Ulrike Haage - Alles Licht

Ulrike Haage - Alles Licht - Albumcover
Ulrike Haage - Alles Licht

Ulrike Haage
Alles Licht

Erscheinungstermin: 01.11.2024
Label: blue pearls music, 2024

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jazz-fun`s recap:

Ulrike Haage kommt zu uns in einem exquisiten Rahmen aus Phrasen, gespielt auf Klavier und Orgel. Dieses Album ist ein wahrer Ozean von Klängen, in den man eintauchen, den man fühlen und von dem man sich mitreißen lassen kann. Ein langes Album (mehr als 73 Minuten Musik), tief durchdacht, im Kopf und im Herzen gegeben und verfeinert und dann in der Intimität des Aufnahmestudios in die Sprache der Klänge übersetzt. Wunderschön! (Jacek Brun, 02.01.2025)

Besetzung

Ulrike Haage - Klavier, Orgel (8, 11), all comp.
Daniel Stickan - Orgel (1, 2, 3, 4, 6, 7, 9)

Über das Album "Alles Licht" von Ulrike Haage

Musik kann alles. Musik kann nichts.
Musik hat keine Worte und doch erzählt sie vom Leben.
Musik berührt das Herz oder klingt an ihm vorbei.
Musik wühlt auf oder stiftet seelisches Gleichgewicht.

Jede neue Produktion von Ulrike Haage ist eine Art Wunderbox. Vor dem Öffnen weiß man nur, sie wird Musik einer Künstlerin offenbaren, die in rund vier Jahrzehnten musikalischen Schaffens eine beispiellose künstlerische Handschrift entwickelt hat. Und wer das Werk von Ulrike Haage kennt, kann gewiss sein, dass ihre neue, noch ungehörte Musik überraschen, fesseln, berühren wird.

Zwischen Regalen voller Bücher und einer großen Sammlung von Jazz-Schallplatten wuchs Ulrike Haage in einem Elternhaus auf, das ihr Interesse für Literatur und Musik im Besonderen und Kunst im Allgemeinen weckte und mitgab für ihren Lebensweg. Dort stand schon im Kindesalter ein Klavier, auf dem sich Ulrike die Musik von Bill Evans und Thelonious Monk erschloss.

Erste größere öffentliche Aufmerksamkeit bekam Ulrike Haage in der 1984 gegründeten ersten deutschen Frauen-Big-Band Reichlich Weiblich, gefolgt vom experimentellen Projekt Vladimir Estragon mit Alfred Harth, FM Einheit und Phil Minton, aus dem - ohne Harth - das Trio Goto hervorging.  Von 1990 bis 1999 dominierte die Zusammenarbeit mit Katharina Franck bei den Rainbirds die musikalische Arbeit von Ulrike Haage, wenngleich sie parallel bereits begann, als Komponistin für Hörspiel- und Theater-Produktionen, später auch für den Film zu arbeiten.

Ulrike Haage versteht ihre Arbeit als etwas Ganzheitliches. Als Verbindung von Musik, Wort, Bild, Klang, Geräusch. Folgerichtig erweiterte sie ihren künstlerisch-kreativen Radius der Komponistin und Pianistin um den der Autorin und Regisseurin. Ihre Kompositionen für Hörspiele, Hör- und TheaterStücke und Filme sind nie nur atmosphärisches oder klangliches Beiwerk. Die Musik von Ulrike Haage gibt dem gesprochenen Wort, dem bewegten Bild, dem Klang des Lebens eine neue Dimension, neue Bedeutung. Ihre Musik schafft und öffnet Räume, in denen sich das Gehörte und Gesehene erweitern oder verdichten kann. Die Musik von Ulrike Haage wird zum Katalysator für die Zuhörenden, tiefer in die eigene Gefühls- und Gedankenwelt einzutauchen, vielleicht sogar sich selbst neu zu entdecken.

