Rezension des Albums "Lost & Found" von Tokunbo
TOKUNBO
Lost & Found
Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: recordJet, 2026
Zwischen Suchen und Ankommen
Es gibt Alben, die von Bewegung erzählen, ohne unruhig zu wirken. Lost & Found von TOKUNBO gehört dazu. Die Songs handeln vom Suchen, vom Wiederfinden und vom Gefühl, im Laufe des Lebens immer wieder neu bei sich selbst anzukommen.
Für TOKUNBO ist dieses Thema eng mit der eigenen Biografie verbunden. Zwischen Nigeria und Deutschland aufgewachsen, kennt sie das Leben zwischen kulturellen Bezugspunkten aus eigener Erfahrung. Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und Identität erscheinen auf Lost & Found deshalb nicht abstrakt, sondern persönlich und unmittelbar.
Musikalisch verbindet sie Singer-Songwriter-Jazz mit Folk-Pop, ohne die Übergänge besonders hervorzuheben. Jeder Song besitzt seinen eigenen Charakter, eine eigene Farbe und emotionale Temperatur. Mal wirkt die Musik licht und offen, mal nachdenklicher, mal beinahe schwebend. Die Vielfalt der Stücke gibt dem Album Bewegung, ohne seine Geschlossenheit zu verlieren.
TOKUNBOs Stimme steht im Zentrum, doch sie wird nie isoliert präsentiert. Arrangements und Produktion lassen ihr Raum und setzen zugleich feinste Akzente. Instrumentale Details treten nie in Konkurrenz zum Gesang, sondern verstärken Atmosphäre, Melodik und Text.
Die Musik strahlt Wärme aus. Sie ist hell, frisch und klar, ohne oberflächlich zu wirken. Selbst melancholische Momente behalten etwas Leichtes. Das Album lebt von einer besonderen Balance aus emotionaler Nähe und großer Sorgfalt.
Diese Sorgfalt ist überall hörbar. Kein Klang scheint zufällig gesetzt, keine Begleitung überladen. Die Produktion bleibt transparent und lässt den einzelnen Songs genügend Luft, um ihre eigene Wirkung zu entfalten.
Lost & Found ist deshalb nicht nur ein Album über Identität und Herkunft. Es erzählt auch davon, wie Menschen sich im Laufe ihres Lebens immer wieder zusammensetzen – aus Erinnerungen, Erfahrungen, Verlusten und neuen Entdeckungen.
TOKUNBO findet dafür eine musikalische Sprache, die warm, poetisch und erstaunlich unangestrengt klingt.
Vielleicht ist Ankommen am Ende kein fester Ort. Vielleicht ist es ein Zustand, den man immer wieder neu findet.
(Jacek Brun, 08.10.2026)
Titelliste
- Cocoon
- Stop Motion Movie
- 70s Magazine Memory
- On The Corner Of Oak Street
- Polaroid Life
- Lost My Ace
- Under Water
- Ballerina
- Empty Nest
- True DNA
- When The Summer Ends
- To Be Alive
- It’s Alright
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