Troja - eine Tanzperformance zur Musik von Fazil Say im Münchner Schwere Reiter am 21.12.2024
Das Verhältnis von Komposition zu Improvisation sei etwa fünfzig zu fünfzig, meinte der türkische Pianist Fazıl Say einmal, und er muss es wissen, denn er ist sowohl Komponist als auch Interpret. Zudem steht am Anfang einer Komposition für ihn immer die Improvisation – auch bei der Interpretation klassischer Werke greift er gern improvisierend ein.
Kein Wunder also, dass Harald Eggebrecht den in Ankara geborenen Musiker als „einen der originellsten, anregendsten und – wenn er einen guten Tag hat – inspirierendsten Pianisten unserer Zeit“ bezeichnete, der „sich nicht nur um die klassische Musik“ kümmere, sondern „auch hoch engagiert in der Jazzmusik“ sei.
Eines der schönsten Solowerke von Fazıl Say ist seine 2019 erschienene, auch hier auf jazz-fun.de besprochende Troja-Sonate (Fazil Say - "Troy Sonata" - Fazil Say plays Say), die 2023 auch von der ukrainischen Pianistin Nataliya Tkachenko eingespielt wurde. Beim vergleichenden Hören vergisst man schnell den offenbar naturgegebenen Kritikerreflex einer wertenden Beurteilung: Ja, beide Einspielungen der zehnsätzigen Sonate unterscheiden sich. Aber, ja: beide sind für sich genommen ganz eigenständig grandios.
Vor diesem Hintergrund durfte man gespannt auf die Tanztheaterperformance Troja sein, eine im Herbst 2023 uraufgeführte Produktion des Kemptener KARI.Tanzhaus, das auf seiner Winterrreise 2024 nun auch im Münchner Schwere Reiter Station machte. Gespannt sein durfte man also auch auf die Inszenierung der beiden Choreografinnen Anna Chiara Goerig und Ashley Vu, die in dem Stück auch selbst als Tänzerinnen zu erleben waren.
Allzu naheliegend schien die Versuchung, im Tanz die – live von Nataliya Tkachenko mit beeindruckender technischer und künstlerischer Souveränität gespielte – Troja-Sonate einfach nur „illustrieren“, also verdoppeln zu wollen. Tatsächlich gelang den beiden Choreografinnen aber eine nicht minder eigenständige Interpretation des antiken homerischen Mythos vom Trojanischen Krieg, sodass man den Eindruck bekommen konnte, beides (Klaviersonate und Tanz) wäre auch für sich allein genommen schon sehr hörens- und sehenswert. Zu einem ganz besonderen Erlebnis aber wurde es erst im Zusammenspiel beider Künste, was vom Publikum entsprechend begeistert gefeiert wurde.
Bleibt zu hoffen, dass die Frage, die am Ende dieser ergreifenden Tanzperformance steht, nicht nur in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer eine positive Antwort findet: „Ist es möglich, Politik und Macht beiseite zu lassen, um im Anderen wieder Trost und Halt zu finden?“
Piano - Nataliya Tkachenko
Choreografie - Ashley Lê-Hà Vu + Anna Chiara Goerig
Tanz - Sara Sofie Tenta, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Emmanuel Luka Musa, Ashley Lê-Hà Vu, Anna Chiara Goerig
Musikalische Komposition - „Troy Sonata Op. 78“ von Fazıl Say
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Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Anna Chiara Goerig, Emmanuel UgochukwuIloegbunam, Robert Fischer -
Emmanuel Luka Musa, Robert Fischer -
Nataliya Tkachenko, Robert Fischer -
Tanzperformance Troja, Robert Fischer -
Nataliya Tkachenko, Robert Fischer -
Nataliya Tkachenko, Robert Fischer -
Tanzperformance Troja , Robert Fischer -
Tanzperformance Troja, Robert Fischer -
Tanzperformance Troja, Robert Fischer -
Tanzperformance Troja, Robert Fischer
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