Aber Ulrike Haages Musik führt - trotz ihrer singulären Stärke - im Kontext mit anderen Kunstformen kein uneingeschränktes Eigenleben. Sie gehorcht quasi dem Gesamtkunstwerk, fügt sich in einen Rahmen, folgt in ihren Strukturen und Abläufen der Dramaturgie und dem Sprachfluss der Textvorlage oder den von einer Kamera eingefangenen bewegten Bildern. Um ein in sich stimmiges „Endprodukt“ zu erschaffen, bedarf es eines intensiven Gedankenaustausches im Kollektiv, in den sich jede und jeder am Produktionsprozess Beteiligte gleichberechtigt einbringen kann und muss. Ulrike Haage schätzt und liebt diese Art von Team-Geist. Er beflügelt ihre kreative Arbeit.

Gleichwohl braucht sie immer wieder - wie zum Ausgleich, zum Finden der inneren Balance - die Einsamkeit als Komponistin und Musikerin. So entstand in den letzten Jahren regelmäßig musikalisches Material für Solo-Einspielungen und Aufnahmen mit kleinen Ensembles oder DuoPartnern wie dem Schlagzeuger Eric Schaefer oder dem Elektronik-Musiker Christian Meyer.

Manchmal entspringt das Bedürfnis nach Einsamkeit allerdings keiner freien Entscheidung. Die Musik auf dem Album ALLES LICHT fand ihren Ausgangspunkt in einer für unsere Welt bislang einmaligen, das Leben extrem beeinträchtigenden Situation: 2020 während des ersten Lockdowns in der CoronaPandemie.

„Ich habe damals nach einem Instrument gesucht, mit dem ich neue Klänge in eine veränderte Welt bringen und zugleich Trost spenden wollte – mir selbst und anderen“, sagt Ulrike Haage. „Ich habe nach etwas Ausschau gehalten, womit ich meine Gefühle in einer sich rasant verändernden Welt zum Ausdruck bringen konnte, nach Sounds, die eine zusätzliche räumlich-emotionale und gedanklichgeistige „Reichweite“ hatten.“

Diese suchende Ausschau führte Ulrike Haage zur Orgel. Sie fand dieses Instrument in unterschiedlichsten Kirchenräumen - von der Dorfkirche bis zum Dom - in Dänemark, auf Langeland und Bornholm, im süditalienischen Salento und Berlin.

„Ich begann, an einem Zyklus von Stücken zu arbeiten, der meine Gefühle zur Welt und meine Gedanken über das langsame Verschwinden geliebter (Natur-)Räume, geschätzter Refugien und der Artenvielfalt auf unserem Planeten zum Ausdruck bringen sollte. Zu der Zeit las ich auch das Buch „Earth Emotions“ von Glenn Albrecht, in dem er für dieses Verlustempfinden das Wort Solastalgia (the lived experience of negative environmental change) erfand. Diese „New Words for a New World“ haben mir aus der Seele gesprochen.“

Musik kann alles.
Musik kann nichts.
Musik ist ein einsames Unterfangen für die ganze Welt.
Musik ist zärtlich und kann tiefe Wunden schlagen.
Musik verströmt Brutalität und bleibt ein stumpfes Schwert.

Die Stücke auf ALLES LICHT spiegeln einerseits den Zustand der Welt und andererseits zutiefst persönliche Gedanken und Gefühle der Künstlerin. Gedanken und Gefühle, die sie in die Welt tragen und mit ihr teilen möchte. Ulrike Haage reflektiert in ihrer Musik die Begegnung mit Menschen, die Beschäftigung mit deren Leben. Sie reflektiert ihre Verbundenheit mit der Natur, mit klassischer Musik, mit Jazz, Minimal Music und mit der Improvisation. Sie reflektiert Erlebnisse ihrer Reisen nach Japan, ihre Arbeit fürs Radio und den Film. Alles fließt zusammen und ineinander. ALLES LICHT ist komplex und einfach zugleich.

