Rezension des Albums "It’s Not a Fake, It’s a Replica" von Tomasz Chyła Quintet
Tomasz Chyła Quintet
It’s Not a Fake, It’s a Replica
Erscheinungstermin: 27.03.2026
Label: Alpaka Records, 2025
Zwischen Jazz Improvisation und rockiger Wucht
Mit It’s Not a Fake, It’s a Replica präsentiert das Tomasz Chyła Quintet ein Album, das sich bewusst außerhalb klassischer Genregrenzen bewegt. Der Titel selbst trägt bereits eine ironische Botschaft: Er spielt mit der Frage nach Originalität und Inspiration – und reagiert zugleich augenzwinkernd auf Vergleiche mit progressiven Rockgrößen wie King Crimson. Gleichzeitig erinnert die Haltung des Albums auch an den ironischen Blick auf Musik und Realität, der oft mit Frank Zappa verbunden wird.
Angeführt vom charismatischen Geiger Tomasz Chyła, wagt das Quintett auf diesem Album einen bewussten Schritt über die Grenzen seiner bisherigen musikalischen Sprache hinaus. Die Band verlässt die vertraute Jazzformel und öffnet sich einer Klangwelt, die dichter, direkter und energetischer wirkt.
Im Zentrum steht dabei ein Element, das im Jazz eher selten eine tragende Rolle spielt: das Riff. Was im Rock seit Jahrzehnten ein zentrales strukturelles Prinzip ist, wird hier zum Ausgangspunkt musikalischer Entwicklung. Die Stücke wachsen aus diesen wiederkehrenden Motiven heraus, während sich die Improvisationen um sie herum entfalten.
Doch der Rock erscheint hier nicht als stilistische Pose oder nostalgische Referenz. Vielmehr wirkt er wie ein natürlicher Bestandteil der musikalischen Identität des Ensembles. Die Energie der Riffs verbindet sich mit der Offenheit des Jazz – ein Spannungsfeld, in dem sich die Musik ständig weiterentwickelt.
Das Quintett besteht aus herausragenden Instrumentalisten und Improvisatoren, die alle auch in eigenen Projekten aktiv sind. Diese individuellen Stimmen verleihen der Musik zusätzliche Tiefe. Jeder Musiker bringt seine eigene Perspektive ein, bleibt dabei jedoch stets in enger Verbindung mit der konzeptionellen Idee des Bandleaders.
Gerade diese Balance zwischen individueller Freiheit und kollektiver Struktur prägt den Klang des Albums. Die Kompositionen überraschen durch ihre Vielschichtigkeit, während die Improvisationen immer wieder neue Richtungen einschlagen und die musikalischen Themen weiterentwickeln.
So entsteht eine Musik, in der rockige Energie und jazzige Spontaneität ineinander greifen. It’s Not a Fake, It’s a Replica wirkt dadurch kraftvoll, unberechenbar und voller kreativer Spannung.
Ein Album, das zeigt, wie lebendig und offen die zeitgenössische europäische Jazzszene sein kann – und das mit seiner Mischung aus Kompositionsstärke, improvisatorischer Freiheit und klanglicher Intensität nachhaltig beeindruckt.
It’s Not a Fake, It’s a Replica ist mehr als nur ein weiteres Album des Quintetts – es ist ein starkes, mutiges Statement. Tomasz Chyła und seine Mitmusiker verschieben hier bewusst Grenzen und zeigen, wie kraftvoll die Verbindung von Jazz und rockiger Energie heute klingen kann. Ein herausragendes, in vieler Hinsicht bahnbrechendes Album des zeitgenössischen europäischen Jazz.
(Jacek Brun, 16.04.2026)
Besetzung
Tomasz Chyła - violin
Emil Miszk - trumpet
Krzysztof Hadrych - guitar
Konrad Żołnierek - electric bass
Sławek Koryzno - drums, congas
Titelliste
- Jiga
- It’s Not a Fake, It’s a Replica
- Stoner
- When Shadows Speak
- Hyperflux
- Evil in Broad Daylight
- There Was A Time
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