Rezension des Jazz-Albums "Patterns from Nature" von Quinsin Nachoff
Quinsin Nachoff
Patterns from Nature
Erscheinungstermin: 27.02.2026
Label: Whirlwind Recordings, 2025
Strukturen im Fluss – Quinsin Nachoffs Klangwelt auf „Patterns from Nature“
Der in Brooklyn lebende Saxofonist und Komponist Quinsin Nachoff verfolgt mit Patterns from Nature einen Ansatz, der weit über ein klassisches Albumformat hinausgeht. Das Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Komposition, Improvisation und wissenschaftlicher Reflexion und entsteht in Zusammenarbeit mit dem Physiker Stephen Morris sowie mehreren Filmschaffenden. Musik und Bild werden dabei als miteinander verbundene Systeme gedacht – als Prozesse, die sich entwickeln, überlagern und gegenseitig beeinflussen.
Das rund 45-minütige Werk ist für Kammerorchester und improvisierende Solisten konzipiert. Die Kompositionen folgen keiner linearen Dramaturgie, sondern entfalten sich in zirkulären Bewegungen. Auskomponierte Passagen gehen fließend in offene Improvisationen über, dichte Strukturen lösen sich in weite, fragile Klangräume auf. Diese Übergänge sind nicht als Kontraste angelegt, sondern als kontinuierliche Transformation.
Nachoff interessiert sich dabei für die Frage, wie Ordnung entsteht – in der Natur ebenso wie in der Musik. Die einzelnen Abschnitte wirken wie miteinander verbundene Module, die sich ständig neu organisieren. Wiederkehrende Motive verändern ihre Gestalt, rhythmische und harmonische Strukturen verschieben sich, ohne ihre innere Logik zu verlieren.
Die Musik verlangt Aufmerksamkeit. Sie erschließt sich nicht sofort, sondern entwickelt ihre Wirkung im konzentrierten Hören. Gerade die Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen – ihre Übergänge, Spiegelungen und Variationen – sind entscheidend für das Verständnis des Gesamtwerks.
Dabei entsteht eine fast filmische Qualität: Die Klangverläufe lassen Bilder entstehen, ohne sie festzulegen. Der Hörer bewegt sich durch eine Abfolge von Szenen, die eher angedeutet als erzählt werden. Diese Offenheit macht einen wesentlichen Reiz des Albums aus.
Patterns from Nature ist kein leicht zugängliches Werk, aber ein konsequent durchdachtes und künstlerisch ambitioniertes Projekt. Es zeigt Quinsin Nachoff als Komponisten, der komplexe Ideen in eine eigenständige musikalische Form übersetzt – und dabei neue Perspektiven auf das Verhältnis von Struktur, Improvisation und Wahrnehmung eröffnet.
(Jacek Brun, 28.03.2026)
Besetzung
Quinsin Nachoff – tenor saxophone, composer
JC Sanford – conductor
Roberta Michel – flute, piccolo, alto flute, bass flute
François Houle – clarinet
Sara Schoenbeck – bassoon
Tony Kadleck – trumpet
John Clark – french horn
Ryan Keberle – trombone
Aaron Edgcomb – percussion
Gene Hardy – musical saw (Patterns from Nature: II. Branches)
Matt Mitchell – piano
Carlo De Rosa – bass
Satoshi Takeishi – percussion (Patterns from Nature)
Molinari String Quartet (Quatuor Molinari):
Olga Ranzenhofer – violin I
Antoine Bareil – violin II
Frédéric Lambert – viola
Pierre-Alain Bouvrette – cello
Titelliste
- Patterns from Nature: I. Branches
- Patterns from Nature: II. Flow
- Patterns from Nature: III. Cracks
- Patterns from Nature: IV. Ripples
- Winding Tessellations: I. Winding Paths
- Winding Tessellations: II. Convergence
- Winding Tessellations: III. Tessellations
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben