Rezension des Albums "Austrian Wood" von Sylvia Bruckner

Sylvia Bruckner - Austrian Wood - Album cover
Sylvia Bruckner - Austrian Wood

Sylvia Bruckner
Austrian Wood

Erscheinungstermin: 15.04.2026
Label: Jazzhaus Musik, 2026

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Sylvia Bruckner – Klangforschung auf österreichischem Holz

jazz-fun`s recap:

Mit Austrian Wood wagt die Wiener Pianistin und Improvisatorin Sylvia Bruckner einen bemerkenswerten Schritt: Erstmals rückt nicht das Klavier, sondern die Zither ins Zentrum ihres musikalischen Denkens. Für eine Musikerin, die seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Stimmen der freien Improvisation in Österreich zählt, erscheint dieser Weg fast folgerichtig – und dennoch überraschend.

Die Zither, tief verwurzelt in der österreichischen Volksmusik, wird hier vollständig aus ihrem traditionellen Kontext gelöst. Für Bruckner ist sie kein folkloristisches Symbol, sondern eine offene Klangquelle, ein Resonanzraum für spontane musikalische Erkundungen. Fast könnte man sagen: ein freigelegtes Inneres des Klaviers, reduziert auf Saite, Resonanz und unmittelbare Berührung.

Schon die ersten Klänge machen deutlich, dass es sich hier nicht um „gewöhnliches“ Zitherspiel handelt. Austrian Wood entfaltet ein Universum aus Reibungen, feinen Geräuschen, gezupften Fragmenten, Resonanzen, Stille und eruptiven Momenten. Man hört Streichen, Kratzen, vorsichtige Anschläge und vibrierende Obertöne – jede Klanggeste ist bewusst gesetzt und zugleich vollkommen frei.

Besonders faszinierend ist die Beziehung zwischen Klang und Stille. Die Musik lebt nicht nur von dem, was gespielt wird, sondern ebenso von den Pausen, den offenen Räumen und den Spannungen dazwischen. Bruckners Verbindung zum Instrument wirkt dabei beinahe körperlich. Es entsteht der Eindruck eines intimen Dialogs – oder vielmehr einer Verschmelzung zwischen Musikerin und Klangkörper. Die Zither wird hier nicht gespielt, sondern erforscht, ertastet, manchmal fast umkreist.

Austrian Wood verlangt Aufmerksamkeit. Dieses Album erschließt sich nicht nebenbei; es fordert konzentriertes Zuhören, Offenheit und Neugier. Doch genau darin liegt seine Kraft. Wer sich auf diese Musik einlässt, entdeckt eine faszinierende Welt voller ungewohnter Texturen, feiner Nuancen und unerwarteter emotionaler Tiefe.

Ein mutiges, radikal persönliches und außergewöhnlich spannendes Werk – freie Improvisation in ihrer konzentriertesten Form.

(Jacek Brun, 14.05.2026)

Besetzung

Sylvia Bruckner - zither

Titelliste

  1. Zither Rapsody
  2. New Start
  3. Birds in the Brush
  4. Fata Morgana
  5. Leaving the Country
  6. YABO
  7. Two Bows
  8. Epilogue

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