Esther Kaiser - Breathing – Puls Im Herzen Des Jazz
Ich atme also bin ich. Mit dieser Rückbesinnung auf den Atem als das Intimste, was Menschen über Sprache, Bewegung, Berührung und Gestalten verbindet, hat die in Berlin lebende Jazz-Vokalistin, Komponistin und Produzentin Esther Kaiser ihr neuntes Album dem Atem, „Breathing“ gewidmet, das im August bei dem niederländischen Label Challenge Records International erscheinen wird.
Esther Kaiser umweht ein frischer Hauch an zugeschriebenen Attributen wie u.a. „Stimmenkünstlerin“ (Dresdner Neueste Nachrichten), „Schamanin des Jazz“ (Kieler Nachrichten), „Jazzpoetin“ ( Zitty). Und Esther Kaiser übernimmt Verantwortung, da, wo sie ist. Ihre Alben atmen, sind politisch und sozial konotiert, wie der Jazz es von jeher ist. Ihre Diskographie liest sich wie ein kontinuierlicher Atem in Wechselwirkung mit namhaften Protagonistinnen. Ihr fünftes Album „Learning how to listen“ mit Songs der Sängerin und Bürgerrechtlerin Abbey Lincoln war nochmals wegweisend. Mit „Songs of Courage“ gelang ihr unter Beteiligung geflüchteter Musikerinnen und Musikern ein Statement und Bekenn
Mit BREATHING gewährt Esther Kaiser einen Blick in das Herz des Jazz.
Sie atmet ein, was ist, spürt und atmet aus, das, was Raum schafft für ein Mehr an Verstehen, Toleranz, Frieden, an Freiheit. In BREATHING fließt der Atem vieler, findet Resonanz in Urvertrauen zu sich selbst , im Wind , im alten Haus und bei dem Stück „Gnome Scene“ stockt er und fließt einmal nicht.
Die ersten beiden Singles symbolisieren die Spiegelung der eigenen inneren Welt mit der einer anderen inneren Welt, beide in Wechselwirkung. „Learning to breathe“, ist die erste Single. Esther Kaiser beschreibt den Song selbst:
“…Thema des Songs sind diese besonderen und herausfordernden Situationen im Leben, wo man das Gefühl hat, das Gehen, das Sehen, selbst das Atmen wieder neu lernen zu müssen. Wo einem sprichwörtlich der Atem stockt und man einfach nur damit beschäftigt ist einen Schritt vor den anderen zu setzen. Weiterzugehen. Loszulassen. Vor allem das oder diejenigen, die man liebt. In solch einem Loslassen spürt man sich selbst auf existentielle Weise. Man ist sozusagen auf sich selbst und den eigenen Atem zurückgeworfen. Und das kann am Ende auch ein großes Geschenk sein. Es ist das Leben selbst, das in solchen Phasen besonders tief in einem atmet.“
Die zweite Single „The Girl who is still standing“ spiegelt die andere Atemwelt.
Esther Kaiser schrieb den Song 2022 während der Woman-Life-Freedom-Proteste im Iran und stellte dabei das Gedicht „I will greet the sun again“ der iranischen Dichterin und Filmemacherin Forugh Farrokhzad (1935-1967) in den Mittelpunkt. Das Gedicht kommt ab der Mitte des teils eher instrumental gehaltenen Stücks in Form einer „Vokalise“ in das Stück hinein und kulminiert im Refrain mit dem Satz „I will come with my hair“ wie ein Kehrvers. Die weiblichen langen Haare, welche ja gerade 2022 weltweit zum Symbol der Solidarität mit den Frauen im Iran wurden, im Akt des selbstbestimmten Abschneidens. Auch als Geste der Trauer und des Widerstands. Am Ende des Stücks wird das Gedicht nicht mehr gesungen , sondern nur noch gesprochen, es endet dann mit dem Satz „The Girl who is still standing“.
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