Rezension des Albums "Late Bloomer" von Vimbs Mavimbs
Vimbs Mavimbs
Late Bloomer
Erscheinungstermin: 12.06.2026
Label: Unit Records, 2026
Manche Blumen blühen später – nicht weil sie zu langsam waren, sondern weil sie auf ihre eigene Jahreszeit gewartet haben
Unsere Zeit liebt Geschwindigkeit. Junge Talente werden möglichst früh entdeckt, Karrieren möglichst schnell aufgebaut und Musik oft schon nach wenigen Sekunden beurteilt. Vimbs Mavimbs setzt mit Late Bloomer dieser Entwicklung eine bemerkenswerte Gegenidee entgegen. Dieses Album feiert nicht den schnellen Erfolg, sondern die Reife – jene künstlerische Qualität, die nur durch Erfahrung, Geduld und gelebtes Leben entstehen kann.
Der südafrikanische Kontrabassist, Komponist, Produzent und Bandleader Thembinkosi Mavimbela, besser bekannt als Vimbs Mavimbs, blickt auf eine jahrzehntelange internationale Karriere zurück. Er hat an bedeutenden Produktionen mitgewirkt, auf renommierten Bühnen gespielt und mit herausragenden Musikerinnen und Musikern gearbeitet. Doch anstatt diese Erfahrungen lediglich zusammenzufassen, verwandelt er sie auf Late Bloomer in eine sehr persönliche musikalische Vision.
Bereits die Idee des Projekts ist außergewöhnlich. Es versteht sich als bewusste Alternative zur Hektik der heutigen Musikindustrie. Mavimbs geht davon aus, dass die tiefsten künstlerischen Stimmen jene sind, die Zeit hatten zu wachsen – geprägt von kulturellen Einflüssen, Geschichte und handwerklicher Meisterschaft. Late Bloomer wird damit zu einer Feier dessen, was nur langsam reifen kann.
Die eigentliche Essenz dieser Musik ist ihre Authentizität. Hier wird nicht komponiert, um Trends zu bedienen oder Erwartungen zu erfüllen. Vielmehr entsteht Musik aus einer eigenen künstlerischen Haltung, aus dem Wunsch, die Welt durch Klang zu reflektieren. Natürlich besitzt das Album Groove und Energie, natürlich lädt es stellenweise zum Mitgehen und Mitfühlen ein. Doch dahinter verbirgt sich weit mehr als Unterhaltung. Jede Komposition öffnet einen Raum für feine musikalische Nuancen, überraschende Klangfarben und sorgfältig entwickelte Ideen.
Besonders faszinierend ist die Balance zwischen Tradition und Zukunft. Mavimbs würdigt den reichen Kanon des südafrikanischen Jazz und bleibt dessen kulturellen Wurzeln tief verbunden. Gleichzeitig wagt er sich auf neue experimentelle Wege, ohne jemals den Kontakt zu seiner musikalischen Herkunft zu verlieren. Vergangenheit und Gegenwart stehen hier nicht im Widerspruch – sie führen vielmehr einen lebendigen Dialog.
Vielleicht liegt gerade darin die größte Stärke dieses Albums. Es beweist, dass künstlerische Reife keine Grenze, sondern eine Freiheit ist. Die Musik wirkt souverän, gelassen und zugleich neugierig. Sie muss niemandem etwas beweisen, weil sie aus einer inneren Überzeugung heraus entsteht.
Late Bloomer ist deshalb weit mehr als ein weiteres Jazzalbum. Es ist ein Plädoyer für das langsame Wachsen, für die Kraft der Erfahrung und für eine Kunst, die sich nicht nach dem Tempo der Gegenwart richtet, sondern nach der Wahrhaftigkeit ihres eigenen Ausdrucks. Und genau deshalb besitzt sie eine zeitlose Schönheit.
(Jacek Brun, 13.06.2026)
Besetzung
Robin Fassie - Trumpet (all tracks except 2)
Sisonke Xonti - Tenor Sax & Soprano Sax (track 1, 2, 7)
Thami Mahlangu - Tenor Sax (track 3, 5, 6, 9)
Zarcia Zacheus - Vocal (track 3)
Spha Mdlalose - Vocal (track 5, 9)
Keenan Ahrends - Guitar (track 1, 2, 3, 4)
Teboho Kobedi - Piano & Synths
Vimbs Mavimbs - Double Bass
Tlale Makhene - Percussions & Toys (track 5)
Lungile Kunene - Drums
Titelliste
- Chapman's Peak
- Love Drive
- Better Not To Show
- All In Or Nothing
- Chance
- Gloomy Lies
- Family Gathering
- One Night In Hamburg
- Ngelosi
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