Rezension des Albums "Ceiba" von Simon Moullier

Simon Moullier - Ceiba - Album cover
Simon Moullier - Ceiba

Simon Moullier
Ceiba

Erscheinungstermin: 24.04.2026
Label: Simon Moullier music (BMI)

Simon Moullier - Ceiba - bei bandcamp kaufen

Geerdet und ehrlich: das neue Album des Vibrafon-Superstars

jazz-fun`s recap:

Er sei unangefochten der neue Star des Jazz-Vibrafons, war im „Downbeat“ über Simon Moullier zu lesen, sein Spiel „nicht von dieser Welt“. Auch an hohem, ja höchstem Lob von Musikerseite mangelt es nicht: Moulliers Musik sei frisch und spreche alle an, meinte Herbie Hancock, um dann hinzuzufügen, er habe noch nie jemanden so Vibrafon spielen gehört wie ihn. Quincy Jones’ Urteil war ebenso unmissverständlich: Simon Moullier sei der beste Vibrafonspieler, den er je gehört habe …

Nun ist an guten, ja sehr guten Vibrafonspielern in der Jazzszene seit Gary Burton und Dave Pike oder vor ihnen schon Lionel Hampton, Milt Jackson und Bobby Hutcherson ja kein Mangel – auch in der aktuellen Szene liegen die Namen etwa von Patricia Brennan, Tim Collins, Christopher Dell, Evi Filippou, Jim Hart, Joel Ross und vielen anderen schnell auf der Hand. Da reagiert man auch bei höchstem Lob von berufener Seite erst mal skeptisch: Kann es sein, dass die Trauben bei Simon Moullier wirklich so hoch im Himmel hängen?

Nun ja. Der 1994 im französischen Nantes geborene Musiker, der seit seinem 17. Lebensjahr dieses Instrument spielt und am renommierten Berklee College of Music in den USA studiert hat, ist ein sehr guter, ja technisch herausragender Vibrafonist. Warum er der beste an den aufeinander abgestimmten Metallplatten sein sollte – so man Musik überhaupt in solch sportiven Kategorien bemessen möchte –, sei mal dahin gestellt. Sein aktuelles Album, Ceiba, ist das sechste als Bandleader seit seinem Debüt im Jahr 2020 und das dritte mit seinem Quartett, zu dem neben ihm selbst Lex Korten am Klavier, Rick Rosato am Bass und Jongkuk Kim am Schlagzeug gehören. Dass die Vier auch viel live unterwegs sind, hört man dem Album durchaus an. Es solle, so lässt Moullier verlauten, „ehrlich und geerdet“ wirken, vom gemeinsamen Live-Spiel der Gruppe geprägt. Auch das kann man nur bestätigen. Weniger Begeisterung stellt sich ein, wenn man auf Simon Moullier als Komponist, Arrangeur und Produzent blickt: Alle elf Stücke des fast eine Stunde langen Albums sind von ihm. Sie als reines Showcase seiner unbestreitbaren instrumentalen Fähigkeiten zu bezeichnen, wäre übertrieben, aber über die gesamte Länge des Albums klingt vieles gleichförmig, mithin: erwartbar. Höhepunkte sind das mit einer markanten Basslinie eingeleitete „Fuji“, das spannend aufgebaute, verführerisch melodische „Iron Giant“, „Balao“ mit Gastpercussionist Keita Ogawa, und der energisch vorantreibende „Low Blues“. Anderes wie „Ancient Ones“ plätschert etwas dahin. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

(Robert Fischer, 24.04.2026)

Besetzung

Simon Moullier – vibraphone
Lex Korten – piano
Rick Rosato – bass
Jongkuk Kim – drums
Keita Ogawa – percussion (on Fuji and Baião)

Titelliste

  1. Ceiba
  2. Fuji (feat. Keita Ogawa)
  3. Iron Giant
  4. Lotus pt.2
  5. Baião (feat. Keita Ogawa)
  6. Low Blues
  7. Ancient Ones
  8. Intro
  9. Voices of the Wind
  10. Mr. Hutcherson
  11. Apollo

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 3 und 5.