Sharon Mansur - Trigger
Sharon Mansur
Trigger
Erscheinungstermin: 27.06.2025
Label: ACT, 2025
In den vergangenen Monaten sind zahlreiche bemerkenswerte Alben im klassischen Klaviertrio-Format erschienen – doch „Trigger“, das Debütalbum des Trios um Sharon Mansur, gehört fraglos zu den spannendsten Neuerscheinungen dieser Art. Diese Musik pulsiert vor Energie, ist klug konzipiert und lässt den Musiker*innen gleichzeitig ausreichend Raum zur individuellen Entfaltung. Die Stücke sind ideenreich arrangiert, mit rhythmischer Raffinesse und viel gestalterischer Freiheit, die von der gesamten Band mit höchster Präsenz und Musikalität genutzt wird. Sharon Mansur überzeugt nicht nur mit beeindruckender Virtuosität, sondern auch mit einem ausgeprägten Sinn für Dramaturgie und musikalische Tiefe. David Michaeli (Bass) und David Sirkis (Schlagzeug) bilden nicht nur ein stabiles rhythmisches Fundament, sondern prägen mit ihrem sensiblen Zusammenspiel auch maßgeblich den charakteristischen Sound des Trios. Ihre Energie ist nicht zu überhören – sie treibt die Musik auf ein außergewöhnlich hohes Niveau. Ein überaus starkes Debüt, das aufhorchen lässt – an diesem Trio kommt man nicht vorbei. (Jacek Brun, 03.07.2025)
Besetzung
Sharon Mansur - Piano & Synth
David Michaeli - Bass
David Sirkis - Drums
Sharon Mansur – „Trigger“: Kraftvoller Einstand voller Energie und Ideen
Jazz, orientalische Musik, Metal, Electronica, Klassik: Das ACT-Debüt „Trigger“ von Sharon Mansur ist der Punkt, an dem die vielen unterschiedlichen Pfade zusammenlaufen, die die israelische Pianistin und Keyboarderin seit ihrer Kindheit beschritten hat. Ihre tief empfundenen musikalischen Geschichten eröffnen aus sehr persönlicher Perspektive einen hoffnungsvollen Blick auf eine Welt voller Spannungen und Widersprüche.
„Meine erste prägende Berührung mit Musik war der Soundtrack zu Disneys ‚König der Löwen‘, als ich fünf Jahre alt war“, erinnert sich Sharon Mansur. „Es gab einige orchestrale Passagen, die sich so anfühlten, als würde mein Herz explodieren.“ Dieses Erlebnis hat nachgewirkt. Sharon Mansur begann eine klassische Klavierausbildung, vertiefte sich in die Werke von Chopin und Rachmaninow, entwickelte aber auch eine Liebe zu großen Orchesterwerken. Neben klassischer Musik hörte sie eine Menge Metal, Psychedelic und Progressive Rock und spielte Keyboards in einer Symphonic-Metal-Band – große, intensive, laute Musik mit einer klassischen Opernsängerin als Frontfrau. Später entdeckte sie in Funk- und Blues-Bands die Faszination für Improvisation und begann schließlich ein Studium an der Jerusalem Academy of Music and Dance. „Am Anfang passte ich dort nicht gut rein“, erinnert sich Sharon Mansur. „Ich wusste nichts über Jazz, und die leichte, filigrane Art zu spielen passte nicht zu der mir vertrauten Rohheit und dem Drama in Rock und Klassik. Doch was ich am Jazz sofort liebte, war die Freiheit und Verspieltheit und die Möglichkeit, seine ganz eigene Stimme zu finden.“
Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ein Konzert der Fakultät für Arabische Musik der Akademie. „Diese Musik hat sich sofort vertraut angefühlt“, erinnert sich Sharon Mansur. „Mein Vater stammt aus dem Irak, daher erinnerten mich die Melodien an meine Kindheit. Und auch die typischen ungeraden Metren fühlten sich durch meinen Hintergrund im Progressive Rock sehr natürlich an.“ Die Selbstverständlichkeit, mit der Sharon Mansur sich den verschiedensten musikalischen Einflüssen nähert, zeigt viele Parallelen zur Musik ihres Heimatlandes: „Es gibt keine explizit traditionelle israelische Musik. Weil das Land so jung ist, ist israelische Musik immer eine Mischung verschiedener Einflüsse – aus Europa, dem Nahen Osten, dem Mittelmeerraum und Nordafrika.“
