Unterbiberger Hofmusik - Zeitenspiel
Unterbiberger Hofmusik
Zeitenspiel
Erscheinungstermin: 22.11.2024
Label: Himpsl Records, 2024
"Zeitenspiel" ist ein künstlerischer Akt, ein akribisch umgesetztes Konzept, tief durchdacht, in Kopf und Herz verarbeitet und in die Sprache der Klänge übersetzt. Alles gehorcht der gemeinsamen Idee, Musik zu schaffen und zu spielen, die durch und durch traditionell und zugleich modern ist. Im Vordergrund stehen Authentizität, Ehrlichkeit und die Freude am gemeinsamen Spiel und Schaffen. Jedes neue Album der Unterbiberger Hofmusik ist ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. (Jacek Brun, 13.12.2024)
Besetzung
Franz Himpsl Sr.
Irene Himpsl
Xaver Himpsl
Ludwig Himpsl
Franz Himpsl Jr.
Konrad Sepp
Über das Album von Unterbiberger Hofmusik "Zeitenspiel"
Hoffnung für unsere Zeit aus dem Geist der Vergangenheit" ist das Motto der Weihnachts-CD Zeitenspiel der Unterbiberger Hofmusik, die am 22.11.2024 erscheint. Das Programm von Zeitenspiel hat seine Wurzeln im Alpenland und in der Klassik, wird aber genährt durch Abenteuer in anderen Kulturen mit großer Offenheit und musikalisch wie historisch fundiertem Können. Vertraute Gefilde und Zeiten wechseln sich in den fünf Kompositionen der Familienmitglieder ab mit Bekanntem, spannend neu arrangierten Stücken von Bach und Bruckner bis hin zu alpenländischer Volksmusik und Unbekanntem, bis sich alles so zusammenfügt, dass sich der Zuhörer zu Hause fühlt - sei es in der musikalischen Fremde oder eben dahoam".
Den roten Faden des Albums bildet das von Irene Himpsl komponierte Titelstück „Zeitenspiel“: Eine melancholische Melodie, zuerst in den Hörnern, dann in den Flügelhörnern, schafft eine mystische, weihnachtliche Grundstimmung, die auch durch die dorische Tonalität an eine typisch bayerische Rauhnacht erinnert. Archaische Quinten verstärken diesen Eindruck und wecken Assoziationen an unbestimmte graue Vorzeiten. Ein Jazzsolo in der Mitte entführt in eine andere Zeit und Weltgegend, und der strahlende Durschluss mit picardischer Terz lässt Hoffnung aufkommen.
Hoffnung verkörperte die Italienreise 1839/40 auch für Fanny Hensel. Während ihr berühmter Bruder Felix Mendelssohn zahlreiche Studien- und Arbeitsreisen unternehmen konnte, war ihr nur diese eine Reise als Komponistin und Musikerin vergönnt. Ein Ergebnis dieses Meilensteins in ihrem Leben ist der Klavierzyklus „Das Jahr“, bestehend aus zwölf Monaten in Einzelstücken, die durch ein „Nachspiel“ abgeschlossen werden, das, so der Musikwissenschaftler Christian Thorau, „(...) zweifellos eine der schönsten Bach-Hommage des 19. Jahrhunderts (...)“ ist. Die Hofmusik hat dieses Nachspiel dem Zyklus entnommen und für fünf Blechbläser und Akkordeon bearbeitet. Die Arie „Bereite dich Zion“ von Johann Sebastian Bach wiederum haben die Unterbiberger für fünf Blechbläser bearbeitet. Das Stück wurde nicht für das Weihnachtsoratorium geschrieben, sondern stammt aus der weltlichen Kantate „Laßt uns sorgen, laßt uns wachen“ mit dem Titel „Ich will dich nicht hören“.
Zeitenspiel enthält aber auch ganz andere musikalische Momente, etwa wenn vier Blechbläser wenn vier Blechbläser bekannte Weihnachtsmelodien in wunderbaren Arrangements von Ekhart Wycik interpretieren, wenn kleine Kinder in „Süße Träume“ mit einer Drehorgelmelodie in den Schlaf gewiegt werden, wenn „Es wird scho glei dumpa“ zunächst typisch volkstümlich gesungen wird und sich schließlich zu einer Art romantischem Choralsatz mäandert, wenn weihnachtliche Melancholie die Ruhe vor dem Sturm der Festtage verkörpert, um dann in „Die Ruhe daheim“ doch ein wenig unruhig zu werden, wenn während des traditionellen oberbayerischen Weihnachtsliedes „Es blühen die Maien“ die sanften Klänge einer armenischen Duduk erklingen und das Weihnachtswunder der Geburt Jesu klanglich erfahrbar machen.
