wolfgang Puschnig - Sampled short flute and voice-phrases
Titelliste
- Zawinulology
- Ancient Tech
- Unfolding
- When They Get It They Got It
- Footsteps In The Temple
- You Can Listen To It When I'm Gone
- Cold Fact
- Interrupted Meditation
- Unexpected Beauty
- Bebop Leftovers
- Ghost
- God's Waiting Room
- Second Kharma
- Unwanted Encore
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