Diese Mischung verschiedenster Traditionen prägt auch Israels heutige Pop- und Indie-Szene, in der sich Sharon Mansur schnell einen Namen macht. So spielte sie mit Rock-, Pop- und Crossover-Acts wie „Orphaned Land“, dem Duo „Yossi Fine & Ben Aylon“ oder dem „Jerusalem Orchestra East and West“ zusammen und erlernte dabei, die charakteristischen Viertelton-Melodien der arabischen und mittelöstlichen Musik auf ein elektrisches Keyboard zu übertragen. Unter ihrem Spitznamen „Shasha“ produziert Sharon Mansur zudem elektronische Musik und tritt in Clubs und auf EDM-Festivals auf. Sie erklärt: „Auch an arabische und elektronische Musik habe ich mich sehr intuitiv und spielerisch angenähert. Das wiederum passt zu meiner Vorstellung von Jazz, nämlich zuzuhören, zu improvisieren und seinen Instinkten zu folgen. Ich glaube, dass auch die Pioniere des Jazz wie Louis Armstrong ihren Stil so entwickelt haben – sie lernten die Musik auf der Straße, einfach durch Zuhören und Improvisieren.“
Auf ihrem ACT-Debüt „Trigger“ vereint Sharon Mansur gemeinsam mit dem Kontrabassisten David Michaeli von Israels Jazz-Export-Erfolg „Shalosh“ und dem Schlagzeuger und Wahl-New-Yorker David Sirkis all ihre musikalischen Einflüsse zu einem farbenreichen, verblüffend stimmigen großen Ganzen. Kraftvolle Rhythmen und Melodien, die an Sharon Mansurs Metal- und Klassik-Background erinnern, wie im Opener „Outside In“, stehen neben cineastisch-spärischen Stücken wie „If I Can“. Viertelton-Linien, wie im Keyboard-Solo von „Big Dreams In Kadikoy“, wechseln sich ab mit Piano-Eruptionen, wie auf dem Titelstück „Trigger“. Die mittelöstliche, ungerade Rhythmik zieht sich durch das gesamte Album – es gibt kein einziges Stück im 4/4-Takt.
All den so unterschiedlichen Elementen dieser Musik merkt man an, dass ihre Schöpferin sie tief durchdrungen hat. Es ist diese Mischung aus Vielfalt und Tiefe, die die Musik des Albums so besonders macht. Und es sind Sharon Mansurs persönliche, emotionale Geschichten, mit denen die Musik aufgeladen ist. Sie sagt: „Viele der Stücke handeln von Verlust und Trennung, davon, wie man daran wachsen und selbst in den dunkelsten Dingen etwas Gutes und Schönes finden kann. ‚Change Your Narrative‘ ist ein gutes Beispiel dafür. Das Stück erzählt davon, wie man Dinge durch eine veränderte Sichtweise beeinflussen kann. Ich habe zum Beispiel große Angst vor dem Fliegen, besonders, wenn das Flugzeug bei Turbulenzen wackelt. Um diese Angst zu bekämpfen, versuche ich, meine Sichtweise zu ändern: Statt ‚Ich habe solche Angst‘ sage ich mir: ‚Hey, das macht Spaß, wir fahren Achterbahn!‘“
Sharons Mansurs Musik offenbart einen hoffnungsvollen Blick auf die Welt. Er sagt: „Musik zeigt, dass wir zusammenarbeiten können, dass wir dieselben Emotionen teilen, auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Musik ist die Sprache des Herzens, die Sprache der Natur. Ich hoffe, dass ich durch Musik die Welt um mich herum ein kleines bisschen positiv beeinflussen kann. In dieser Hinsicht bin ich sehr bescheiden, denn ich weiß, dass ich nichts weiß. Ich tue nur das, was ich am besten kann. Wenn ich Menschen aus verschiedenen Kulturen an einem Ort zum Lachen und Weinen bringen kann, dann bedeutet mir das alles.“
Titelliste
- Outside In
- Tunnel Maze
- If I Can
- February
- Trigger
- Change Your Narrative
- Big Dreams in Kadikoy
- From the OV
jazz-fun`s recap:
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Kommentar von ulzman |
Welchen Synthesizer, der auf dem Flügel liegt, spielt die Pianistin Sharon Mansur ?