Zach Brock & Phil Markowitz - Stratus

Zach Brock & Phil Markowitz - Stratus - Album cover
Zach Brock & Phil Markowitz - Stratus

Zach Brock & Phil Markowitz
Stratus

Erscheinungstermin: 26.09.2025
Label: Double Moon Records, 2025

Zach Brock & Phil Markowitz - Stratus - bei JPC kaufen

jazz-fun`s recap:

Zach Brock und Phil Markowitz zählen seit Jahren zu den herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Jazzszene. Beide sind sowohl als Solisten wie auch in hochkarätigen Projekten anderer Künstler erfolgreich und haben sich längst als stilprägende Stimmen etabliert. Doch was geschieht, wenn zwei Musiker dieser Klasse ihre Kräfte bündeln und ein gemeinsames Album aufnehmen?

„Stratus“ liefert die eindrucksvolle Antwort: Hier braucht es keine zusätzlichen Worte der Überzeugung – die Musik spricht für sich selbst. Schon nach den ersten Takten wird klar, dass man sich dieser Aufnahme kaum entziehen kann. Die kompositorische Reife, die improvisatorische Tiefe und die musikalische Erudition der beiden Protagonisten sind schlicht überwältigend. Unterstützt von einer traumhaft agierenden Rhythmusgruppe entsteht ein Klangkosmos voller Energie und Poesie.

Die Mischung aus großartigen Kompositionen, sensiblen Momenten und dynamischen Improvisationen macht „Stratus“ zu einem Album, das gleichermaßen fesselt wie berührt. Ein musikalisches Erlebnis, das man unbedingt gehört haben sollte.

(Jacek Brun, 01.10.2025)

Besetzung

Zach Brock - Violin
Phil Markowitz - Piano
Ville Herrala - Double bass
Jaska Lukkarinen - Drums

Stratus: Wenn Virtuosen gemeinsame Klangwelten erschaffen

Auch in der Jazzwelt geht es nicht immer gerecht zu. Wäre dem nicht so, würden der Geiger Zack Brock und der Pianist Phil Markowitz zu den allseits bekannten, international gefeierten Größen gehören. In Musikerkreisen sieht das zum Glück anders aus. Dort genießen die beiden US-Amerikaner einen exzellenten Ruf. Dafür sprechen nicht zuletzt ihre zahlreichen Engagements und Alben.

Den Namen Zach Brock bringen die meisten dieser Tage mit Snarky Puppy in Verbindung, denn seit Jahren spielt er regelmäßig mit dem wandlungsfähigen Kollektiv zusammen. Er ist auf bis dato acht Snarky-Alben zu hören. Einst gehörte Brock der Band des Bassisten Stanley Clarke an, später unter anderem der Gruppe des Gitarristen Kurt Rosenwinkel. Eine Reihe eigener Alben dokumentiert seine Klasse und seinen weiten stilistischen Horizont. Sein elftes Album „Dirty Mindz“ wurde für den Grammy nominiert.

Eine Generation älter ist Phil Markowitz. Seine umfangreichen Credits reichen von Stan Getz und Chet Baker über Al Di Meola und Michael Brecker bis zu David Liebman. Bei mehreren seiner Alben, die über die Jahrzehnte entstanden sind, handelt es sich um Projekte in Co-Leitung – so auch das erste mit Zach Brock, „Perpetuity“ (2014). Neben der musikalischen Verbundenheit haben Markowitz und Brock noch etwas gemeinsam. Beide sind erfahrene und international gefragte Dozenten. Dies war der Ausgangspunkt für „Stratus“, das brillante Album mit dem finnischen Top-Gespann, bestehend aus dem Bassisten Ville Herrala und dem Schlagzeuger Jaska Lukkarinen.

„Ich bin unheimlich froh, dass dieses Album endlich erscheint!“, sagt Zach Brock begeistert. „Was seine Bedeutung angeht, speziell mit Blick auf das, was ich musikalisch sagen möchte, steht es bei mir ganz oben.“ Dabei betont er den Teamcharakter. „Unsere Musik mag intellektuell und emotional herausfordernd sein. Aber bei uns vieren hat eindeutig das Herz den Ton angegeben.“ Jaska Lukkarinen, der die organisatorischen Fäden in Händen hielt, unterstreicht das: „Die Verbindung unter uns war sofort da! Musikalisch wie menschlich hat bei diesem Projekt einfach alles gepasst.“ Dabei gab es keine allzu lange Vorbereitungszeit. Lukkarinen ergänzt: „Das geschah auf geradezu altmodische Weise: eine Probe, ein paar Konzerte, zwei Tage im Studio. Alles lief überraschend problemlos.“ Entscheidend war die gemeinsame Gewissheit, dass jeder für alles offen ist, „dass wir zusammen in alle Richtungen vorstoßen können, in die es uns zieht.“

