Lorenz Hargassner im Interview mit jazz-fun, geführt von Sarah Seidel.

Ein Jazz-Abend im mare-Künstlerhaus

Hamburg, 11.12.2024, mare-Künstlerhaus, Wentorf
Ein Bericht von Sarah Seidel

Kurz vor Konzertbeginn …
Das mare-Künstlerhaus in Wentorf bei Hamburg, kurz vor 19 Uhr. Draußen ist es schon lange dunkel und nieselig-kalt, drinnen wärmt das Feuer im Kamin den weiß gestrichenen, hell erleuchteten Raum, in dem der hauseigene Steinway-Konzertflügel steht. Die Küche liegt, abgetrennt durch eine Schiebetür mit Glasscheibe gleich dahinter, sie wird an diesem Abend ausnahmsweise als Studio genutzt. Ein dickes, schwarzummanteltes Starkstromkabel führt unter dem mikrofonierten Flügel entlang direkt zur Küche. Auf dem langen, hölzernen Küchentisch stehen ein Computer und ein Mischpult, daneben liegen Kopfhörer. Johann Weiss hat in den vergangenen Tagen im Mare-Künstlerhaus Aufnahmen gemacht, er wird auch die Live-Situation vor Publikum einfangen. Weiss gehört als Gitarrist nicht nur zum Quartett »Pure Desmond«, er ist viel mehr als das. Als Toningenieur zählt er zum »Team« des Altsaxofonisten Lorenz Hargassner, der gleich zum Konzert ansetzen wird. Nikolaus Gelpke, der Gründer des mareverlags, hat diesen Abend zusammen mit dem Saxofonisten geplant. Gelpke ist Förderer der künstlerischen Prozesse im mare-Künstlerhaus, den Proben-Aufenthalt der beiden Musiker und die Aufnahmen, die später als Album erscheinen sollen, hat er ermöglicht. Um die 40 Stühle sind um den Flügel herum aufgestellt – wenn alle angemeldeten Gäste kommen, ist der Raum sehr gut gefüllt.

Es kommt anders …
Das Duo-Konzert, das gleich beginnt, gestaltet sich anders als gedacht. Lorenz Hargassners Duo-Partner Josef Reßle ist zwar aus München angereist, hat auch mit ihm zusammen geprobt, ist aber krank geworden und fällt nun kurzfristig aus. Am Konzerttag trifft Hargassner eine Entscheidung. Wenn Reßle, mit dem er hier eigentlich ein neues Album aufnehmen wollte, ausfällt, dann müssen Besetzung und Programm eben verändert werden. Er fragt kurzentschlossen seine Frau, die Pianistin Anja Mohr, ob sie sich vorstellen könnte, für den erkrankten Reßle einzuspringen und ihn im ersten Set zu begleiten. Sie haben schließlich ein Repertoire, das sie hier gemeinsam aufführen können. Anja Mohr sagt spontan zu und spielt mit Lorenz Hargassner zusammen mehrere Standards und eigene Stücke. Ein warmes, ruhiges Tête-à-Tête der beiden, das völlig vergessen lässt, wie das Konzert ursprünglich einmal geplant war. Nach Pause und Umtrunk in der Küche, die erfüllt ist vom Geruch des Kaminholzes und vom Duft ofenfrischer Salzbrezeln, beginnt Lorenz Hargassner sein Solo-Set. Dabei wechselt er auf seinem Altsaxofon zwischen Jazz- und Klassik-Repertoire hin und her. Bluesgefärbt und intervallreich spielt er Klassiker wie Hoagy Carmichaels »Stardust« und Kompositionen von Johann Sebastian Bach, setzt sie in Verbindung zueinander, lässt sie miteinander korrespondieren. Sein eleganter Sound erfüllt auch die beeindruckende Bibliothek und den Flur des weitläufigen Hauses. Gegen Ende des Konzerts setzt sich noch einmal Anja Mohr an den Flügel und spielt Gospelakkorde, in die Hargassner mit einstimmt. Die beiden haben sich freigespielt und entlassen die Zuhörer schließlich mit Blues, Groove und viel positiver Energie in die winterlich-kalte Nacht.

Sarah Seidel hat Lorenz Hargassner vor dem Konzert für Jazz-Fun.de interviewt.

Text: Sarah Seidel

Produziert durch jazz-fun.de

Redaktion:
Sarah Seidel
Jacek Brun

Moderation:
Sarah Seidel

Videoproduktion:
Erik Brun/jazz-fun.de

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Kommentar von Steinhardt |

Schade, dass ich nicht beim Lorenz Hargassner Konzert dabei sein konnte.
Aber der Bericht von Sarah Seidel, die ich sehr schätze, war wieder großartig,
F.St.

Bitte addieren Sie 3 und 7.