Das Album entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Organisten Daniel Stickan, mit dem Ulrike Haage schon mehrfach zusammen gespielt hat.

Die Direktheit und Klarheit der Aufnahme, der ineinander verwobene Klang von Konzertflügel und Kirchenorgel ist sowohl dem emotionalen und musikalischen Gleichklang von Ulrike Haage und Daniel Stickan zu verdanken, als auch der Besonderheit des Raumes, in den sich beide für die Produktion zurückgezogen haben. In die Neue Kirche in Kleinmachnow, in der die Atmosphäre eines Tonstudios annähernd hergestellt werden konnte. Anders als in den meisten Kirchen, die über eine Orgel verfügen, ist die in der Neuen Kirche in Kleinmachnow nicht fest auf einer Empore eingebaut, sondern verfügt über einen mobilen Spieltisch. Somit saßen Haage und Stickan bei den Aufnahmen im Kirchenraum direkt nebeneinander, mit Blickkontakt und einer Nähe, die besonders in den leisen Momenten der Musik geradezu greifbar wird. Und im nächsten Moment dann wieder erreichen uns Klänge von einer gewaltigen gemeinsamen Kraft. Das Wechselbad von Gefühlen, die Vielschichtigkeit des Lebens - geronnen in Musik.

Jeder Ton, den Ulrike Haage spielt, hat Bedeutung. Jeder Ton hat eine Geschichte. Die muss die oder der Hörende nicht unbedingt kennen, da die Musik in jedem Kopf ein Eigenleben entwickelt. Aber das Wissen um die Geschichten kann durchaus neue Klangräume öffnen. Zwei seien an dieser Stelle von Ulrike Haage erzählt:

„Der Titel Window of Enlightenment ist inspiriert von meiner letzten Japanreise im Jahr 2023. Nach vielen Reisen und meiner langjährigen Beschäftigung mit dem Zen Buddhismus besuchte ich den Genko-an Tempel in Kyoto. Dort gibt es das runde Fenster der Erleuchtung neben dem rechteckigen Fenster der Verwirrung, die beide in den Tempelgarten zeigen. Und während ich vor dem runden Fenster saß und meditierte, hatte ich den Einfall für eine Komposition, mit der sich dieses Nebeneinander von Erleuchtung und Verwirrung in ein Minimum an Tönen übertragen ließ. „Das Leitmotiv des Albums ALLES LICHT geht zurück auf das Buch ‚Alles Licht, das wir nicht sehen‘ von Anthony Doerr, zu dessen Hörspielumsetzung ich 2022 den Soundtrack geschrieben hatte. Dieses Buch mit seiner Grundidee, sich eine im Krieg verfangene Welt auf eigene Weise zu ertasten und sie zu überleben, passte zu den Gedanken im Buch ‚Earth Emotions‘. In beiden Werken geht es um eine neue Sprache für eine neue herausfordernde Welt, in der Verluste von einst geliebten Orten und Menschen eine immer größere emotionale Rolle spielen.“

Musik kann alles. Musik kann nichts.
Musik kann nicht die Menschheit retten. Bestenfalls ermutigen.
Musik kann keinen Frieden schaffen. Bestenfalls für den Moment.
Musik kann Hoffnung stiften für die Hoffnungslosen. Bestenfalls über den Tag hinaus.

ALLES LICHT ist Ulrike Haage. Ulrike Haage ist ALLES LICHT.

Text: blue pearls music

Titelliste

  1. Alles Licht
  2. Siehe Mein Engel
  3. Window Of Enlightenment
  4. White Darkness
  5. Alles Licht (Reprise)
  6. Window Of Enlightenment (Coda)
  7. Meditation
  8. Kaddish (Ravel Reimagined)
  9. Noctilucent
  10. Earth Emotions
  11. Alles Licht (Coda)

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