Musikalische Reisen durch das Werk klassischer Komponisten gehören längst zum festen Repertoire neugieriger und suchender Musiker. Venerem gehen dabei jedoch einen ganz eigenen Weg. Schon die Besetzung macht neugierig: Klavier, E-Bass und Schlagzeug treffen auf eine Sopranstimme – eine Konstellation, die man in dieser Form nur selten hört.
Die Musiker bewegen sich frei durch barocke und renaissancezeitliche Kompositionen, verleihen ihnen jedoch durch ihre Interpretation eine völlig neue Dimension. Historisches Material wird nicht museal behandelt, sondern lebendig gemacht – mit großer Offenheit für moderne Einflüsse aus Jazz, zeitgenössischer Musik und freier Improvisation. Dabei entsteht eine faszinierende Spannung zwischen Struktur und Freiheit, zwischen Formbewusstsein und intuitivem Musizieren.
Besonders bemerkenswert ist, wie selbstverständlich sich improvisatorische Passagen in das Gesamtbild einfügen, ohne dass das Projekt jemals in ein plattes „Crossover“-Schema abrutscht. Vielmehr scheint hier eine ganz eigene musikalische Sprache zu entstehen, gespeist aus tiefem Respekt vor der Tradition und gleichzeitig aus dem Mut, diese neu zu denken.
Ein zusätzlicher, sehr persönlicher Akzent findet sich im letzten Teil des Albums: Dort sprechen die Musiker über Musik, Interpretation und künstlerische Haltung. Diese Reflexionen öffnen einen weiteren Zugang zu dem, was Strike im Kern ausmacht – eine intensive Auseinandersetzung mit Musik als lebendiger Kunstform.
Ein außergewöhnliches Album, das sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Anspruchsvoll, sinnlich und von großer künstlerischer Tiefe – unbedingt hörenswert.
(Jacek Brun, 02.01.2026)
Besetzung
Laureen Stoulig-Thinnes - Soprano
Marlo Thinnes - Piano
Simon Zauels - Bass
Michel Meis - Drums, Percussion
Wenn die Vergangenheit zu atmen beginnt – Venerem „Strike“
Vier Musiker vereinen ihre unterschiedlichen musikalischen Talente und ihr Fachwissen, um einen neuen Stil europäischer Kunstmusik zu schaffen. Das 2019 gegründete Ensemble Venerem veröffentlichte im März 2021 sein erstes Album, das von der Fachpresse äußerst positiv aufgenommen wurde. Es besteht aus einer Stimme (Sopran), einem Percussion-Ensemble, einem E-Bass und einem Konzertflügel.
Das aktuelle Programm umfasst Arrangements und Improvisationen von Purcell, Arbeau, Strozzi, Händel, Vivaldi und weiteren Komponisten.
Titelliste
- Henry Purcell - Strike the viol
- Henry Purcell - What power art thou
- Francesco Bartolomeo Conti - II. Aria - Allegro
- Reynaldo Hahn - A chloris (1916)
- Marlo Thinnes - Entracte (2023)
- Antonio Vivaldi - IV. Cum dederit
- Jean-Baptiste Lully - Passacaille
- Venerem Talk (English)
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Kommentar von Richard H |
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