Immer wieder bewusst in ein neues Licht gerückt werden die Werke durch die von Familienmitgliedern vorgetragenen philosophischen Weihnachtsgedichte in bayerischer Mundart aus „Beerenlicht“ von Hermann Stützer. Das Gedicht „Brucknermoment“ ist in die „Festkantate zur Weihnacht“ von Anton Bruckner integriert, ein Stück, das erst nachträglich zu einem Weihnachtswerk umgearbeitet wurde.
Neue Eindrücke schaffen auch die unterschiedlichen Klangfarben der Instrumente: Beim „Aufwachjodler“ erklingt der kernig-warme Klang des Alphorns gemischt mit den Flügelhörnern, bei „Es wird scho glei dumpa“, „Es blühen die Maien“ und „Die Ruhe daheim“ brilliert der Klang der Piccolo-Trompete.
Eine alte mexikanische Weihnachtstradition wird in „La Rama“ von drei Männerstimmen besungen und dann mit dem Schweizer Sternsingerlied „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ kontrastiert; in „Baje Re Christma$h“ erleben wir eine Reise von Indien zum Broadway und lernen das südindische Perkussionsinstrument Kanjira kennen.
Die Unterbiberger Hofmusik erinnert mit diesem Album an friedlichere Zeiten, als zwischen 711 und 1492 die Mauren über die Iberische Halbinsel herrschten. Dieses Reich ging als Al-Ándalus in die Geschichte ein. Es war eine Zeit, in der die drei abrahamitischen Religionen weitgehend friedlich nebeneinander existierten und in der Kultur, Medizin und Wissenschaft Blütezeiten erlebten. Aus diesem Reich stammt das Stück „Lamma Bada“ - ein zeitloses Liebeslied mit einer vermutlich sephardischen Melodie, das in der arabischen Welt sehr bekannt ist. Die Uraufführung der Unterbiberger Fassung fand 2023 bei einem Open-Air-Konzert auf dem „Platz der Gaukler“ Djemaa el-Fna in Marrakesch statt. Und für alle Liebhaber alpenländischer Weihnachtsstimmung endet die Reise dahoam mit dem bekannten Andachtsjodler.
Der Name Unterbiberger Hofmusik lässt unschwer die Herkunft des Ensembles erahnen. Seit 1992 mischt die Familie Himpsl aus dem Münchner Umland mit und ohne musikalische Gäste Jazz und Volksmusik. Im Mittelpunkt stehen der Trompeter Franz Josef Himpsl und seine Frau Irene Himpsl, die beide aus der klassischen Musik kommen.
1995 entstand das erste Album des Ensembles mit dem Namen Bajazzo zusammen mit dem brasilianischen Trompeter Claudio Roditi und markierte den Beginn der „Neuen Bayerischen Volksmusik“-Bewegung. Schnell entwickelte sich daraus ein Live-Programm und ein zweites Album mit dem Titel Vivamus, das sich der brasilianischen Musik widmete. Die Besetzung des ersten Albums mit Trompete, Harfe, Akkordeon und Tuba wurde diesmal um den Posaunisten Erwin Gregg und die Gäste Claudio Roditi, Jay Ashby und Hannes Läubin erweitert. Außerdem wirkten zwei Söhne des Ehepaars Himpsl, Xaver und Ludwig, mit. Etwas später wurde das Ensemble durch den australischen Trompeter Andrew McNaughton erweitert und noch später durch den jüngsten Himpsl-Sohn Franz Jr. Es folgten Alben wie made in USA (1998), the 4th (2002), das Live-Album Bavaria Meets the World (2004) sowie Made In Germany (2008).
Das 2012 in Zusammenarbeit mit Şeref Dalyanoğlu, Matthias Schriefl und Jay Ashby erschienene Album Bavaturka ist eine Mischung aus bayerischer und türkischer Musik. Ein Jahr später erschien die bisher einzige Weihnachts-CD Stern über Biburg. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid und wiederum Claudio Roditi.
In den folgenden Jahren erschienen weitere Alben und die Hofmusik unternahm zahlreiche Tourneen von Ägypten über Mexiko und die Türkei bis nach Moskau und Indien. Für das 2019 erschienene Album Dahoam und Retour wurde das Ensemble mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Weitere renommierte Auszeichnungen für die Unterbiberger Hofmusik sind der Anerkennungspreis der Bayerischen Volksstiftung 2012 und der Tassilo-Förderpreis der Süddeutschen Zeitung 2010.
