Rezension des Jazz-Albums "Thousand Shades Of A Clown" von Pierre-Antoine Savoyat & Le Monde Merveilleux de Pépito
Pierre-Antoine Savoyat & Le Monde Merveilleux de Pépito
Thousand Shades Of A Clown
Erscheinungstermin: 23.01.2026
Label: Challenge Records, 2025
Savoyats poetisches Trompetenalbum
Es gibt Alben, die von der ersten Minute an zeigen, dass hier jemand nicht einfach nur Stücke aneinanderreiht, sondern eine innere Dramaturgie verfolgt. Thousand Shades Of A Clown gehört genau in diese Kategorie.
Der französische Trompeter und Komponist Pierre-Antoine Savoyat schafft hier einen Klangraum, der von Sensibilität und kluger Zurückhaltung lebt. Er versteht es, mit Raum zu arbeiten – mit Stille, mit atmenden Phrasen, mit feinen dynamischen Abstufungen. Nichts wirkt überladen, nichts forciert. Stattdessen entsteht eine Musik, die sich organisch entfaltet und ihre Farben nach und nach offenbart.
Savoyats Trompetenton ist charismatisch, aber nie selbstverliebt. Er erzählt – und lässt erzählen. Seine Kompositionen sind durchdacht, reif, voller subtiler Wendungen. Man spürt eine künstlerische Erudition, die nicht akademisch daherkommt, sondern emotional durchdrungen ist. Die Stücke wirken wie kleine, meisterhaft gezeichnete Erzählungen: manchmal poetisch, manchmal verspielt, manchmal nachdenklich.
Besonders stark ist die Offenheit dieses Projekts. Die beteiligten Musikerinnen und Musiker bekommen Raum – echten Raum.
Alexandra Grimal bringt mit ihrem majestätischen Saxofonklang eine tiefe, beinahe kontemplative Dimension ein. Lúcia Pires setzt mit ihrer leichten, mutigen Flöte feine, luftige Akzente. Und Lynn Cassiers öffnet mit ihrer unverwechselbaren Stimme einen ganz eigenen, fast schwebenden Kosmos.
So entsteht eine pluralistische Form: unterschiedliche Biografien, Stile, Klangfarben und ästhetische Perspektiven treten in einen Dialog, ohne dass die gemeinsame Erzählung jemals zerfällt. Das Album bleibt geschlossen, kohärent, wie ein Roman mit vielen Stimmen – aber einer klaren inneren Linie.
Thousand Shades Of A Clown ist kein lautes Statement. Es ist ein Album der Nuancen, der Zwischentöne, der feinen Ironie im Titel und der ernsthaften musikalischen Tiefe dahinter.
Ein Werk, das man nicht nebenbei hört – sondern dem man Zeit schenkt. Und das genau das auch verdient.
(Jacek Brun, 13.02.2026)
Besetzung
Le Monde Merveilleux de Pépito:
Pierre-Antoine Savoyat - Trumpet
Simon Groppe - Piano
Fil Caporali - Double bass
Oscar Georges - Drums
Guests:
Lynn Cassiers - Vocals
Lucia Pires - Flute
Alexandra Grimal - Saxophone
Titelliste
- My sorrow
- Sorry
- Keeping the hope
- Silent cry
- Life race
- Solitude
- Can we start to love? Bastards!
- Interlude with new friends
- Epic short story
- In good company
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