Rezension des Albums "Leave That In There" von Sullivan Fortner

Sullivan Fortner - Leave That In There - Album cover
Sullivan Fortner - Leave That In There

Sullivan Fortner
Leave That In There

Erscheinungstermin: 28.08.2026
Label: Artwork Records, 2026

Sullivan Fortner - Leave That In There - bei JPC kaufen

Erinnerungen, die nach Zukunft schmecken

jazz-fun`s recap:

Sullivan Fortner ist einer dieser Künstler, an denen man einfach nicht vorbeikommt. Ist er einer der besten Jazzpianisten unserer Zeit? Ganz sicher. Es ist beinahe unmöglich, seinen Namen nicht zu kennen oder seiner Musik zu begegnen, ohne stehen zu bleiben und etwas genauer hinzuhören.

Auf sein neues Album zu warten, ist ein bisschen so, als würde man schon lange vor der Öffnung vor der besten Patisserie Schlange stehen. Man kann es einfach kaum erwarten zu kosten, was als Nächstes kommt! Und wo wir gerade von Patisserien sprechen: Auch dieses Album wurde wieder beim Pariser Label Artwork Records gebacken.

Und gerade wenn man sich fragt, womit Fortner uns überhaupt noch überraschen könnte, tut er es wieder: neue Geschmacksrichtungen, unerwartete Kompositionen, neu gedachte Ideen und Geschichten, die wir am liebsten sofort in unser eigenes Leben übernehmen möchten.

Der GRAMMY-prämierte Fortner präsentiert gemeinsam mit seinem eingespielten Trio – Bassist Tyrone Allen II und Schlagzeuger Kayvon Gordon – unter dem Titel Leave That In There zwölf eigene Kompositionen.

Es ist ein Album voller Kindheitserinnerungen, persönlicher Geschichten, historischer Landschaften und musikalischer Traditionen der Schwarzen Diaspora. Fortner, der in New Orleans aufgewachsen ist, erzählt in den Liner Notes von einer besonders lebendigen Kindheitserinnerung:

„Jeder weiß, was Zuckerrohr ist. Meine Großmutter kam immer mit Zuckerrohrstangen vorbei. Man schnitt sie auf, wir saßen da, aßen davon und spuckten die Reste auf den Boden. So habe ich als Kind gelernt zu fegen.“

Diese Erinnerungen werden in Klang übersetzt und mit Hammond-B3-Orgel, Synthesizern, Marimba und Bàtá-Trommeln gewürzt. So führt uns die Musik zurück in die Landschaften und die Musikgeschichte Louisianas.

Nach „Que Diablos“, der nachdenklichen ersten Single des Albums, präsentiert Fortner „Number 3“, einen Walzer, der ursprünglich vom Schlagzeuger Lawrence Williams komponiert und durch den Trompeter Marcus Belgrave bekannt wurde. Mit seiner Neuinterpretation würdigt Fortner einen seiner Mentoren aus seiner Studienzeit am Oberlin College.

Einmal mehr zieht uns Fortner mit der besonderen Chemie seines Trios, seinem zeitgenössischen Geist und einer Art der Improvisation in seinen Bann, die unverkennbar seine eigene ist.

Es ist wie ein Stück Kuchen nach einem hausgemachten Rezept – vertraut genug, um Erinnerungen zurückzubringen, überraschend genug, um sich zu fragen, was da eigentlich alles hineingekommen ist, und so gut, dass ein einziges Stück niemals reichen wird.

(Izabela Olejniczak, 28.08.2026)

Besetzung

Sullivan Fortner - Steinway D Piano, Vocals
Tyrone Allen II - Double Bass, Moog Sub 37
Kayvon Gordon - Drums, Percussions

Titelliste

  1. Sugarcane
  2. Que Diablos
  3. A Poignant Time
  4. Aerobatics Pt. 1
  5. Aerobatics Pt. 2
  6. Sorcerer’s Stick
  7. Swirl
  8. T295
  9. Number 3
  10. 12 Gallons
  11. Aria II
  12. A Hymn for Linda
  13. Another Poignant Time

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 2 plus 6.