Franz Himpsl sen. aus dem kleinen Dorf Mutzenwinkel am Brotjacklriegel im Bayerischen Wald hat einen langen Weg hinter sich. Nach Klosterschule und Abitur fand er seinen Weg nach München, wo er Musik und Sport für das Lehramt an Gymnasien sowie Trompete als künstlerisches Hauptfach studierte. In den Jahren 1985 und 1986 schloss er beide Studiengänge mit dem Diplom für Trompete und den beiden Staatsexamina für das Lehramt ab. Nach kürzeren Engagements in verschiedenen Orchestern (u.a. Münchner Philharmoniker) wurde er Lehrer für Sport und Musik. Die ständige Zusammenarbeit mit Größen der internationalen Jazzszene wie Jay Ashby, Bobby Shew, Rob Pronk und Matthias Schriefl hält ihn bis heute auf dem Laufenden. Die entscheidende Begegnung aber war 1991 ein Meisterkurs bei dem brasilianischen Weltklasse-Jazztrompeter Claudio Roditi. Dieses Erlebnis war die Initialzündung für das Projekt „Unterbiberger Hofmusik“.
Irene Himpsl studierte nach dem Abitur Schulmusik mit Hauptfach Klavier bei Gitti Pirner an der Hochschule für Musik in München. Dort lernte sie den „Waidler“ kennen, der in keine Schublade passte: Franz Josef Himpsl. Mit ihm gründete sie 1983 eine Familie und legte damit den Grundstein für die Hofmusik. Sie griff zur Ziehharmonika und wurde zum Rückgrat der Truppe. Eingängige Kompositionen wie „Bavarabica“, „Walzer für Himpsl“ oder „Café Rossini“ stammen aus ihrer Feder. Seit über 30 Jahren ist sie auch als Klavierlehrerin an der Musikschule Neubiberg/Unterhaching tätig.
Xaver Himpsl widmete sich nach dem Abitur am Pestalozzi-Gymnasium, dem Jungstudium am Richard-Strauss-Konservatorium, zwei Semestern Physikstudium und einer Ausbildung zum Musikmanager ganz dem Trompetenstudium bei Prof. Wolfgang Guggenberger. Sein Diplom im Fach Trompete legte er 2012 an der Musikhochschule Trossingen ab. Neben der Unterbiberger Hofmusik arbeitet er an den Projekten Bavaschôro und seinem Programm für Piccolotrompete und Sopran Let the bright Seraphim". Im Jahr 2021 übernahm er mit seiner Frau Vivien den Escaperoom „One Hour Left“ in Ottobrunn.
Ludwig Himpsl ist einer der wenigen echten Multiinstrumentalisten. Sein Hornstudium schloss er 2013 bei Professor Wolfgang Gaag in Würzburg ab. Während dieser Zeit war er jedoch immer auch als Schlagzeuger und Perkussionist tätig und gehört derzeit zu den Spezialisten für brasilianische und türkische Perkussion in München, was er unter anderem auf dem Album (2022) seines Projekts World Wide Wig unter Beweis stellte. Im Jahr 2020 erhielt er ein Musikstipendium der Stadt München. Er ist Perkussionist an der Münchner Kammeroper und wirkte im Sommer 2024 im Rahmen der Salzburger Festspiele bei der Produktion Sternstunden der Menschheit von Stefan Zweig mit.
Franz Himpsl Jr. spielt seit vielen Jahren Horn und Klavier und besuchte das musische Pestalozzi-Gymnasium. Seit Oktober 2021 studiert er Musik auf Lehramt an der Hochschule für Musik und Theater München. Neben der Familienband ist er Mitglied im Bayerischen Landesjugendjazzorchester und im Odeon Jugendsinfonieorchester, dem Patenorchester der Münchner Philharmoniker. Viele Arrangements und Kompositionen dieses Programms stammen von ihm.
Noch vor dem Abitur begann Konrad Sepp sein Studium bei Prof. Manfred Hoppert an der Münchner Musikhochschule, das er mit dem Meisterklassendiplom im Hauptfach Tuba abschloss. Er war Mitglied des Bayerischen Landesjugendorchesters und der Jungen Deutschen Philharmonie. Als Aushilfe spielte er in vielen bayerischen Berufsorchestern. Heute arbeitet Konrad Sepp als freischaffender Musiker in verschiedenen Musikstilen sowie als Musiklehrer und Arrangeur.
Titelliste
- Festkantate zur Weihnacht
- Zeitenspiel
- Still Still
- Süße Träume Nachts um halb 3
- La Rama
- Es blühen die Maien
- Schneeflocken
- Leise rieselt der Schnee
- Die Ruhe daheim
- Familienchronik
- Bereite dich Zion
- Wie soll ich dich empfangen
- Oh Jesulein Süß
- Boarische Weihnacht
- Es wird scho glei dumpa
- Aufwachjodler (Alphorn!)
- Baje Re Christma$h
- Segens Lage
- Lamma Bada
- Nachspiel
- Andachtsjodler
jazz-fun`s recap:
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