Markowitz, Brock, Lukkarinen und Herrala hatten sich 2017 erstmals getroffen. Der Geiger und der Pianist bildeten zu diesem Zeitpunkt bereits seit einiger Zeit ein Duo und hatten für das Album „Perpetuity“ Duo- und Quartett-Stücke aufgenommen. Im Jahr 2012 war Zach Brock auf Phil Markowitz zugegangen, um frische Impulse für seine persönliche Entwicklung zu erhalten. Markowitz galt zu diesem Zeitpunkt bereits als versierter und vielseitig offener Jazz-Pädagoge – eine Kapazität, von deren Fähigkeiten und Einsichten sich auch fortgeschrittene Jazz-Akteure gerne inspirieren lassen.

Im Jahr 2017 folgten die beiden einer Einladung der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki. Während ihres Aufenthalts nahmen sie an einem Konzert zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie teil. Die Rhythmusgruppe des Abends bildeten zwei der herausragendsten Jazz-Persönlichkeiten Finnlands: Ville Herrala und Jaska Lukkarinen. Brock schwärmt: „Ich war hin und weg, als ich die beiden gehört habe!“ Er schwärmt weiter: „Ville ist einer der besten Bassisten, mit denen ich je gespielt habe – und das waren so einige. Er ist einfach ein super Typ. Genau wie Jaska. Er ist einfach großartig darin, einfühlsam zu spielen und trotzdem eine hohe Intensität zu halten.“ Beide sind seit Jahren bestens vernetzt und haben mit vielen der prominentesten Jazz-Acts Finnlands gearbeitet – ihre Credit-Listen sind lang und illustre besetzt.

Auf die musikalische Wertschätzung folgte die persönliche Begegnung. Die gegenseitigen Sympathien wurden zu einer ebenso wichtigen Basis. Für das folgende Frühjahr steckte Lukkarinen den Rahmen für das Quartett ab. Er buchte Festivalauftritte im Norden Finnlands (in Oulu und Rovaniemi) und konnte das nationale finnische Radio für eine Studioproduktion gewinnen. Die Kompositionen lieferten Brock und Markowitz. Einige hatten sie bereits als Duo gespielt, darunter Markowitz' Arrangement von Ellingtons „Come Sunday“ und Brocks Arrangement des Folksongs „Black Is the Color“. In den eigenen Stücken findet sich alles, was Brock bzw. Markowitz ausmacht: vor allem harmonische und melodische Komplexität, rhythmische Eigenwilligkeit, lyrische Kraft und eine ganz eigene Handschrift. All das wird im eng verzahnten Zusammenwirken des Quartetts lebendig. Es agiert wie ein Kollektiv. Und es klingt zeitweise so, als habe es das Miteinander über längere Zeit entwickelt.

Da überrascht es nicht, dass die Beteiligten noch einmal das Persönliche betonen. Wenn Brock über die gemeinsame Musik spricht, fallen Worte wie Verbundenheit, Liebe und Kameradschaft. „Diese Musik erfordert ein hohes Maß an Verletzlichkeit. Ich spiele am liebsten mit Musikern, die ich mag und mit denen ich mich in jeder Hinsicht wohlfühle, damit ich so frei, so offen und ehrlich wie möglich sein kann.“ Allein sein intimer Ausdruck im eröffnenden „Wonderment“ spricht da Bände. Lukkarinen ergänzt: „Jeder hört aufmerksam auf jeden, was gar nicht so selbstverständlich ist.“ Beide sind sich einig, dass Phil Markowitz daran großen Anteil hat. „Er ist einer der ganz Großen. Er spielt unglaubliche Sachen, aber gibt nie an. Er ist einer jener Pianisten, die alle anderen besser klingen lassen.“ Lukkarinen war auf Anraten von Markowitz, bei dem er 2003 an der Sibelius-Akademie Unterricht hatte, für ein paar Jahre an die Manhattan School of Music in New York gegangen. Danach riss der Kontakt nie mehr ab.

Dass „Stratus“ erst jetzt veröffentlicht wird, hat verschiedene Gründe, darunter die Verwerfungen der Corona-Zeit. Danach geriet die Produktion vorübergehend aus dem Fokus. Umso stärker ist nun der gemeinsame Wille, daran anzuknüpfen – unter anderem mit Konzerten, die alle Qualitäten dieser in jeder Hinsicht außerordentlichen Gruppe zeigen und weiter vertiefen.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. Wonderment
  2. Wayne
  3. Backspace
  4. Reasons
  5. Black is the color of my true love's hair
  6. First run
  7. Stratus
  8. Come sunday
  9. Return

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 7.