Rezension des Jazz-Albums "Dark Horse" von Susanne Alt
Susanne Alt
Dark Horse
Erscheinungstermin: 30.01.2026
Label: Venus Tunes, 2025
Zwischen New York und Amsterdam
Die in Amsterdam lebende Saxophonistin Susanne Alt veröffentlicht mit Dark Horse ihr siebtes Studioalbum – aufgenommen während jener inspirierenden Sessions in New York, aus denen bereits Royalty For Real (2024) hervorging. Das neue Werk versteht sich als eigenständiges, aber eng verbundenes Gegenstück: eine Sammlung groove-basierter Kompositionen, eingefangen in einem durchgehenden Spannungsbogen.
Im Zentrum steht eine hochkarätige Rhythmusgruppe: Keyboarder James Hurt, stilistisch zwischen Jazz, Mainstream und Hip-Hop/Elektronik zuhause; Bassist Gerald Cannon, langjähriges Mitglied im Ensemble von Elvin Jones und früherer musikalischer Leiter von McCoy Tyner; sowie Schlagzeuger Willie Jones III, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Milt Jackson und Arturo Sandoval.
Die siebenjährige gemeinsame Arbeit von Cannon und Jones III in Roy Hargroves Band prägt den Sound der Sessions spürbar: Der Groove wirkt organisch, intuitiv, tief verwurzelt.
Konzeptionell kreist das Album um die Idee des „Dark Horse“ – jener unerwarteten, zunächst unterschätzten Kraft, die am Ende den Verlauf verändert. Alt überträgt dieses Bild auf künstlerische Prozesse: Offenheit und Beharrlichkeit werden zu Motoren kreativer Entwicklung. Unsicherheit erscheint hier nicht als Hindernis, sondern als produktiver Impuls.
Musikalisch bewegt sich Dark Horse im Spannungsfeld des jazzigen Mainstreams, greift jedoch zugleich zeitgenössische kompositorische und arrangierte Elemente auf. Die Stücke sind klar strukturiert, rhythmisch pointiert und von einer souveränen melodischen Handschrift geprägt.
Susanne Alt präsentiert sich erneut als versierte Instrumentalistin mit kraftvollem, zugleich kontrolliertem Ton. Ihr Spiel verbindet Energie mit Präzision; Improvisationen entwickeln sich logisch, ohne an Spontaneität zu verlieren.
Das Album fügt sich nahtlos in die europäische Jazztradition ein und bleibt dennoch klar transatlantisch geprägt. Dark Horse wirkt fokussiert, rhythmisch geerdet und zugleich offen für zeitgenössische Impulse – ein Statement, das Substanz und Reife ausstrahlt.
(Jacek Brun, 14.02.2026)
Besetzung
Susanne Alt - Alto, Tenor and Soprano Saxophones, Flute, Percussion
James Hurt - Fender Rhodes, Piano, Clavinet, Organ, Synth, Percussion (Track 3)
Gerald Cannon - Bass
Willie Jones III - Drums
Titelliste
- Jazz Biotic
- Altitudes Of Freedom
- Dark Horse
- Au Privave
- Maple Jam
- Cannonballin'
- Kalunga Dance
- Jonesin'
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben