Tim Collins & Martin Gasselsberger - Songs From The Treehous

Tim Collins & Martin Gasselsberger - Songs From The Treehous - Album cover
Tim Collins & Martin Gasselsberger - Songs From The Treehous

Tim Collins & Martin Gasselsberger
Songs From The Treehous

Erscheinungstermin: 19.09.2025
Label: GLM Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Duos aus Klavier und Vibrafon haben längst einen festen Platz im Jazz – dennoch gelingt es Tim Collins und Martin Gasselsberger, dieser bewährten Konstellation neue, eigene Facetten abzugewinnen. Ihre „Songs From The Treehouse“ zeigen eindrucksvoll, wie zwei Musiker ihre kompositorischen Ideen und ihr feinsinniges Zusammenspiel in den Vordergrund stellen.

Das Album lebt von der Sensibilität der beiden Künstler, die nicht nur aufeinander hören, sondern sich gegenseitig inspirieren. Ihre Dialoge entwickeln sich zu Erzählungen voller Ruhe, Lyrik und Balladenhaftigkeit, ohne dabei auf den jazzigen Swing oder den bluesigen Unterton zu verzichten. Es entsteht eine intime Atmosphäre, die sowohl zum Nachdenken als auch – überraschend – zum Tanzen einlädt.

„Songs From The Treehouse“ ist ein bemerkenswertes Album, das einmal mehr die Handschrift von GLM Records als Plattform für innovative Produktionen bestätigt. Collins und Gasselsberger präsentieren hier Musik voller Schönheit, Feinheit und innerer Spannung – eine Empfehlung für alle, die den Zauber kleiner Besetzungen zu schätzen wissen.

(Jacek Brun, 19.09.2025)

Besetzung

Tim Collins - vibraphone
Martin Gasselsberger - piano

Feinsinniges Zwiegespräch zwischen Klavier und Vibrafon

Der amerikanische Vibraphonist Tim Collins und der österreichische Pianist Martin Gasselsberger spielten im Jahr 2013 erstmals gemeinsam. Vom ersten Ton an spürten sie, dass sie musikalische Seelenverwandte sind. Seitdem haben sie zahlreiche Konzerte gegeben. Mit der Veröffentlichung ihres Albums Songs From The Treehouse (GLM Fine Music) wurde diese künstlerische Harmonie nun auch für andere hörbar. „Wir wollten die Intimität und Spielfreude unserer Konzerte sowie die Essenz von Kindheitsnostalgie in emotionalen und verspielten Kompositionen auf einem Album einfangen”, erklärt Collins. „Ich schätze es besonders, dass selbst feinste Nuancen in unserer Musik zum Ausdruck kommen, denn wir haben so oft zusammen gespielt, dass wir beinahe die Gedanken des anderen lesen können.“

Das Album beginnt mit Collins’ durchkomponiertem Stück „The Last Long Days“ – eine fließende, sich wandelnde, mehrteilige Komposition, die die letzten Tage des Sommers einfängt, wenn die Luft kühler wird und die Sonne früher untergeht.

„Shuttle Song“, ein Werk von Gasselsberger, ist eine funkige Groove-Nummer im wechselnden Takt, die sich schließlich in ein entspanntes Swing-Solo öffnet. „Dieses Stück rast wie ein selbstgebauter Roller durch die Nachbarschaft“, so Gasselsberger.

Mit Adirondack River setzt Collins die Reise fort und präsentiert ein introspektives Stück im 5/4-Takt. Es ist eine musikalische Hommage an seine Heimatstadt Plattsburgh, die nördlich der Adirondack Mountains liegt: „Die Felsen sind zerklüftet, das Wasser fließt schnell, und doch bleibt der Fluss in sich ruhig.“

Auch Gasselsbergers „Water’s Liberty” widmet sich dem Motiv des Wassers. Die Komposition ist durch eine poppige Harmonik geprägt und wird mit zarter Sensibilität gespielt, wodurch die melancholische Grundstimmung des Werks zum Tragen kommt. „Das Wasser bahnt sich immer seinen eigenen Weg durch die Landschaft – manchmal in feinen Verästelungen, manchmal als mächtiger Strom“, beschreibt Gasselsberger die Inspiration hinter dem Stück.

Mit „Ode To Airtime” präsentiert Collins eine energiegeladene Komposition, die an die kühnen Träume eines Kindes erinnert. „Als Kind habe ich versucht, eine Achterbahn in unserem Garten zu bauen. In meiner Vorstellung hatte sie Loopings, steile Kurven und abrupte Abfahrten – in Wirklichkeit war es eine wackelige Holzrampe für das Skateboard“, erinnert sich der Vibraphonist schmunzelnd. „Dieses Stück entspricht eher der Achterbahn, die ich mir damals erträumt habe.“

Einen sanften Kontrast dazu bietet „Going Home“ – eine schlichte, tief berührende Melodie, durch die Collins mit romantischen Kinderaugen auf seinen Heimatstaat New York blickt und das Gefühl des Wiedersehens ausdrückt: „Jedes Mal, wenn ich zurückkehre, scheint alles unverändert – und doch ist alles anders.“

„Air, Love & Vitamines” ist eine Komposition des österreichischen Gitarristen Harry Pepl, den das Stück einst mit dem Vibraphonisten Werner Pirchner spielte. Die beiden Musiker sind in Österreich Ikonen, international aber weitgehend unbekannt. Martin und Tim spielten das Stück ursprünglich nur zum Spaß während einer Studio-Pause und nahmen diese Version spontan auf.

„Thad’s Bad“ ist eine entspannte, bluesige Swing-Nummer, für die sich Collins von der Musik von Thad Jones inspirieren ließ. Er schrieb diese Melodie als Grundlage für ausgedehnte Improvisationen. Gasselsbergers „Barrelhouse“-Piano verleiht dem Arrangement eine mitreißende Note, die zum Mitwippen einlädt.

„Ich habe einer meiner Musikschülerinnen einmal die Frage gestellt, welches Lied sie im Unterricht lernen möchte“, erklärt Collins zum nächsten Stück. Die Wahl fiel auf Everything I Wanted von Billie Eilish und ihrem Bruder Finneas. Schon beim ersten Hören war Collins tief berührt. In seiner Version spielt das Vibraphon die Melodie, während das Klavier die emotionale Intensität allmählich aufbaut.

Nach einem so tiefgehenden Stück tut es gut, sich richtig auszutoben – und genau das machen die beiden Musiker in der schnellen „Jam“-Nummer Uh-Oh, Here Come The Bad Guys. Collins’ augenzwinkernder Titel bezieht sich auf Kinderspiele wie „Verstecken“, bei denen die Kinder vor Lachen nicht stillhalten können und dadurch ihre Tarnung auffliegt.

„Als Erwachsene, die auf diese Erinnerungen zurückblicken, wissen wir, wie glücklich wir uns schätzen können, eine solch unbeschwerte Kindheit erlebt zu haben.“ Nicht alle Menschen haben dieses Glück. „Passing Blue” steht für die Mischung aus Wehmut und Dankbarkeit, die das Rückbesinnen auf diese Kindheitstage mit sich bringt. Die Hauptmelodie stammt von Gasselsberger, während Collins die Interlude-Passage beisteuerte. Sie symbolisiert ihre musikalische Partnerschaft – zwei Musiker aus verschiedenen Kontinenten, Kulturen und Sprachräumen, die dennoch eine gemeinsame Kindheitsnostalgie empfinden.

Den energiegeladenen Abschluss bildet „Meet Me At The Teeter-Totter” – eine Hommage an die unbeschwerte Jugend und die Magie der Sommertage, an denen alles einfach scheint, an denen das einzige Ziel darin besteht, lange wach zu bleiben, und an denen jeder neue Tag ein neues Abenteuer verspricht. Ein freudiger Ausruf: „Lasst den Sommer nicht enden!”

Tim Collins
in Plattsburgh (NY) aufgewachsen, zog er später nach New York City, wo er mit renommierten Musikern wie Mike Moreno, Charlie Hunter, John Ellis, Ingrid Jensen und Aaron Parks zusammenarbeitete. 2009 entschied er sich, nach Europa zu ziehen, und ließ sich 2010 in München nieder. Als Bandleader hat Collins sechs Alben veröffentlicht, für die er vom Downbeat Magazine für seine „durchdachten, tiefgründigen Kompositionen” gelobt wurde.

Martin Gasselsberger
Er wurde in Gaspoltshofen, Österreich, geboren und begann bereits im Alter von 15 Jahren seine Jazzkarriere. Er hat bisher neunzehn Alben als Bandleader veröffentlicht und wurde vom Concerto Magazin zweimal als „Österreichischer Jazzmusiker des Jahres” ausgezeichnet. Neben seiner Arbeit als Pianist komponierte er Werke für Streichquartett und Chor. 2024 wurde er für die Professur „Senior Artist für Tasteninstrumente Popularmusik” an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien berufen.

Text: GLM Records

Titelliste

  1. The Last Long Days
  2. Shuttle Song
  3. Adirondack River
  4. Water's Liberty
  5. Ode To Airtime
  6. Going Home
  7. Air, Love & Vitamines
  8. Thad's Bad
  9. Everything I Wanted
  10. Uh-Oh, Here Come The Bad Guys
  11. Passing Blue
  12. Meet Me At The Teeter-Totter

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