Rezension des Albums "Scott Hamilton" von In The Still Of The Night
Scott Hamilton
In The Still Of The Night
Erscheinungstermin: 08.05.2026
Label: GLM, 2025
Ein Meister des Tenorsaxophons erzählt weiter
Mit In The Still Of The Night beweist Scott Hamilton einmal mehr, weshalb er seit Jahrzehnten als eine der prägenden Stimmen des Mainstream-Jazz gilt. Kaum ein Tenorsaxophonist vermag es, mit wenigen Tönen eine solche Atmosphäre von Ruhe, Wärme und Zeitlosigkeit entstehen zu lassen.
Hamilton gehört zu jener selten gewordenen Generation von Musikern, deren Spiel nie laut um Aufmerksamkeit bittet und dennoch unmittelbar berührt. Sein charakteristischer Ton – weich, rund und von großer melodischer Klarheit – scheint auch auf diesem Album die Zeit für einen Moment anzuhalten.
Mit In The Still Of The Night setzt Hamilton seine mittlerweile über fünf Jahrzehnte währende Karriere eindrucksvoll fort und feiert zugleich sein Debüt bei GLM/Fine Music. Dabei bleibt er seiner besonderen Stärke treu: dem Wiederentdecken vergessener Schätze der Jazzgeschichte und ihrer behutsamen Überführung in die Gegenwart.
Besonders reizvoll ist die Klangarchitektur des Quintetts. Die Verbindung von Tenorsaxophon und Vibraphon verleiht der Musik eine warme, schimmernde Qualität, die sich durch das gesamte Album zieht. Gerade diese Kombination sorgt für eine intime, fast nächtliche Atmosphäre, die dem Titel des Albums auf besondere Weise entspricht.
Man hört in jedem Stück das gewachsene Vertrauen der Musiker untereinander. Die feinen Abstimmungen, die gemeinsamen Phrasierungen und das natürliche Fließen der Improvisationen zeugen von einer musikalischen Freundschaft, die über Jahre gewachsen ist. Nichts wirkt forciert – alles scheint sich organisch zu entfalten. Die Soli bleiben stets geschmackvoll und erzählerisch. Hamilton glänzt nicht durch Virtuosität um ihrer selbst willen, sondern durch eine Kunst des Weglassens. Jede Phrase sitzt, jede melodische Wendung wirkt durchdacht und zugleich vollkommen natürlich.
Auch der Vibraphonist Tizian Jost setzt wichtige Akzente und erweitert das Klangbild um schwebende Farben und harmonische Tiefe. Gemeinsam entsteht ein Quintett-Sound, der Eleganz und Wärme ausstrahlt.
In The Still Of The Night ist kein Album der großen Gesten. Es lebt von Nuancen, musikalischer Reife und einem tiefen Verständnis für das Wesen des Jazz.
Ein wunderbares Album voller Intimität, musikalischer Klasse und zeitloser Schönheit – gespielt von Musikern, die nichts mehr beweisen müssen und gerade deshalb so überzeugend klingen.
(Jacek Brun, 12.05.2026)
Besetzung
Scott Hamilton - Tenorsaxophon
Tizian Jost - Vibraphone
Bernhard Pichl - Piano
Rudi Engel - Kontrabass
Michael Keul - Schlagzeug
Titelliste
- The Prophet Speaks
- Django
- Time On My Hands
- The World Awakes
- Angel Face
- In The Still Of The Night
- Soul Eyes
- Why Don't I
- If There Is Someone Lovelier Than You
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