Rezension des Albums "Bangers and Ballads" von Philipp Schiepek / Lorenz Widauer Quartett
Philipp Schiepek / Lorenz Widauer Quartett
Bangers and Ballads
Erscheinungstermin: 08.05.2026
Label: Wooden Waggon Records, 2025
Jung und gut: Modern Jazz mit viel Sinn fürs Detail
Man nehme: einen sehr guten Gitarristen und einen sehr guten Trompeter, stelle ihnen mit dem brasilianischen Bassisten Michael Acker und dem aus Rumänien stammenden Schlagzeuger Matheus Jardim ein souverän groovendes, feinfühlig Akzente setzenden Rhythmusgespann zur Seite und lasse sie im Studio „Bangers and Ballads“ einspielen – fertig ist das Erfolgskonzept. Klingt einleuchtend, könnte aber nicht ferner von der Realität dieses Albums sein. Denn hinter der musikalischen Paarung zweier Ausnahmetalente, wie sie der 1994 im fränkischen Dinkelsbühl geborene Gitarrist Philipp Schiepek und der vier Jahre jüngere gebürtige Salzburger Trompeter Lorenz Widauer sind, steckt kein vielversprechendes Marketingkonzept, sondern erst einmal ein Zufall. Der nämlich war es, der die beiden im Sommer 2021 erstmals auf einer Bühne zusammenbrachte: bei den damaligen Jedermann-Aufführungen der Salzburger Festspiele mit Lars Eidinger in der Titeltrolle und Verena Altenberger als Buhlschaft.
Schiepek und Widauer gehörten zum „Ensemble 021“, das die Jedermann-Musik dem geneigten Festspielpublikum zu Gehör brachte. Dabei stellten sie aber rasch auch jenseits der Bühne am Domplatz gemeinsame musikalische Interessen fest. Vor allem die Liebe zum musikalischen Detail war es, und generell die Wertschätzung vermeintlicher Kleinigkeiten, die die beiden miteinander verband und die nun hörbar in ihr Album eingeflossen sind. „Bangers and Ballads“, gemeinsam produziert und in Eigenregie veröffentlicht auf dem Label von Schiepeks Schwester, Wooden Waggon Records, vereint vier Kompositionen von Lorenz Widauer und fünf von Philipp Schiepek.
Dass man beim bloßen Hören auf Anhieb wohl kaum sagen könnte, wer was geschrieben hat, spricht nicht etwa für eine weniger klar erkennbare musikalische Handschrift des eines oder anderen, sondern ist vielmehr ein durchaus beeindruckender Ausdruck dessen, in wie hohem Maße die beiden einen gemeinsamen Gruppenklang ge- und erfunden haben. Und wer jetzt etwa annimmt, Philipp Schiepek, der zuletzt auf seinem Album „Meadows and Mirrors“ seine lyrische Seite auf der akustischen, mit Nylonsaiten bespannten Gitarre in den Vordergrund stellte, sei wohl vor allem für die „Ballads“ verantwortlich – keineswegs: Der Mann, der heute Professor für Jazz-Gitarre an der Hochschule für Musik und Theater in München ist, kann es auch (auf der E-Gitarre) ganz schön krachen lassen.
Gleichwohl sind die Balladen – Schiepeks „The One“ und „Rebecca“, Widauers in „Too Many Questions“ übergehendes „Prelude“– Höhepunkte auf einem insgesamt rundum gelungenen Album, das selbst „im Nebenbeihören“ gute Stimmung verbreitet, das genaue Hinhören aber unbedingt lohnt. Denn die Liebe steckt bei dieser ausgeklügelt spielfreudigen, viel Raum für Improvisation und Kommunikation auf Augenhöhe lassenden, komplexe Harmonien mit traumschönen Melodien vereinenden Musik immer auch: im Detail.
(Robert Fischer, 24.4.2026)
Titelliste
- Serendipity
- Rail
- The One
- Detective
- Rebecca
- Bologna
- Prelude
- Too many Questions
- No. 14
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